Finanzloch in der Pflege - BeitrÀge könnten stÀrker steigen
07.10.2024 - 15:08:22 | dpa.deGrund ist unter anderem die schlechte Finanzsituation der Pflegeversicherung. Zwar ist noch nichts entschieden. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) kĂŒndigte am Montag an, in KĂŒrze ein Konzept vorzulegen, das die Pflegeversicherung kurz- und langfristig wieder auf stabilere FĂŒĂe stellen solle. Er hatte aber schon Ende August höhere BeitragssĂ€tze fĂŒr das kommende Jahr angedeutet.
"Notoperation" an der Pflegeversicherung
Ein Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) sorgte zuvor in Berlin fĂŒr Wirbel. Demzufolge wird in der Ampel-Koalition wegen der Finanzlage der Pflegeversicherung fieberhaft an einer Notoperation gearbeitet. Das RND schrieb unter Berufung auf Koalitionskreise weiter, es drohe eine ZahlungsunfĂ€higkeit. Das Bundesgesundheitsministerium trat dem entgegen: "Die Pflegeversicherung ist nicht pleite. DafĂŒr wird der Gesetzgeber sorgen." Doch nun muss geklĂ€rt werden, woher das Geld dafĂŒr kommen soll und wie sehr die Beitragszahler dafĂŒr zur Kasse gebeten werden.
Eine erste Pflegereform hatte die Koalition schon umgesetzt. Sie brachte Entlastungen fĂŒr PflegebedĂŒrftige bei Eigenanteilen, die sie im Heim zahlen mĂŒssen, aber auch bereits einen höheren Beitrag: FĂŒr Menschen ohne Kinder stieg er Mitte 2023 auf 4 Prozent und fĂŒr Beitragszahler mit einem Kind auf 3,4 Prozent. Familien mit mindestens zwei Kindern zahlen - bezogen auf den Arbeitnehmeranteil - nun weniger als zuvor.
Milliarden fehlen
Doch die Finanzprobleme der Pflegeversicherung blieben. Das Gesundheitsministerium begrĂŒndet das nun unter anderem mit eben dieser vorangegangenen Reform, die PflegebedĂŒrftige in Heimen erheblich entlastet habe, und auch damit, dass es mehr PflegebedĂŒrftige als angenommen gebe. Zudem seien Löhne in der Pflege gestiegen.
Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), der auch die Pflegekassen vertritt, hatte schon im Juni ein Minus von 1,5 Milliarden in diesem und 3,4 Milliarden Euro im nÀchsten Jahr prognostiziert. Rechnerisch entsprÀche das einer Beitragsanhebung von 0,2 Punkten zum nÀchsten Jahr. Nun wird in der Regierung laut RND aber von einem Erhöhungsbedarf von 0,25 bis 0,3 Punkten ausgegangen. Auch der Spitzenverband der Kassen korrigierte am Montag auf 0,25 Prozentpunkte nach oben. Wenn andere Reformen ausblieben, sei mindestens so viel notwendig, damit die ZahlungsfÀhigkeit der Pflegeversicherung gesichert bleibe.
Anstieg auch bei KrankenkassenbeitrÀgen erwartet
Auch bei den KrankenkassenbeitrĂ€gen wird - wie schon lĂ€nger bekannt ist - mit einem Anstieg im nĂ€chsten Jahr gerechnet. Beim Kassen-Spitzenverband ist von mindestens 0,6 Prozentpunkten die Rede, laut RND könnten es auch 0,7 werden. Zusammen mit dem Pflegeversicherungsplus also bis zu 1 Prozent AbzĂŒge mehr? Das wĂ€ren bei einem Brutto von 3.000 Euro grob gerechnet 15 Euro weniger netto im Monat (die anderen 15 Euro zahlt der Arbeitgeber) - aufs Jahr gerechnet also 180 Euro weniger.
Genaueres wird erst in den kommenden Wochen klar. Ein Expertengremium - der sogenannte SchÀtzerkreis - gibt jÀhrlich im Herbst eine Prognose zur Finanzentwicklung bei den Krankenkassen und eine rechnerisch daraus folgende mögliche durchschnittliche Beitragserhöhung ab.
Steuergeld statt höhere BeitrÀge?
Der GKV-Spitzenverband forderte SofortmaĂnahmen, um eine Beitragssatzanhebung in der Pflegeversicherung doch noch abzuwenden. Die Versicherung hat demnach wĂ€hrend der Corona-Pandemie etwa 5,3 Milliarden Euro zusĂ€tzlich ausgeben mĂŒssen, etwa fĂŒr Tests oder Boni fĂŒrs Personal - damit habe der Staat sie allein gelassen und mĂŒsse das nun ausgleichen. AuĂerdem sollte die Pflegekasse nicht RentenbeitrĂ€ge fĂŒr pflegende Angehörige zahlen mĂŒssen, dies solle ebenfalls aus Bundesmitteln finanziert werden.
Mit beiden Schritten könnten nach Rechnung des Verbands rund 9 Milliarden Euro zusammenkommen. Doch auch die lassen sich nicht einfach aus dem Hut zaubern. Die Ampel mĂŒsste politisch entscheiden, solche Summen anderswo zu mobilisieren - und das bei einem Haushalt, in dem es sowieso schon an allen Ecken und Enden knirscht. "Jetzt ist keine Zeit zu verlieren. Die Ampel-Koalition muss unverzĂŒglich erklĂ€ren, woher das Geld kommen soll", sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz.
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