Deutsche Industrie sammelt deutlich mehr AuftrÀge ein
06.02.2025 - 09:23:29Im Dezember legten die Bestellungen im Verarbeitenden Gewerbe im Monatsvergleich um 6,9 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Analysten hatten zwar einen Anstieg erwartet, waren aber im Schnitt nur von einem Zuwachs um 2,0 Prozent ausgegangen.
Allerdings haben GroĂauftrĂ€ge die Entwicklung ein StĂŒck weit verzerrt. So wĂ€ren die Bestellungen ohne diese im Monatsvergleich nur um 2,2 Prozent höher ausgefallen. Einen besonders starken Anstieg meldet das Bundesamt im Bereich "Sonstiger Fahrzeugbau", wozu auch Flugzeuge und MilitĂ€rfahrzeuge zĂ€hlen. "Hier lagen die NeuauftrĂ€ge aufgrund mehrerer GroĂauftrĂ€ge um 55,5 Prozent höher als im Vormonat", heiĂt es in der Mitteilung.
Die meisten neuen AuftrĂ€ge kamen aus dem Inland. Hier meldete das Bundesamt einen Anstieg im Monatsvergleich um 14,6 Prozent, "hauptsĂ€chlich aufgrund der GroĂauftrĂ€ge aus dem Bereich des Sonstigen Fahrzeugbaus". Die AuftrĂ€ge aus dem Ausland stiegen hingegen nur um 1,4 Prozent.
Der Lichtblick fĂŒr den fĂŒr die deutsche Wirtschaft wichtigen Industriesektor folgte nach zwei RĂŒckschlĂ€gen in Folge. Im November waren die Bestellungen noch um revidiert 5,2 Prozent gesunken und im Oktober um 1,5 Prozent. Im lĂ€ngerfristigen Vergleich zeigt sich weiterhin eine schwache Entwicklung. Im Gesamtjahr 2024 haben die Betriebe im Verarbeitenden Gewerbe laut Bundesamt insgesamt 3,0 Prozent weniger AuftrĂ€ge eingesammelt als im Jahr zuvor.
Die schleppende Entwicklung im Industriesektor ist einer der wesentlichen GrĂŒnde fĂŒr die allgemeine SchwĂ€che in Deutschland. Im vergangenen Jahr schrumpfte die Wirtschaftsleistung von Europas gröĂter Volkswirtschaft das zweite Jahr in Folge. Zuletzt hatte die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose fĂŒr 2025 deutlich gesenkt. Demnach wird nur ein Mini-Wachstum von 0,3 Prozent erwartet - im Herbst hatte die Regierung noch mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,1 Prozent gerechnet.
Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank verweist auf jĂŒngste Stimmungsindikatoren aus der deutschen Wirtschaft, wie etwa das Ifo-GeschĂ€ftsklima. Diese hĂ€tten weiter keinen Hinweis auf eine spĂŒrbare wirtschaftliche Belebung geliefert. "Es ist deshalb kaum davon auszugehen, dass die AuftragseingĂ€nge in den kommenden Monaten auf einen nachhaltigen Erholungskurs einbiegen", sagte Gitzel.
Auch nach EinschĂ€tzung des Experten Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-WĂŒrttemberg ist es zweifelhaft, ob der unerwartet starke Auftragseingang eine Wende zum Besseren einlĂ€uten kann. "Der wirkliche Test fĂŒr die deutsche Industrie kommt jetzt mit dem Beginn des erwarteten Handelskonflikts mit den USA. Wir bleiben daher weiter auf der Seite der Konjunkturskeptiker", sagte Niklasch.

