Scholz setzt auf China, der Kreml auf ein altes Abkommen
12.04.2024 - 16:58:12Es gehe es darum, diesen Gipfel so zu organisieren, dass "eine groĂe Beteiligung" aus der ganzen Welt - beispielsweise aus arabischen LĂ€ndern, China, SĂŒdafrika oder Brasilien möglich wird, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz am Freitag nach einem Treffen mit dem georgischen MinisterprĂ€sidenten Irakli Kobachidse in Berlin. Er verwies darauf, dass China an einem der Vorbereitungstreffen auf Beraterebene teilgenommen hat. Deutschland habe den Prozess, der zu dieser Konferenz gefĂŒhrt hat, immer unterstĂŒtzt, betonte Scholz
Der Kanzler bricht am Samstag zu einem dreitĂ€gigen China-Besuch auf und wird am Dienstag PrĂ€sident Xi Jinping treffen. China gilt als wichtigster VerbĂŒndeter Russlands. Die FĂŒhrung in Peking hat im vergangenen Jahr ein Positionspapier zum Ukraine-Konflikt vorgelegt und zuletzt im MĂ€rz einen Sondergesandten zu GesprĂ€chen darĂŒber nach Europa geschickt. Westliche Diplomaten gehen davon aus, dass die Erfolgschancen des Gipfels mit einer Teilnahme Chinas stehen und fallen.
Neben China sind auch noch drei andere Mitglieder der G20-Gruppe fĂŒhrender WirtschaftsmĂ€chte eng mit Russland verbunden: Brasilien, SĂŒdafrika und Indien. Russland selbst soll zu dem Gipfel nicht eingeladen werden, die Ukraine schon.
Er soll am 15. und 16. Juni in der neutralen Schweiz stattfinden. Unter anderem soll ĂŒber die sogenannte Friedensformel des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj gesprochen werden. Der fordert einen bedingungslosen RĂŒckzug der russischen Truppen aus allen besetzten Gebieten der Ukraine.
Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin hatte dies zuletzt am Donnerstag bei einem Treffen mit dem Machthaber von Belarus, Alexander Lukaschenko, einem seiner engsten VerbĂŒndeten, zurĂŒckgewiesen. Dies sei fernab jeder RealitĂ€t. Stattdessen prĂ€sentierte Moskau einen Tag spĂ€ter seine Blaupause fĂŒr eine mögliche Lösung: Man könne dabei auf das bereits kurz nach Kriegsbeginn zwischen Kiew und Moskau vorverhandelte Abkommen von Istanbul zurĂŒckgreifen, meinte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Damals hatte sich die Ukraine dazu bereit erklĂ€rt, im Gegenzug zu einem Friedensschluss auf den Nato-Beitritt zu verzichten.
Unterzeichnet wurde diese Einigung nie, denn schon damals herrschten Unstimmigkeiten ĂŒber von Russland gestellte GebietsansprĂŒche. Diese haben sich inzwischen allerdings nur noch verstĂ€rkt. Hatte Putin zu Kriegsbeginn die "Befreiung" der schon damals teilweise von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiete Donezk und Luhansk als Zielstellung vorgegeben, so hat Russland inzwischen auch die Gebiete Cherson und Saporischschja im SĂŒden der Ukraine annektiert.
Zwar hĂ€lt Moskau die beiden Regionen nur zum Teil besetzt - die gleichnamigen GebietshauptstĂ€dte sind unter Kontrolle Kiews - doch der Kreml zeigte sich siegesbewusst: "In unserer Verfassung sind nun neue Gebiete verankert, was vor zwei Jahren noch nicht so war", sagte Peskow. Eine RĂŒckgabe der besetzten Gebiete kommt fĂŒr den Kreml derzeit nicht in Frage.
Zumal es auf dem Schlachtfeld angesichts der ausbleibenden westlichen MilitĂ€rhilfe fĂŒr die Ukraine gĂŒnstig fĂŒr Russland aussieht. Moskau hat seine RĂŒstungsindustrie inzwischen hochgefahren. Den ukrainischen Verteidigern hingegen gehen Munition und Waffen aus, sodass sie an mehreren Stellen zum RĂŒckzug gezwungen sind. Auch in der Luft wird die Ăberlegenheit Russlands immer deutlicher: Jeden Tag zerstören russische Raketen, Drohnen und Bomben StĂ€dte und Energieanlagen in der Ukraine und töten Zivilisten. In den propagandistischen Politik-Talkshows des russischen Fernsehens wird daher immer wieder eine Eroberung der StĂ€dte Charkiw und Odessa oder sogar eine völlige Zerschlagung der Ukraine debattiert.

