Daimler Truck, Karin RÄdström

Daimler-Truck-Chefin: Existenz der Branche in Europa bedroht

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 04:00 Uhr, dpa.de

Die Chefin des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck schlĂ€gt Alarm. Die CO2-Regulierung der EU und drohende Strafen könnten existenzielle Folgen fĂŒr die Branche haben. Was fordert die Managerin?

  • Karin RĂ„dström: Politik hat Dringlichkeit nicht verstanden. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Karin RÄdström: Politik hat Dringlichkeit nicht verstanden. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Der Dax-Konzern hat seinen Sitz in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart. - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
    Der Dax-Konzern hat seinen Sitz in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart. - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
  • Karin RĂ„dström ist seit Oktober 2024 Vorstandsvorsitzende von Daimler Truck. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Karin RÄdström ist seit Oktober 2024 Vorstandsvorsitzende von Daimler Truck. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
Karin RĂ„dström: Politik hat Dringlichkeit nicht verstanden. - Bild: Kay Nietfeld/dpa Der Dax-Konzern hat seinen Sitz in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart. - Bild: Bernd Weißbrod/dpa Karin RĂ„dström ist seit Oktober 2024 Vorstandsvorsitzende von Daimler Truck. - Bild: Kay Nietfeld/dpa

FĂŒr die Chefin von Daimler Truck, Karin RĂ„dström, ist die Existenz der Nutzfahrzeugindustrie in Europa in Gefahr. «Wenn die CO2-Regulierung unverĂ€ndert bleibt, setzt Europa die WettbewerbsfĂ€higkeit seiner Nutzfahrzeugindustrie aufs Spiel», sagte RĂ„dström im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Sie glaube nicht, dass die Politik die Dringlichkeit verstanden habe. RĂ„dström ist derzeit auch Vorsitzende des Nutzfahrzeug-Ausschusses des Verbands europĂ€ischer Automobilhersteller (Acea). 

Um die Klimaziele der EU zu erreichen, gibt es Vorgaben fĂŒr neue schwere Nutzfahrzeuge. So mĂŒssen deren CO2-Emissionen zum Beispiel bis 2030 um 43 Prozent im Vergleich zu 2019 sinken. Schwere Nutzfahrzeuge sind nach Angaben der EU-Kommission fĂŒr mehr als 25 Prozent der Treibhausgasemissionen des Straßenverkehrs in der EU verantwortlich und machen mehr als 6 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen aus. 

Daimler-Truck-CEO: «Große Herausforderung» 

Um 43 Prozent an Einsparungen zu erzielen, mĂŒssten RĂ„dströms Rechnung zufolge etwa 35 Prozent aller neu zugelassenen Lkw in Europa 2030 batterieelektrisch oder mit Wasserstoff betrieben werden. Die Herausforderung sei, dass 2025 gerade einmal zwei Prozent aller schweren Lkw in Europa elektrisch waren. Von zwei Prozent im Jahr 2025 auf 35 Prozent im Jahr 2030 zu gelangen, sei «eine wirklich große Herausforderung». 

FĂŒr jeden verfehlten Prozentpunkt mĂŒsse Daimler Truck etwa 120 Millionen Euro zahlen. «FĂŒr die europĂ€ische Nutzfahrzeugindustrie hĂ€tte das also existenzielle Folgen», sagte RĂ„dström. «Wenn wir die Ziele zum Beispiel um zehn Prozentpunkte verfehlen, verdienen wir mit dem Segment Mercedes-Benz Trucks praktisch kein Geld mehr.» 

Zum Vergleich: 2025 erzielte das Segment ein operatives Ergebnis (Ebit) von 698 Millionen Euro. 2024 hatte Mercedes-Benz Trucks noch ein Ebit von 922 Millionen Euro erzielt. Bei UmsÀtzen von grob 20 Milliarden Euro in beiden Jahren. Mercedes-Benz Trucks ist Firmenangaben zufolge unter der Marke Mercedes-Benz in Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika aktiv. 

Woran die E-MobilitÀt bei Lkw laut RÄdström hakt 

«Das grĂ¶ĂŸte Problem bleibt die Infrastruktur und das Laden», sagte RĂ„dström. Selbst diejenigen, die auf E-MobilitĂ€t umstellen wollten, seien sich nicht sicher, ob sie ihr Fahrzeug dann kĂŒnftig entlang der Strecke laden können, berichtete die Chefin des Dax-Konzerns aus Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart. 

Eine weitere Herausforderung sei es, KostenparitĂ€t zu erreichen, um den E-Lkw wettbewerbsfĂ€hig im Vergleich zum Verbrenner zu machen. Das hĂ€nge an den Strom- und Dieselpreisen. «Diesel ist vergleichsweise keine teure Energiequelle», sagte RĂ„dström. Ihre Kunden fĂŒhrten ihre GeschĂ€fte mit sehr geringen Gewinnspannen. «Sie können sich keine teuren Experimente leisten», sagte die in Schweden geborene Managerin. In den meisten FĂ€llen mache fĂŒr die Kunden noch immer der Diesel Sinn. 

Was Daimler Truck fordert 

«Wir fordern eine ÜberprĂŒfung der CO2-Regulierung. Das muss ein RealitĂ€tscheck sein», sagte RĂ„dström. Die Regulierung mĂŒsse unter anderem an den Hochlauf der Infrastruktur geknĂŒpft sein. Außerdem mĂŒsse die Infrastruktur schneller ausgebaut werden. 

«Es ist noch zu frĂŒh zu sagen, dass wir die Ziele Ă€ndern mĂŒssen», sagte RĂ„dström. Aber angesichts des schleichenden Aufbaus der Infrastruktur und des mangelnden Willens wichtiger EU-Mitgliedsstaaten, eine CO2-Differenzierung bei der Lkw-Maut zu implementieren, sei deutlich absehbar, dass die Branche mehr Zeit brauche, um die fĂŒr 2030 vorgesehenen Ziele zu erreichen.

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