SAP, VĂ€ter

Nach Geburt: SAP stellt VÀter sechs Wochen bezahlt frei

14.09.2023 - 11:13:35

Die Bundesregierung berĂ€t ĂŒber ein Gesetz, durch das VĂ€ter nach der Geburt ihres Kindes zwei Wochen bezahlt freigestellt werden sollen. Der Softwarekonzern SAP geht nun mit sechs Wochen voran.

Der Softwarekonzern SAP hat angekĂŒndigt, ab dem kommenden Jahr in Deutschland VĂ€ter oder andere Partner oder Partnerinnen ab der Geburt ihres Kindes sechs Wochen bezahlt freizustellen. «Wir wollen damit zeigen, dass Familienvereinbarkeit und Karrieremachen keine WidersprĂŒche sind», sagte der Personalchef von SAP in Deutschland, Cawa Younosi.

Im Koalitionsvertrag hatten die Regierungsparteien SPD, GrĂŒne und FDP angekĂŒndigt, eine zweiwöchige vergĂŒtete Freistellung fĂŒr den Partner oder die Partnerin nach der Geburt eines Kindes einzufĂŒhren. FĂŒr das Vorhaben kursieren unterschiedliche Begriffe, mal ist von Vaterschaftsurlaub, mal von VĂ€terzeit die Rede - da es meistens VĂ€tern zugutekĂ€me. SAP nennt sein Programm «Partnerzeit».

Regierung plant «Familienstartzeit»

Bundesfamilienministerin Lisa Paus (GrĂŒne) sprach am Dienstag ĂŒber das Vorhaben und nannte es «Familienstartzeit». Damit solle dem Partner oder - bei lesbischen Paaren - der Partnerin Zeit gegeben werden, sich um die Mutter zu kĂŒmmern und sie bei der Regeneration zu unterstĂŒtzen. Der Gesetzentwurf werde derzeit innerhalb der Bundesregierung beraten. Im November des vergangenen Jahres hatte Paus noch eine Umsetzung fĂŒr das Jahr 2024 angekĂŒndigt. Auf Anfrage wollte sich das Ministerium nun zu einem konkreten Zeitpunkt nicht offiziell Ă€ußern.

Dass SAP mit dem Programm ein Vorreiter zu sein scheint, zeigen Anfragen bei mehreren Dax-Unternehmen. Die meisten heben in ihren Antworten bestehende Angebote hervor und betonen, sich an neue Gesetze halten zu wollen. So weit wie SAP lehnte sich aber keines der angefragten Unternehmen aus dem Fenster. Vereinzelt gab es auch Kritik an dem Vorhaben der Koalition.

Unterschiedliche Reaktionen auf den SAP-Vorstoß

So begrĂŒĂŸte Siemens zwar den Ansatz einer VĂ€terzeit hinsichtlich einer Gleichverteilung der familiĂ€ren Betreuungsarbeit zwischen den Geschlechtern. «Aus Siemens-Sicht sollte jedoch – wie beim Elterngeld – die Freistellung aus Steuermitteln finanziert werden und nicht den Arbeitgebern aufgebĂŒrdet werden», teilte der MĂŒnchener Konzern mit.

«Eine zusĂ€tzliche VĂ€terzeit halten wir vor dem Hintergrund unserer bereits bestehenden Angebote und der damit möglichen FlexibilitĂ€t nicht fĂŒr notwendig», teilte der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental mit.

«Das bestehende Elternzeitmodell ist ein Erfolg», teilte Thomas Ogilvie, Personalvorstand der DHL Group, mit. Die bisherigen Möglichkeiten seien gut etabliert und wĂŒrden von VĂ€tern wie MĂŒttern gerne in Anspruch genommen. Aus Sicht des Unternehmens mĂŒssten diese nicht geĂ€ndert werden. Derzeit gebe es einen Tag Sonderurlaub fĂŒr die Geburt und die Elternzeit, sonst aber keine weitere Freistellung.

Der Sportwagenbauer Porsche begrĂŒĂŸte die PlĂ€ne der Bundesregierung. «Eine bezahlte Freistellung zu Beginn der Vaterschaft trĂ€gt zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei», teilte eine Sprecherin mit. Zugleich bedauere Porsche, dass das Bundeskabinett die Einkommensgrenze pro Familie fĂŒr den Anspruch auf Elterngeld halbiert hat.

Der KonsumgĂŒterkonzern Beiersdorf findet das Vorhaben gut. Auch die Deutsche Telekom befĂŒrworte Maßnahmen, die eine gute Balance zwischen Job und Familie unterstĂŒtzen, teilte ein Sprecher mit. Beim Pharma- und Technologiekonzern Merck stehe man dem Thema ergebnisoffen gegenĂŒber. Da das Unternehmen mit seinem Angebot bereits sehr gut aufgestellt sei, plane es momentan keine Erweiterungen.

Regelfall: Kein Sonderurlaub fĂŒr VĂ€ter

In zahlreichen Unternehmen in Deutschland gibt es einer aktuellen Umfrage zufolge keinen Sonderurlaub fĂŒr VĂ€ter nach der Geburt eines Kindes. Das sei in 44 Prozent der befragten Unternehmen der Fall, geht aus einer Befragung des Instituts fĂŒr Demoskopie Allensbach im Auftrag des Familienministeriums hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Demnach gewĂ€hren 26 Prozent der befragten Unternehmen einen Tag, bei weiteren 26 Prozent sind es zwei Tage. Bei lediglich vier Prozent seien es mehr als zwei Tage.

Dass fast der HĂ€lfte der Unternehmen der Nachwuchs ihrer BeschĂ€ftigten nicht einmal einen einzigen Tag Sonderurlaub wert ist, spreche BĂ€nde ĂŒber deren Wahrnehmung in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, teilte Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, mit.

Es sei gut und richtig, dass die Familienstartzeit jetzt endlich kommen soll. «Wir setzen darauf, dass die Koalition sie schnell ins Gesetzblatt bringt.» Das wÀre ein wichtiges Signal, um die partnerschaftliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf von Anfang an zu stÀrken.

Die Bundesvereinigung der Deutschen ArbeitgeberverbĂ€nde (BDA) teilte mit, es zu begrĂŒĂŸen, dass viele Partner mit der Geburt ihrer Kinder mehr Verantwortung ĂŒbernehmen wollen. DafĂŒr brauche man allerdings keine neuen gesetzlichen AnsprĂŒche. Elternzeit und Elterngeld gĂ€ben Familien bereits seit lĂ€ngerem die Möglichkeit, ab der Geburt im Beruf eine Pause einzulegen. «Die Politik muss sich entscheiden, ob sie neue FreistellungsansprĂŒche umsetzen möchte – oder ob sie den ArbeitskrĂ€ftemangel lindern möchte», so die BDA. Beides zusammen gehe nicht. Eine einseitige finanzielle Belastung fĂŒr Unternehmen wĂ€re zudem inakzeptabel.

@ dpa.de