Schwerbehinderte sind Potenzial gegen FachkrÀftemangel
14.05.2025 - 16:10:12 | dpa.deSchwerbehinderte Arbeitnehmer seien im Durchschnitt besser ausgebildet als die Gesamtheit der Arbeitnehmerschaft, sagte Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur, der Deutschen Presse-Agentur.
Mehr als acht Millionen Schwerbehinderte
Insgesamt lebten in Deutschland mehr als acht Millionen Menschen mit schweren Behinderungen, fast 50 Prozent sind 65 Jahre und Àlter. "Das ist kein RandphÀnomen, sondern ein Thema mitten in der Gesellschaft", sagte Terzenbach. "Viele Menschen wissen nicht, dass fast 90 Prozent der Schwerbehinderungen durch Krankheit entstehen, nur der kleinste Teil ist angeboren."
Der Anteil der erwerbstĂ€tigen Schwerbehinderten liege derzeit bei 51,4 Prozent - rund zehn Punkte mehr als noch vor 20 Jahren. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung gebe es aber noch deutlich Luft - dort liegt die Erwerbsbeteiligung bei 80 Prozent. "Wir haben schon einen guten Schritt nach vorn gemacht. Aber es gibt noch ein groĂes Gap zur Gesamtbevölkerung", betonte der Arbeitsmarktexperte.
Der Sozialverband Deutschland als eine der gröĂten Behinderten-Organisationen des Landes bezeichnete die hohe Arbeitslosigkeit als "unhaltbaren Zustand". "Dieses enorme Potenzial wird viel zu oft aufgrund von Vorurteilen oder falschen Annahmen ignoriert", sagte die Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Michaela Engelmeier. Studien und Erfahrungen aus der Praxis zeigten immer wieder, dass Menschen mit Behinderungen engagierte, leistungsfĂ€hige und loyale Mitarbeitende seien. "Wir brauchen einen offenen Arbeitsmarkt, der sich an FĂ€higkeiten orientiert und nicht an Barrieren im Kopf", erklĂ€rte Engelmeier.
11,6 Prozent Arbeitslosenquote
2024 waren nach der Statistik der Bundesagentur 175.000 Menschen mit Schwerbehinderung im Jahresdurchschnitt arbeitslos gemeldet - ein Anstieg um sechs Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Fast die HĂ€lfte davon ist Ă€lter als 55 Jahre. Bei der Gesamtbevölkerung lag der Anstieg bei sieben Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt unter Schwerbehinderten bei 11,6 Prozent - im Vergleich zu 7,3 Prozent bei der Gesamtbevölkerung.
Gleichzeitig braucht die Wirtschaft in vielen Bereichen weiterhin dringend FachkrĂ€fte. "In der langen Perspektive nach vorn ist der Arbeits- und FachkrĂ€ftemangel die gröĂte Wachstumsbremse. Die Demografie ist unser gröĂter Feind", sagte Terzenbach. Menschen mit Behinderung stĂŒnden hier in den Startlöchern.
Mythen am Arbeitsmarkt
Der Arbeitsmarkt mĂŒsse aber mit Falschinformationen aufrĂ€umen. "Es gibt Mythen am Arbeitsmarkt, die stimmen einfach nicht", sagte er. Einer dieser Mythen sei, dass Schwerbehinderte - einmal eingestellt - nicht wieder freigestellt werden könnten.
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