Deutschland, International

Trotz Iran-Krieg: Exporte steigen dritten Monat in Folge

09.06.2026 - 12:00:38 | dpa.de

Deutschlands Ausfuhren legen erneut zu. Grund zum Jubeln sehen Ökonomen allerdings nicht. Die leichte Erholung bleibt aus ihrer Sicht fragil.

Die deutschen Exporteure stehen auf den WeltmÀrkten unter Druck. (Archivbild) - Bild: Daniel Reinhardt/dpa
Die deutschen Exporteure stehen auf den WeltmÀrkten unter Druck. (Archivbild) - Bild: Daniel Reinhardt/dpa

Deutschlands Exporteure haben trotz Iran-Kriegs und Ölpreisschocks die Ausfuhren den dritten Monat in Folge gesteigert. Im April wuchsen die Exporte verglichen mit MĂ€rz leicht um 0,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden auf Basis vorlĂ€ufiger Ergebnisse mitteilte. Einen Lichtblick gab es mit einem leichten Produktionsanstieg auch fĂŒr die Industrie. Ökonomen dĂ€mpfen dennoch die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Belebung. 

Der Wert der Exporte belief sich im April auf 136,6 Milliarden Euro - ein Plus von 3,6 Prozent zum Vorjahresmonat. Die Werte sind bereinigt um Kalender- und Saisoneffekte. Die Importe nahmen gegenĂŒber MĂ€rz um 1,2 Prozent auf 122,1 Milliarden Euro zu, das waren 6,2 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Daraus ergab sich ein ExportĂŒberschuss von 14,5 Milliarden Euro, etwas weniger als im MĂ€rz.

USA-Exporte legen leicht zu, Europa stark

Auch im April blieben die USA wichtigster Exportmarkt fĂŒr Deutschland. Nach dem DĂ€mpfer im Vormonat nahmen die Ausfuhren in die Vereinigten Staaten zum MĂ€rz wieder etwas zu, und zwar um 1,8 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Damit lagen die Ausfuhren aber fast 13 Prozent unter dem Niveau von April 2025. 

Auch die Ausfuhren nach China sanken - ihr Wert fiel gegenĂŒber MĂ€rz um 3,5 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro. Nach Großbritannien lieferten die deutschen Unternehmen ebenfalls weniger, hier schrumpften die Exporte seit MĂ€rz um 9,5 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. 

Als Fels in der Brandung fĂŒr die deutsche Exportwirtschaft erwies sich dagegen das Europa-GeschĂ€ft. Die Ausfuhren in die EU-LĂ€nder nahmen im Vergleich zu MĂ€rz um 1 Prozent zu auf 79,1 Milliarden Euro. 

Produktion wÀchst leicht

Die Folgen des Iran-Kriegs mit hohen Energiepreisen bremsen die Erholung der deutschen Wirtschaft. So verteuern die gestiegenen Ölpreise den Warentransport fĂŒr die Unternehmen. Zuletzt hatten etwa die Wirtschaftsweisen ihre Konjunkturprognose fĂŒr Deutschland gesenkt. Sie erwarten nun nur ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent.

Etwas RĂŒckenwind fĂŒr die deutsche Wirtschaft kommt aus dem Verarbeitenden Gewerbe. Im April legte die Produktion in den Unternehmen im Monatsvergleich um 0,4 Prozent zu - es war der erste Anstieg nach vier RĂŒckgĂ€ngen. WĂ€hrend die Baubranche zulegte, wurde die Produktion durch eine schwache Entwicklung in der Autoindustrie gebremst. Die Produktionsdaten gĂ€ben etwas Zuversicht, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP-Bank. «Der Zuwachs weckt Hoffnungen, dass dem deutschen Bruttoinlandsprodukt ein RĂŒckgang im zweiten Quartal erspart bleibt.»

Iran-Krieg schwÀcht deutsche Wirtschaft

Ein Damoklesschwert fĂŒr die deutsche Wirtschaft bleiben die Entwicklung im Iran-Krieg und neue drohende Zölle aus den USA. «Mit jedem Tag, an dem die Straße von Hormus geschlossen bleibt, steigen die Konjunkturrisiken», mahnt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer. «Der Nahost-Krieg setzt der deutschen Industrie zu» - das zeige sich daran, dass sich die Industrieproduktion seit anderthalb Jahren auf niedrigem Niveau seitwĂ€rts bewegte. Der RĂŒckgang von FrĂŒhindikatoren wie dem Ifo-GeschĂ€ftsklima lege nahe, dass die Industrieproduktion in den kommenden Monaten sinken dĂŒrfte. 

Dirk Jandura, PrĂ€sident des Außenhandelsverbands BGA, hob hervor, der europĂ€ische Binnenmarkt sei erneut «wichtigster StabilitĂ€tsanker der deutschen Exportwirtschaft» gewesen. Als «Warnsignal» wertete er allerdings, dass die Importe deutlich stĂ€rker wachsen als die Exporte. Der Außenhandel bleibe anfĂ€llig, so der BGA-PrĂ€sident. 

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist skeptisch. Zwar hĂ€tten die deutschen Ausfuhren leicht zugenommen - aber nur auf dem Papier, erklĂ€rte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. «Die kriegsbedingt gestiegenen Öl-, Gas- und Rohstoffkosten blĂ€hen die Ex- und Importpreise auf. Real legen die Ausfuhren kaum zu.» Auch die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe komme nicht vom Fleck, «sie liegt nun auf dem niedrigsten Stand seit neun Monaten», so Treier.

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