Deutsche Exporte sinken im August â China-Ungleichgewicht wĂ€chst
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 08:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDeutschlands Exporte sind im August gesunken, wĂ€hrend die Importe zunahmen und der AuĂenhandelsĂŒberschuss zurĂŒckging.
Ausfuhren sinken, Importe steigen
Der Wert der Warenexporte fiel kalender- und saisonbereinigt auf 137,6 Milliarden Euro. Das waren 0,8 Prozent weniger als im Juli, wie das Statistische Bundesamt anhand vorlÀufiger Zahlen mitteilte.
Die Importe stiegen dagegen um 0,9 Prozent auf 118,1 Milliarden Euro. Der AuĂenhandelsĂŒberschuss verringerte sich dadurch von 21,6 Milliarden Euro im Juli auf 19,5 Milliarden Euro im August.
Deutliches Plus im Jahresvergleich
Im Vergleich zum Vorjahresmonat legten die Exporte nominal um 6,2 Prozent zu. Die Importe stiegen um 5,5 Prozent.
Wichtigster Einzelmarkt blieben die Vereinigten Staaten. Die Lieferungen dorthin gingen im Monatsvergleich allerdings um 6,3 Prozent zurĂŒck. Im Jahresverlauf steht noch ein leichtes Exportplus von 1,1 Prozent zu Buche.
China-Exporte schrumpfen im Jahresverlauf
In LĂ€nder auĂerhalb der EuropĂ€ischen Union exportierten deutsche Unternehmen 1,1 Prozent weniger als im Juli. Nach China stiegen die Ausfuhren im August zwar um 4,7 Prozent.
Ăber die ersten acht Monate des Jahres ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Die Exporte nach China schrumpften um 12,9 Prozent, wĂ€hrend die Importe aus der Volksrepublik um 10,1 Prozent zunahmen.
BGA hebt Prognose leicht an
Der AuĂenhandelsverband BGA hatte seine Prognose fĂŒr die deutschen Ausfuhren im laufenden Jahr am Vortag leicht angehoben. Erwartet wird nun ein Wachstum des Exportvolumens um 1,0 Prozent auf 1.580 Milliarden Euro. Zuvor war der Verband von einem Plus von 0,6 Prozent ausgegangen.
Gleichzeitig warnte der BGA vor weiterhin schwierigen GeschÀften in den USA und in China.
China-GeschÀft unter Druck
Die August-Zahlen verschÀrfen ein strukturelles Ungleichgewicht im deutschen Handel mit China: WÀhrend deutsche Unternehmen dort weniger verkaufen, nehmen die Einfuhren chinesischer Waren zu. Das betrifft nicht nur einzelne Produkte, sondern wichtige industrielle Bereiche wie Autos, Maschinen, Chemie und Elektrotechnik.
Auf europĂ€ischer Ebene wĂ€chst deshalb der Druck, die Handelsbeziehungen neu auszurichten. Im Mittelpunkt stehen eine stĂ€rkere Diversifizierung kritischer Lieferketten und Instrumente gegen Wettbewerbsverzerrungen. FĂŒr Deutschland ist das besonders relevant, weil China zugleich Absatzmarkt, Lieferant und ein zunehmend starker Konkurrent ist.
USA bleiben wichtiger Absatzmarkt
Der RĂŒckgang der Lieferungen in die Vereinigten Staaten im August zeigt zudem, wie empfindlich der deutsche AuĂenhandel auf politische und wirtschaftliche VerĂ€nderungen reagiert. Trotz der monatlichen SchwĂ€che blieben die USA im Berichtsmonat der wichtigste Einzelmarkt. FĂŒr Unternehmen bedeutet das, dass die AbhĂ€ngigkeit von wenigen groĂen Absatzregionen ein wesentliches Risiko bleibt.
Die angehobene Exportprognose des BGA signalisiert zwar eine Stabilisierung im Gesamtjahr. Der sinkende AuĂenhandelsĂŒberschuss und die unterschiedlichen Entwicklungen bei Exporten und Importen nach China machen aber deutlich, dass ein höheres Exportvolumen allein die Wettbewerbsprobleme nicht löst. FĂŒr Verbraucher und BeschĂ€ftigte können VerĂ€nderungen bei Preisen, Lieferketten und industriellen ArbeitsplĂ€tzen besonders relevant werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âVor EU-Besuch in China: Erwartungen so hoch wie das Handelsdefizitâ (06.10.2026)
Der Bericht stelle das wachsende Handelsdefizit der EuropĂ€ischen Union gegenĂŒber China in den Mittelpunkt und betone die Forderungen Deutschlands und Frankreichs nach neuen handelspolitischen Instrumenten. Er ordne die deutschen Exportprobleme in eine breitere europĂ€ische Debatte ĂŒber Subventionen, Marktzugang und strategische AbhĂ€ngigkeiten ein; offen bleibe, ob Verhandlungen mit Peking eine Verringerung des Ungleichgewichts bewirken könnten.
Pressespiegel: Einordnung zwischen Produktion und AuĂenhandel
tagesschau: âDeutsche Unternehmen fahren Produktion ĂŒberraschend deutlich hochâ (07.10.2026)
Der Artikel hebe hervor, die deutsche Produktion sei im August trotz wirtschaftlicher Belastungen deutlich gestiegen. Zugleich bestĂ€tige er die vorsichtig optimistischere Exportprognose des BGA und betone, dass die RĂŒckgĂ€nge im GeschĂ€ft mit den USA und China die Lage weiterhin volatil machten.
Beide Berichte stellten eine gewisse Stabilisierung der deutschen Wirtschaft fest, verwiesen aber zugleich auf strukturelle Risiken im China-GeschÀft und auf die politische Frage, wie Europa mit dem wachsenden Handelsungleichgewicht umgehen solle.
