Energiepreise wie in frĂŒheren Krisen stark gestiegen
07.05.2026 - 08:15:18 | dts-nachrichtenagentur.deIm MĂ€rz 2026 zahlten Verbraucher an Tankstellen in Deutschland durchschnittlich 17,3 Prozent mehr fĂŒr Superbenzin und 29,7 Prozent mehr fĂŒr Diesel als ein Jahr zuvor. Kraftstoffe insgesamt waren 20,0 Prozent teurer. Die Verbraucherpreise fĂŒr leichtes Heizöl stiegen um 44,4 Prozent gegenĂŒber MĂ€rz 2025.
Die Preissteigerungen bei Kraftstoffen und Energieprodukten unmittelbar zu Beginn des Kriegs gegen die Ukraine waren noch deutlich stĂ€rker ausgefallen als aktuell, allerdings vor dem Hintergrund des damals niedrigeren Ausgangsniveaus im Vorjahr: Im MĂ€rz 2022 zahlten private Verbraucher an den deutschen Tankstellen durchschnittlich 41,9 Prozent mehr fĂŒr Superbenzin und 62,7 Prozent mehr fĂŒr Diesel als ein Jahr zuvor. Kraftstoffe insgesamt waren 46,8 Prozent teurer. FĂŒr leichtes Heizöl mussten private Verbraucher sogar fast zweieinhalb Mal so viel (+144,4 Prozent) bezahlen wie im MĂ€rz 2021.
Auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen ergibt sich fĂŒr die Importpreise und die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte im MĂ€rz 2026 beim Vergleich zum Vorjahresmonat allerdings ein geteiltes Bild. Dieses ist zum einen bedingt durch das seit Beginn des Kriegs in der Ukraine immer noch hohe Preisniveau bei der Einfuhr und Erzeugung ausgewĂ€hlter Energieprodukte. Zum anderen hĂ€ngt es auch mit lĂ€ngerfristigen VertrĂ€gen und Preisbildungsmechanismen zusammen. Insbesondere die Erzeugerpreise fĂŒr Mineralölerzeugnisse stiegen durch die Kriegshandlungen im Iran und Nahen Osten mit 18,3 Prozent im MĂ€rz 2026 gegenĂŒber MĂ€rz 2025 stark an. Dagegen lagen sie bei Erdöl (-10,2 Prozent) und Erdgas (-19,5 Prozent) niedriger als ein Jahr zuvor. Der aktuelle Preisanstieg im MĂ€rz 2026 zeigt sich hier im Vergleich zum Vormonat Februar 2026 mit +14,8 Prozent bei Erdöl und +8,8 Prozent bei Erdgas.
Ăhnlich wie bei den Erzeugerpreisen fiel die Entwicklung auch auf der Stufe der Importpreise unterschiedlich aus: Im MĂ€rz 2026 waren Erdölimporte 24,6 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, Importe von Mineralölerzeugnissen verteuerten sich um 48,6 Prozent. Dagegen fielen die Importpreise fĂŒr Erdgas (-8,6 Prozent) im Vorjahresvergleich niedriger aus. Auch hier ist der RĂŒckgang der Importpreise auf das höhere Ausgangsniveau im Vorjahr zurĂŒckzufĂŒhren. Im Vormonatsvergleich, also gegenĂŒber Februar 2026, hat sich sowohl der Import von Erdöl (+45,9 Prozent) als auch der von Mineralölerzeugnissen (+41,6 Prozent) und Erdgas (+19,6 Prozent) zuletzt dagegen krĂ€ftig verteuert.
Zu Beginn des Kriegs gegen die Ukraine waren die Importpreise fĂŒr Erdöl (+87,5 Prozent), Mineralölerzeugnisse (+108,4 Prozent) und Erdgas (+330,5 Prozent) im MĂ€rz 2022 gegenĂŒber dem Vorjahresmonat weitaus stĂ€rker gestiegen. Grund fĂŒr die starken Anstiege der Importpreise war allerdings auch ein Basiseffekt: Aufgrund geringer Nachfrage zu Pandemiezeiten waren Ăl- und Gasimporte zu Beginn des Jahres 2021 noch sehr gĂŒnstig.
Ăhnliche Entwicklungen wie aktuell im Zuge des Kriegs im Nahen Osten waren bislang lediglich im Zusammenhang mit den beiden Ălkrisen 1974 und 1980 sowie der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 zu beobachten.
Wie in der aktuellen Lage waren auch in den Jahren 1973/74 hohe Preissteigerungen fĂŒr Erdöl und Mineralölprodukte auf allen Wirtschaftsstufen zu verzeichnen. Im November 1973 stiegen die Einfuhrpreise fĂŒr Erdöl gegenĂŒber dem Vormonat Oktober um 41,7 Prozent. Einen Monat zuvor hatte der Jom-Kippur-Krieg begonnen, der als Auslöser der ersten Ălkrise gilt. Die in der OPEC organisierten erdölexportierenden Staaten hatten damals ihre Fördermenge gedrosselt, um Druck auf westliche Staaten auszuĂŒben. Im MĂ€rz 1974 war importiertes Erdöl schlieĂlich mehr als drei Mal so teuer wie ein Jahr zuvor (+221,1 Prozent gegenĂŒber MĂ€rz 1973). Die Preise fĂŒr die daraus im Inland erzeugten Mineralölprodukte hatten bereits im Februar 1974 ihre bis dahin höchste VorjahresverĂ€nderungsrate erreicht (+66,4 Prozent gegenĂŒber Februar 1973).
FĂŒr die privaten Verbraucher erreichte der Preisanstieg fĂŒr Kraftstoffe ebenfalls im Februar 1974 einen Höhepunkt, mit einem Plus von 32,5 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresmonat. FĂŒr leichtes Heizöl mussten private Verbraucher bereits im Dezember 1973 Höchstpreise bezahlen (+183,3 Prozent gegenĂŒber Dezember 1972).
Die Preise fĂŒr Erdgas folgten den Erdölpreisen ĂŒber mehrere Jahre mit einem zeitlichen Verzug. So verzeichneten die Preise fĂŒr importiertes Erdgas erst im Mai 1975 mit einem Plus von 114,0 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresmonat den höchsten Anstieg. Ebenfalls im Mai 1975 wurde Erdgas fĂŒr alle Abnehmergruppen um 66,6 Prozent teurer, vor allem bedingt durch den groĂen Preisanstieg fĂŒr Industriekunden mit einer hohen Abnahmemenge (+95,0 Prozent gegenĂŒber Mai 1974). FĂŒr private Verbraucher wurde der höchste Anstieg der Erdgaspreise bereits im Februar 1975 mit einem Plus von 17,6 Prozent gegenĂŒber Februar 1974 erreicht.
Auch wĂ€hrend der zweiten Ălkrise 1979/1980 sahen sich Verbraucher mit deutlichen Preissteigerungen fĂŒr Heizöl und Kraftstoffe konfrontiert. Die zweite Ălkrise wurde im Wesentlichen durch die FörderausfĂ€lle im Zusammenhang mit der Islamischen Revolution im Iran seit Januar 1979 und dem im September 1980 begonnenen Ersten Golfkrieg ausgelöst.
Im FrĂŒhjahr 1979 beschleunigte sich der Preisanstieg fĂŒr importiertes Erdöl und erreichte mit einer Verdopplung gegenĂŒber dem Vorjahresmonat im MĂ€rz 1980 seinen Höhepunkt (+101,4 Prozent). Bis zum Jahr 1985 blieben die Importpreise fĂŒr Erdöl auf einem hohen Niveau. Den Höchststand erreichten sie im MĂ€rz 1985, bevor sie bis zum Ende der 1980er Jahre wieder stark sanken.
FĂŒr private Verbraucher kostete schon im Juli 1979 leichtes Heizöl 110,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Kraftstoffpreise erreichten im September 1981 einen damals historischen Höchststand und waren 27,7 Prozent teurer als im September 1980.
Auch in dieser Krise folgte der Preisanstieg fĂŒr importiertes Erdgas den hohen Preisanpassungen fĂŒr Erdöl erst mit einem zeitlichen Verzug im September 1981 (+62,7 Prozent gegenĂŒber September 1980). FĂŒr private Verbraucher kam es bereits im Januar 1981 mit einem Plus von 22,2 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresmonat zum höchsten Preisanstieg.
Die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise war durch deutliche Schwankungen der Energiepreise geprĂ€gt. Ihren Anfang nahm die Finanzmarktkrise im August 2007 mit dem sprunghaften Anstieg der Interbankfinanzkredite in den Vereinigten Staaten. Den Höhepunkt erreichte sie im September 2008 mit dem Zusammenbruch der US-GroĂbank Lehman Brothers, im Oktober 2009 folgte die Eurokrise, ausgelöst durch die Korrektur der Daten zur griechischen Nettoneuverschuldung.
Im Juli 2008 erreichten die Preise fĂŒr importiertes Erdöl ihren bis dahin höchsten Stand: Importiertes Erdöl kostete 50,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ebenfalls im Juli 2008 verzeichneten die Verbraucherpreise fĂŒr Kraftstoffe und Heizöl HöchststĂ€nde. Leichtes Heizöl war fĂŒr Verbraucher 59,2 Prozent teurer als im Vorjahresmonat, Kraftstoffe kosteten 15,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Nach einem Einbruch in der zweiten JahreshĂ€lfte 2008 stiegen die Importpreise fĂŒr Erdöl mit der wirtschaftlichen Erholung dann weiter stark an, bis sie im MĂ€rz 2012 einen neuen Höchststand erreichten. Die Folgezeit war geprĂ€gt von volatilen Ălimportpreisen.
In der Coronakrise verlief die Entwicklung der Energiepreise entgegengesetzt zur Entwicklung in der Finanzmarktkrise: Auf einen starken RĂŒckgang der Energiepreise zu Beginn der Corona-Pandemie folgte ein deutlicher Anstieg. Nachdem die Importpreise fĂŒr Erdöl im Zusammenhang mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie bis April 2020 nachfragebedingt auf ihren tiefsten Stand seit August 1999 gefallen waren, stiegen sie - auch infolge der raschen wirtschaftlichen Erholung - ab Juni 2020 wieder an.
Im MĂ€rz 2022, dem ersten Monat des Kriegs gegen die Ukraine, stiegen die Preise fĂŒr importiertes Erdöl nochmals deutlich an und lagen 87,5 Prozent ĂŒber dem Vorjahresmonat. Bis Juni 2022 stiegen sie weiter und ĂŒbertrafen den vorherigen Höchststand aus dem MĂ€rz 2012 deutlich. Auch die bereits zuvor beobachteten deutlichen Preisanstiege fĂŒr importiertes Erdgas verstĂ€rkten sich mit Kriegsbeginn, die Erdgaspreise lagen im MĂ€rz 2022 gegenĂŒber dem Vorjahresmonat 330,5 Prozent höher. Nach weiteren starken Anstiegen erreichten sie im August 2022 ihren historischen Höchststand.
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