Griechenland, Sechs-Tage-Woche

Griechenland fĂŒhrt Sechs-Tage-Woche ein

25.06.2024 - 05:15:31

Deutschland diskutiert die Vier-Tage-Woche, Griechenland geht einen anderen Weg: Wegen des FachkrĂ€ftemangels können Festangestellte dort kĂŒnftig fĂŒr ordentlich mehr Geld einen Tag zusĂ€tzlich arbeiten.

Startschuss 1. Juli: Arbeitgeber in Griechenland können ihren Angestellten den Vorschlag unterbreiten, sechs anstatt bisher fĂŒnf Tage die Woche zu arbeiten. Das Angebot könnte sich fĂŒr die BeschĂ€ftigten lohnen: FĂŒr den sechsten Arbeitstag erhalten sie qua Gesetz einen Aufschlag von 40 Prozent mehr Gehalt, handelt es sich dabei um Sonn- und Feiertage, gibt es sogar 115 Prozent zusĂ€tzlich. Damit könnten die Griechen kĂŒnftig mehr arbeiten als ohnehin schon: Innerhalb der EU verzeichnen sie die meisten Wochenarbeitsstunden.

Gewerkschaften kritisieren das Gesetz trotz der geplanten Zusatzzahlungen als Ausbeutung, doch Arbeitsminister Adonis Georgiadis lĂ€sst sich nicht beirren: «Da vor allem in der Industrie ein großer Mangel an ArbeitskrĂ€ften herrscht, werden Überstunden geleistet - und die werden oft schwarz gezahlt», argumentierte er bei der Debatte zum Gesetz im Parlament. Mit der neuen Regelung hingegen erhielte jeder das Recht auf extra bezahlten Sondereinsatz und Schwarzarbeit werde der Riegel vorgeschoben.

Vom Brain-Drain bis heute nicht erholt

Der FachkrĂ€ftemangel in Griechenland ist vor allem auf die schwere Finanzkrise des Landes von 2010 bis 2018 zurĂŒckzufĂŒhren. Damals stand das Land kurz vor der Pleite und Hunderttausende gut ausgebildete junge Leute wanderten ab, um ihr GlĂŒck im Ausland zu suchen. Von diesem Brain-Drain hat sich Griechenland bis heute nicht erholt, auch wenn es mit der Wirtschaft aufwĂ€rtsgeht.

Der Mangel an ArbeitskrĂ€ften trotz einer Arbeitslosenquote von aktuell rund 11 Prozent betrifft nicht nur Industriebetriebe und den IT-Sektor, sondern vor allem auch die Landwirtschaft und den Tourismus. Dort aber strebt die konservative griechische Regierung unter MinisterprĂ€sident Kyriakos Mitsotakis andere Lösungen an. So wird versucht, SaisonkrĂ€fte fĂŒr die Ernte sowie als Service- und ReinigungskrĂ€fte Menschen aus Ägypten, Indien und anderen SchwellenlĂ€ndern zu akquirieren.

Das neue Gesetz zur Sechs-Tage-Woche hingegen zielt auf Unternehmen ab, die zwölf oder auch 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche den Betrieb aufrechterhalten mĂŒssen - etwa Industriebetriebe, aber auch Telekommunikationsunternehmen und andere Dienstleister. Auch der öffentliche Sektor und Staatsunternehmen gehören zur Zielgruppe.

In Europa arbeitet keiner mehr als die Griechen

Die MĂ€r von den arbeitsfaulen Griechen, wie sie wĂ€hrend der Finanzkrise von zahlreichen internationalen, vor allem auch deutschen Medien kolportiert wurde, wird dadurch einmal mehr widerlegt. Laut Statistikbehörde Eurostat fĂŒhren die Griechen mit 39,8 Stunden die europĂ€ische Rangliste der Wochenarbeitsstunden an. FĂŒr Deutschland verzeichnet die Auflistung im Schnitt 34 Wochenstunden. Über GebĂŒhr sollen jedoch auch die Griechen nicht arbeiten, wie das neue Gesetz aus Athen festlegt: 48 Stunden pro Woche sind demnach das Maximum.

In Deutschland lobte zuletzt CSU-Chef Markus Söder das griechische Konzept und forderte von den Deutschen mehr Fleiß. «In Griechenland gibt es jetzt zum Beispiel eine Sechs-Tage-Woche, bei uns wird ĂŒber eine Vier-Tage-Woche diskutiert. So werden wir den RĂŒckstand nicht aufholen. Wir mĂŒssen wieder mehr arbeiten, aber mehr Arbeit muss sich dann auch lohnen», hatte er der «Bild-Zeitung» gesagt.

@ dpa.de