Baugenehmigungen, Zahl

Deutsche Baugenehmigungen steigen zweistellig

Veröffentlicht am: 18.05.2026 um 18:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Zahl genehmigter Wohnungen legt im MĂ€rz um 11,5 Prozent zu. Experten sehen die Talsohle der Baukrise als durchschritten an.

Deutsche Baugenehmigungen steigen zweistellig Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de
Deutsche Baugenehmigungen steigen zweistellig Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Das Statistische Bundesamt meldete am Montag 21.800 genehmigte Wohneinheiten – ein Plus von rund 2.200 im Vergleich zum Vorjahresmonat. Besonders der Neubau zog mit 8,2 Prozent auf 17.600 Einheiten an. Noch stĂ€rker wuchs der Umbau im Bestand: plus 28 Prozent.

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Der positive Trend bestĂ€tigt die Entwicklung aus 2025. Damals genehmigten die Behörden 238.500 Wohnungen – ein Anstieg von 10,8 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Die Talsohle der Baukrise scheint damit durchschritten. Seit 2021 hatte die Branche mit massiven RĂŒckgĂ€ngen gekĂ€mpft. Experten fĂŒhren die Erholung auf mehr Planungssicherheit und neue politische Impulse zurĂŒck – etwa den „Bau-Turbo“ und das Infrastrukturzukunftsgesetz.

Digitale Helfer fĂŒr komplexe Förderungen

Die Markterholung treibt auch die Digitalisierung der Immobilienbranche voran. Ein zentrales Problem: Die Förderlandschaft ist unĂŒbersichtlich. Neue Abschreibungsregeln wie die degressive AfA und spezifische KfW-Programme machen Investitionen zwar attraktiver, aber schwerer vergleichbar.

Die Plattform WohnbauAtlas.de will das Ă€ndern. Das in Herrsching am Ammersee ansĂ€ssige Unternehmen stellte Mitte Mai seine erweiterten Analysefunktionen vor. Nutzer können Neubauprojekte nicht nur nach Lage und Preis filtern, sondern auch nach wirtschaftlicher Effizienz durch staatliche Förderungen. Die Plattform erfasst Projekte, die das QualitĂ€tssiegel Nachhaltiges GebĂ€ude (QNG) erfĂŒllen oder von Sonder-AfA sowie Denkmalabschreibungen profitieren.

GrĂŒnder Andy Laufer sagte, die Idee sei aus Eigenbedarf entstanden. Herkömmliche Portale bildeten die steuerlichen und energetischen Feinheiten von Neubauten nur unzureichend ab. Dabei entscheiden genau diese Faktoren zunehmend ĂŒber die RentabilitĂ€t eines Investments.

Preise ziehen wieder an

Die Erholung bei den Genehmigungen trifft auf einen Markt, der preislich wieder Fahrt aufnimmt. Der Postbank Wohnatlas verzeichnete fĂŒr 2025 den ersten realen Preisanstieg bei Eigentumswohnungen seit drei Jahren: plus 0,6 Prozent nach Abzug der Inflation.

Besonders MittelstĂ€dte mit bis zu 100.000 Einwohnern legten zu – hier stiegen die Preise um durchschnittlich 1,2 Prozent. In den sieben grĂ¶ĂŸten Metropolen, den „Big 7“, fiel das Plus mit 0,2 Prozent moderat aus. Experten von Dr. Klein prognostizieren fĂŒr 2026 einen weiteren Anstieg von rund 3,0 Prozent bundesweit.

Treiber bleibt die Angebotsknappheit. Zwar steigen die Genehmigungszahlen, die tatsĂ€chliche BautĂ€tigkeit liegt aber noch weit unter dem politischen Ziel von 400.000 Wohnungen pro Jahr. Jens Tolckmitt, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbands deutscher Pfandbriefbanken (vdp), betonte im Mai, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum mĂŒsse weiter höchste PrioritĂ€t haben – auch wenn der Markt mit „moderatem RĂŒckenwind“ ins Jahr gestartet sei.

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Politik beschleunigt Bauverfahren

Die wirtschaftliche Erholung wird von gesetzlichen Änderungen flankiert. Die Koalition aus CDU/CSU und SPD hat im FrĂŒhjahr 2026 zentrale Teile ihres Bau-Pakets auf den Weg gebracht. Dazu gehört ein Upgrade des Baugesetzbuches (BauGB), das Planungs- und Genehmigungsverfahren durch Digitalisierung und Standardisierung beschleunigen soll. Ein Kabinettsbeschluss wird noch vor der parlamentarischen Sommerpause im Juli erwartet.

Kernelement der Strategie: die Förderung des seriellen Bauens und die EinfĂŒhrung des „GebĂ€udetyps E“. Dieser verzichtet auf rechtlich nicht zwingend erforderliche Komfortstandards und ermöglicht so kostengĂŒnstigeres Bauen. Ziel ist es, die Baukosten trotz gestiegener Klimaschutzanforderungen stabil zu halten.

Steuerliche Anreize tun ihr Übriges. Die degressive AfA fĂŒr den Wohnungsneubau erlaubt Investoren, Kosten schneller abzuschreiben und verbessert so die LiquiditĂ€t in der frĂŒhen Projektphase. Plattformen wie der WohnbauAtlas machen diese komplexen Vorteile transparent und vermitteln zwischen Projektentwicklern und KĂ€ufern.

Herausforderungen bleiben

Trotz positiver Signale kĂ€mpft die Branche weiter mit Problemen. Hohe Materialkosten und FachkrĂ€ftemangel belasten das verarbeitende Gewerbe. Geopolitische Unsicherheiten beeinflussen die Finanzierungsbedingungen. Branchenbeobachter merken an, dass steigende Zinsen fĂŒr Zehnjahres-Anleihen den Spielraum fĂŒr klassische Baufinanzierungen wieder verengt haben.

Auf dem Branchen-Tag Anfang Mai in Berlin diskutierte die Bauindustrie intensiv ĂŒber die Transformation. Deutlich wurde: Ein nachhaltiger und bezahlbarer GebĂ€udesektor gelingt nur durch konsequente Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette. Building Information Modeling (BIM) und digitale BauantrĂ€ge gelten inzwischen als Notwendigkeit, nicht mehr als Option.

Ausblick: Verhalten optimistisch

Die Prognosen fĂŒr den Rest des Jahres sind vorsichtig positiv. Baugenehmigungen gelten als FrĂŒhindikator – die fertigen Wohnungen werden frĂŒhestens 2027 auf dem Markt erscheinen. Analysten erwarten eine weitere Stabilisierung des Transaktionsvolumens, sofern keine neuen Schocks die EnergiemĂ€rkte treffen.

FĂŒr Wohnungssuchende und Investoren verschiebt sich der Fokus hin zu qualitĂ€tsorientierten Objekten. Die Nachfrage konzentriert sich auf GebĂ€ude mit niedrigen Betriebskosten und hoher Energieeffizienz. Spezialisierte Informationsdienste wie der WohnbauAtlas dĂŒrften sich in diesem Umfeld fest etablieren. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der „Bau-Turbo“ ausreicht, um die LĂŒcke zwischen Bedarf und Angebot nachhaltig zu schließen.

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