DGUV, Vorschrift

DGUV Vorschrift 2: Schwellenwert steigt auf 20 Beschäftigte

18.06.2026 - 10:12:33 | boerse-global.de

Reformierte DGUV Vorschrift 2 erlaubt digitale Betreuung und entlastet Kleinbetriebe. Europaweiter Lockout-Tagout-Standard eingeführt.

Elektrobranche 2026: Neue Regeln, LOTO-Norm und KI-Tools
DGUV - Hände eines Elektroingenieurs mit Sicherheitshandschuhen, die präzise an komplexen Kabeln in einem Schaltschrank arbeiten. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Vorschriften, angepasste Schwellenwerte und digitale Betreuungsformate prägen seit Januar 2026 den Arbeitsalltag von Elektrofachkräften. Unternehmen müssen jetzt umdenken.

Reform der DGUV Vorschrift 2: Mehr Spielraum für Betriebe

Seit dem 1. Januar 2026 gilt die reformierte Fassung der DGUV Vorschrift 2. Die wichtigste Änderung: Der Schwellenwert für die vereinfachte Regelbetreuung stieg von 10 auf 20 Beschäftigte. Das entlastet viele Kleinbetriebe von bürokratischen Pflichten.

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Erstmals erlaubt die Reform auch digitale Betreuungsformate. Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit (SiFa) können nun per Telefon oder Online-Beratung arbeiten. Voraussetzung: Die Betriebsverhältnisse sind bekannt und eine Begehung vor Ort fand bereits statt. Maximal ein Drittel der Betreuungszeit darf digital erfolgen – in Ausnahmefällen sind bis zu 50 Prozent möglich.

Auch der Zugang zur SiFa-Qualifikation öffnet sich. Neben Ingenieuren und Technikern können jetzt Absolventen aus Physik, Chemie, Biologie, Psychologie oder Humanmedizin diese Funktion übernehmen. Eine Pflicht zur Vorlage von Fortbildungsnachweisen gilt für alle.

Jährliche Unterweisungen bleiben Pflicht

Trotz der Reformen ändert sich an der jährlichen Unterweisungspflicht nichts. Elektrofachkräfte (EFK) und elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuP) müssen nach DGUV Vorschrift 1 jedes Jahr geschult werden. Nur so bleibt die Qualifikation gültig. Die Inhalte richten sich nach der DIN VDE 0105 und umfassen die fünf Sicherheitsregeln sowie Brandschutz in elektrischen Anlagen.

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Bildungsträger wie die DEKRA Akademie bieten dafür Präsenztermine in Leipzig und Online-Schulungen an – etwa für August 2027. Für Brandschutzbeauftragte gelten striktere Regeln: Sie müssen binnen drei Jahren mindestens 16 Unterrichtseinheiten absolvieren, um die Anforderungen nach DGUV, vfdb und VdS zu erfüllen. Lehrgänge mit aktuellen Gesetzesänderungen und Gefährdungsbeurteilungen nach ASR A2.3 sind für Anfang Februar 2027 geplant.

Bei der Prüfung elektrischer Betriebsmittel verweisen Experten auf die TRBS 1203. Für zur Prüfung befähigte Personen gibt es keinen starren Zeitabstand für die Aktualisierung der Kenntnisse. In der Praxis hat sich ein Dreijahreszyklus etabliert – passend zum Änderungsrhythmus der VDE-Bestimmungen.

Lockout-Tagout: Europa bekommt einen eigenen Standard

Mit der DIN EN 17975 gibt es erstmals einen europaweiten Standard für das Lockout-Tagout-Verfahren (LOTO). Die Norm regelt die Kontrolle gefährlicher Energien bei Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten. Betroffen sind elektrische, mechanische, hydraulische, pneumatische und thermische Energien sowie Druckmedien und Chemikalien.

Bisher orientierten sich viele europäische Unternehmen an der US-amerikanischen OSHA-Norm. Die neue DIN EN 17975 beschreibt detailliert die Anforderungen an Energietrennung, Verriegelung, Kennzeichnung und Dokumentation.

Teilqualifizierungen gegen den Fachkräftemangel

Rund 60.000 Fachkräfte fehlen derzeit im Elektrohandwerk – das sagen zumindest die Branchenverbände. Der ZVEH hat darauf reagiert und ein neues Teilqualifizierungs-Set (TQ) für den Ausbildungsberuf Elektroniker/-in Energie- und Gebäudetechnik veröffentlicht.

Das Programm richtet sich an Mitarbeiter ab 25 Jahren und umfasst sieben Module, die der offiziellen Ausbildungsverordnung folgen. Ziel ist die Externenprüfung zum Gesellenbrief. Die Module sind online oder hybrid absolvierbar. Informations-Webinare sind für den 26. und 30. Juni 2026 angesetzt.

KI-gestützte Planung für PV-Anlagen

Auch die Digitalisierung schreitet voran. Auf der Intersolar Europe im Juni 2026 präsentieren Hersteller vermehrt KI-gestützte Konfiguratoren für Feuerwehrschalter an Photovoltaik-Anlagen. Diese Werkzeuge unterstützen die Planung komplexer PV-Anlagen im Gewerbe- und Industriesektor mit Live-Vorschau und automatisierten Stücklisten. Die Sicherheitseinrichtungen müssen der IEC 60947-3 entsprechen – für eine sichere Abschaltung im Brandfall.

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