Deutschland, Pharmaindustrie

Regierung will Pharmabranche stÀrken - und Kosten begrenzen

12.11.2025 - 20:34:13

Die Arzneibranche wÀchst trotz Wirtschaftskrise. Doch Patienten erleben immer wieder EngpÀsse. Nun will die Regierung die Standortbedingungen verbessern - aber auch die Ausgaben im Zaum halten.

  • Die Bundesregierung will den Pharma-Standort Deutschland stĂ€rken (Archivbild) - Foto: Daniel Reinhardt/dpa

    Daniel Reinhardt/dpa

  • Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Kosten im Gesundheitssystem begrenzen (Archivbild) - Foto: Britta Pedersen/dpa

    Britta Pedersen/dpa

Die Bundesregierung will den Pharma-Standort Deutschland stÀrken (Archivbild) - Foto: Daniel Reinhardt/dpaGesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will die Kosten im Gesundheitssystem begrenzen (Archivbild) - Foto: Britta Pedersen/dpa

Deutschland soll nach PlĂ€nen der Bundesregierung angesichts von EngpĂ€ssen bei manchen Standard-Arzneien als Pharma- und Medizintechnikstandort attraktiver werden. Die Branchen seien wichtig fĂŒr eine hochwertige Gesundheitsversorgung und leisteten einen erheblichen Beitrag zu Wertschöpfung und Innovationskraft, sagte Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) nach einem Treffen mit Vertretern von Firmen und VerbĂ€nden. Ziel ist, bis zum nĂ€chsten Jahr Maßnahmen fĂŒr bessere Bedingungen zu erarbeiten.

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur, es gelte, die Innovationskraft «Made in Germany» zu stĂ€rken und die Versorgungssicherheit weiter auszubauen. Im Blick steht nach ihren Angaben, BĂŒrokratie abzubauen und Prozesse zu beschleunigen. «Gleichzeitig mĂŒssen die Kostensteigerungen fĂŒr das Gesundheitssystem insgesamt eingedĂ€mmt werden.» Hierzu werde auch der Pharmabereich seinen Beitrag leisten mĂŒssen.

Das Treffen im Kanzleramt sollte den Auftakt zur Entwicklung einer Pharma- und Medizintechnikstrategie bilden. Jetzt soll sich ein ressortĂŒbergreifender Dialogprozess unter FederfĂŒhrung des Gesundheitsministeriums anschließen. Warken sagte, die Themen sollten zusammen mit Akteuren aus Industrie, VerbĂ€nden, Wissenschaft, der Selbstverwaltung des Gesundheitswesens und Patientenvertretern erörtert werden. Laut Regierung sollen bestehende Formate - eine Pharmastrategie und ein Pharmadialog - zusammengefĂŒhrt werden.

Arzneien immer wieder knapp

Die Pharmaindustrie wĂ€chst als eine der wenigen Branchen in Deutschland, doch immer wieder kommt es zu EngpĂ€ssen - etwa bei FiebersĂ€ften, Schmerz- und Diabetesmitteln oder Antibiotika. Bei vielen Mitteln ist Deutschland stark von China und Indien abhĂ€ngig. Die Branche macht Kostendruck auch der Politik dafĂŒr verantwortlich, dass sich Hersteller in Deutschland etwa aus der Produktion von Penicillin zurĂŒckgezogen haben. Unternehmen könnten wegen der geltenden Preisregulierung fĂŒr viele Arzneien in Deutschland steigende Kosten nicht einfach an Kunden weitergeben, indem sie die Preise erhöhen. 

Sorgen um AbhÀngigkeit von China

Die Pharma- und Chemiegewerkschaft IG BCE forderte Schritte gegen ArzneiengpĂ€sse. Der Fokus dĂŒrfe nicht allein auf Hochtechnologie und Forschung liegen, sagte Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis. «Wir mĂŒssen auch die Produktion von Standardmedikamenten und -wirkstoffen stĂ€rken.» Die langen Listen mit Engpass-Medikamenten sprĂ€chen eine deutliche Sprache.

Der Chemieverband VCI forderte umgehende Schritte zur Beschleunigung von Verfahren, fĂŒr Innovationen und zur Sicherung des Produktionsstandorts. Deutschland habe mit seiner Gesundheitswirtschaft große Chancen, aber auch viel zu verlieren. Han Steutel, PrĂ€sident des Verbands forschender Pharma-Unternehmen, sagte, in der wirtschaftlichen SchwĂ€che komme es darauf an, die Basis und Wachstumsmöglichkeiten der Pharmabranche zu stĂ€rken.

Dorothee Brakmann, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Verbands Pharma Deutschland sagte: «Der Pharmadialog gibt uns die Chance, regulatorische Ineffizienzen und bĂŒrokratische HĂŒrden anzugehen, die unseren Standort zunehmend unter Druck setzen und das Potenzial unserer Branche hemmen.»

Krankenkassen fĂŒrchten höhere Arznei-Ausgaben

Bei den Bedingungen steht mit im Blick, dass höhere Arzneimittelpreise auf die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) durchschlagen. Neue Beitragserhöhungen will die Koalition aber auch vermeiden. Die stellvertretende Chefin des GKV-Spitzenverbands, Stefanie Stoff-Ahnis, sagte der dpa: «Wir erwarten einen konstruktiven und fairen Dialog mit konkreten VorschlĂ€gen, um die Solidargemeinschaft vor immer höheren Kostensteigerungen zu schĂŒtzen.» Die gesetzlichen Kassen mit 75 Millionen Versicherten hĂ€tten großes Interesse an einer starken Pharma- und Medizintechnikindustrie. Die Arzneimittel-Ausgaben seien aber allein im ersten Halbjahr um sechs Prozent gestiegen.

@ dpa.de