Deutschland kann Entlastung fordern
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 11:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas geht aus einer Analyse des EU-Migrationskommissars Magnus Brunner hervor, die als Verhandlungsgrundlage fĂŒr die Verteilung der Lasten im europĂ€ischen Asylsystem zwischen den Mitgliedsstaaten dient.
Brunner teilte mit, Deutschland habe ĂŒber viele Jahre hinweg sehr viel Verantwortung ĂŒbernommen und tue dies weiterhin. "Das wird von der Kommission ausdrĂŒcklich berĂŒcksichtigt und erneut zu Entlastungen fĂŒr Deutschland im nĂ€chsten Jahr fĂŒhren", sagte der österreichische Politiker. Die europĂ€ische Migrationswende wirke, die illegale Migration gehe europaweit weiter stark zurĂŒck.
Deutschland leistete schon bisher keinen Beitrag
Das Gemeinsame EuropĂ€ische Asylsystem (Geas) sieht vor, dass besonders belasteten LĂ€ndern die SolidaritĂ€t anderer EU-Staaten zusteht, indem diese Migranten ĂŒbernehmen oder einen finanziellen Beitrag leisten. SolidaritĂ€t kann aber auch geleistet werden, indem EU-Staaten Projekte gegen illegale Migration in Drittstaaten fördern oder Material zur VerfĂŒgung stellen.
Deutschland hatte bisher keine BeitrĂ€ge zum sogenannten SolidaritĂ€tspool geleistet und stattdessen argumentiert, sich in den vergangenen Jahren bereits um sehr viele Asylbewerber gekĂŒmmert zu haben, fĂŒr die eigentlich andere EU-Staaten zustĂ€ndig wĂ€ren. Denn: GrundsĂ€tzlich ist das Land zustĂ€ndig, in dem Schutzsuchende zuerst ankommen. Trotzdem reisten in den vergangenen Jahren viele Menschen nach ihrer Ankunft etwa in Griechenland oder Italien nach Deutschland weiter.
Auf diese FĂ€lle verweist die EU-Kommission auch in ihrem diesjĂ€hrigen Bericht, der den Zeitraum von Juli 2025 bis Juni 2026 berĂŒcksichtigt. Darin heiĂt es auch, die Anrechnung dieser Ăbernahmen kann den EU-Regeln zufolge andere SolidaritĂ€tsleistungen ersetzen.
EU-Bericht sieht Deutschland in Risikogruppe
GrundsÀtzlich wird Deutschland gemeinsam mit Staaten wie Belgien, Frankreich und den Niederlanden auch in der diesjÀhrigen Analyse wieder zu einer Risikogruppe gerechnet. LÀnder dieser Gruppe könnten im kommenden Jahr nach Ansicht der EU-Kommission Gefahr laufen, unter hohen "Migrationsdruck" zu geraten. Ursachen können etwa hohe Ankunftszahlen oder besondere Belastungen der Aufnahmesysteme sein.
Solange diese Situation nicht eintritt, mĂŒssen diese Staaten zwar grundsĂ€tzlich SolidaritĂ€t leisten. Sie können sich aber wie Deutschland im laufenden Jahr die bereits geleistete Ăbernahme von Schutzsuchenden anrechnen lassen.
Vier EU-LĂ€ndern können UnterstĂŒtzung verlangen
Spanien, Italien, Griechenland und Zypern sind dagegen nach Ansicht der EU-Kommission auch weiterhin so sehr durch Migration belastet, dass sie die UnterstĂŒtzung von anderen LĂ€ndern verdienen. Zu den EU-Staaten, die nach den EU-Regeln wahrscheinlich Migranten aus anderen LĂ€ndern aufnehmen oder andere SolidaritĂ€tsbeitrĂ€ge leisten mĂŒssen, zĂ€hlen LĂ€nder wie Schweden, Portugal oder die Slowakei.
Der mit Geas eingefĂŒhrte SolidaritĂ€tsmechanismus, soll einen lange andauernden Streit zwischen den MitgliedslĂ€ndern befrieden. WĂ€hrend sich die Staaten an den AuĂengrenzen in den vergangenen Jahren mit den vielen AnkĂŒnften von FlĂŒchtlingen alleingelassen fĂŒhlten, pochten LĂ€nder wie Deutschland und Frankreich auf die ZustĂ€ndigkeitsregeln.
Ăber die VorschlĂ€ge der EU-Kommission fĂŒr den sogenannten SolidaritĂ€tspool mĂŒssen nun die Mitgliedstaaten verhandeln. Sie haben dafĂŒr auch detaillierte Zahlen bekommen, die von der EU-Kommission allerdings entsprechend der Verordnung ĂŒber das Asyl- und Migrationsmanagement vorerst nicht öffentlich gemacht werden.
