Schutz fĂŒr Ostsee-Infrastruktur geplant
14.01.2025 - 07:35:03Hintergrund sind mutmaĂliche Sabotageakte durch die sogenannte russische Schattenflotte. Zu einem Gipfel in Helsinki treffen sich heute Bundeskanzler Olaf Scholz und die Staats- und Regierungschefs der Nato-Staaten rund um die Ostsee, um MaĂnahmen zur Sicherung der Infrastruktur zu besprechen.
Gipfel und Ziele
Gastgeber des Treffens sind Finnlands PrĂ€sident Alexander Stubb und Estlands MinisterprĂ€sident Kristen Michal. Um 11.15 Uhr deutscher Zeit ist eine gemeinsame Pressekonferenz mit NATO-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte geplant. Bundeskanzler Scholz wird anschlieĂend eine eigene Stellungnahme abgeben.
Zentrales Thema der Zusammenkunft wird die Sicherheitslage im Ostsee-Raum sein. Dabei soll es vor allem darum gehen, wie man kritische Infrastruktur mit einer stĂ€rkeren Nato-PrĂ€senz besser schĂŒtzen und dabei der Bedrohung durch die sogenannte russische Schattenflotte begegnen kann. Damit sind Tanker und andere Frachtschiffe mit undurchsichtigen EigentĂŒmerstrukturen gemeint, die Russland benutzt, um Sanktionen infolge seines Einmarsches in die Ukraine etwa beim Ăltransport zu umgehen. Mittlerweile zĂ€hlt das AuswĂ€rtige Amt insgesamt 79 Schiffe zur Schattenflotte.
Was vorgefallen ist
Mit dem Gipfel reagieren die beteiligten Nato-LĂ€nder Deutschland, DĂ€nemark, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen und Schweden auf jĂŒngste VorfĂ€lle, bei denen Leitungen und Kabel in der Ostsee mutmaĂlich vorsĂ€tzlich beschĂ€digt wurden. Darunter war in gleich zwei FĂ€llen im November und am ersten Weihnachtstag auch ein Glasfaserkabel, das zwischen Helsinki und Rostock verlĂ€uft. Bei dem Vorfall an Weihnachten wurde unter anderem auch die Stromleitung Estlink 2 zwischen Finnland und Estland gekappt.
Was die russische Schattenflotte damit zu tun haben soll
Nach der BeschĂ€digung von Estlink 2 fiel der Verdacht schnell auf den Ăltanker "Eagle S", der zwar unter der Flagge der Cookinseln fĂ€hrt, nach EinschĂ€tzung der EU aber Teil der Schattenflotte ist. Finnland setzte das Schiff fest und brachte es fĂŒr Ermittlungen in einen Hafen östlich von Helsinki.
Die Ermittler untersuchen derzeit einen geborgenen Schiffsanker, der zur "Eagle S" gehören soll. Der Verdacht besteht, dass das Schiff den Anker wissentlich auf einer LĂ€nge von rund 100 Kilometern ĂŒber den Meeresgrund gezogen haben soll, um so SchĂ€den anzurichten. Gegen mehrere Besatzungsmitglieder wurden Reiseverbote verhĂ€ngt.
Ganz Ă€hnlich sollen schon im November SchĂ€den an zwei Glasfaserkabeln entstanden sein, darunter das besagte zwischen Helsinki und Rostock. Damals geriet das chinesische Schiff "Yi Peng 3" unter Verdacht, die SchĂ€den verursacht zu haben. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatte bereits kurz nach Bekanntwerden der BeschĂ€digungen davon gesprochen, dass man von Sabotage ausgehen mĂŒsse.
Polizisten aus Deutschland und anderen Nato-Staaten durften den Frachter Wochen spÀter zwar gemeinsam mit Kollegen aus China betreten - an der Abfahrt aus internationalen GewÀssern im Kattegat zwischen DÀnemark und Schweden konnten sie die "Yi Peng 3" aber nicht hindern.
Gefahren fĂŒr die Infrastruktur und die Umwelt
Auch wenn die KabelbeschĂ€digungen keine unmittelbaren Folgen fĂŒr die Verbraucher in den betroffenen LĂ€ndern hatten, stellt das Vorgehen eine Gefahr fĂŒr die kritische Infrastruktur der BĂŒndnispartner dar. Die Bundesregierung weist auch darauf hin, dass etwa Kabel und Pipelines unter Wasser viel schwieriger zu reparieren seien als andere Infrastruktur an Land. Zudem seien die Verursacher ohne eine stĂ€rkere Ăberwachung kaum zu identifizieren.
Das zeigt auch die BeschÀdigung der Ostsee-Pipeline Balticconnector im Herbst 2023: Technische Untersuchungen erhÀrteten damals zwar den Verdacht gegen das chinesische Contrainerschiff "Newnew Polar Bear", die Gasleitung mit seinem Anker beschÀdigt zu haben - ob es sich um bewusste Sabotage handelte, ist aber bis heute ungeklÀrt.
Der Einsatz veralteter und maroder Schiffe birgt zudem Umweltgefahren. In dem Zusammenhang verweist die Umweltschutzorganisation Greenpeace auf den manövrierunfĂ€higen Tanker "Eventin", der mit fast 100.000 Tonnen Ăl an Bord am Freitag in der Ostsee nördlich von RĂŒgen havarierte - und nach Angaben der Organisation ebenfalls zur Schattenflotte zĂ€hlt. Die Tanker der Flotte stellten eine stĂ€ndige Bedrohung dar, monierte Greenpeace-Experte Thilo Maack. "Schrott bleibt Schrott und gehört nicht aufs Wasser."
Wie die Nato gegen die Schattenflotte vorgehen will
Im Kampf gegen die Schattenflotte will die Nato ihre PrĂ€senz in der Ostsee nun deutlich ausweiten. Dazu startet sie einen Einsatz zur besseren Ăberwachung des Meeres. Die beiden Nato-Neumitglieder Finnland und Schweden haben bereits angekĂŒndigt, sich mit Schiffen daran zu beteiligen. Auch Deutschland wird Pistorius zufolge mit einem "starken Beitrag" bei dem Einsatz dabei sein.
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollen insgesamt etwa zehn Schiffe an dem Einsatz beteiligt sein. Aus der BĂŒndniszentrale in BrĂŒssel gab es vor dem Gipfel bislang keine offiziellen Angaben dazu.
Estland lĂ€sst bereits ein Marineschiff im Finnischen Meerbusen patrouillieren. Seit Jahresbeginn hat sich die "EML Sakala" einem Rundfunkbericht zufolge Hunderten fremden Schiffen genĂ€hert. GeprĂŒft worden sei dabei etwa auch, ob ihnen womöglich Anker fehlten oder sie etwas hinter sich herschleiften.

