EU-Parlament, Verhandlungen

EU-Parlament positioniert sich fĂŒr Verhandlungen ĂŒber Schuldenregeln

17.01.2024 - 14:30:50

Die Debatte um eine Reform der EuropÀischen Schuldenregeln geht in die nÀchste Runde.

Die Abgeordneten im Europaparlament verstĂ€ndigten sich am Mittwoch in Straßburg auf ihre Position fĂŒr die Verhandlungen mit den EU-LĂ€ndern. Demnach spricht sich auch das Parlament fĂŒr Mindestwerte beim Schuldenabbau aus. Ein erstes Treffen der UnterhĂ€ndler beider Institutionen war fĂŒr den Nachmittag geplant.

Die Regeln schreiben den EU-LĂ€ndern Obergrenzen fĂŒr Budgetdefizite und Staatsschulden vor. Die bislang geltenden Vorschriften fĂŒr den Schuldenabbau der EU-LĂ€nder stammen aus den 1990er Jahren und gelten als kompliziert und Kritikern als zu streng. Wegen der Corona-Krise und der Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine waren die Regeln vorĂŒbergehend bis 2024 ausgesetzt.

Nach monatelanger Debatte hatten sich die EU-LĂ€nder Ende Dezember auf ihren Standpunkt fĂŒr eine Reform der Vorschriften geeinigt. Ihre PlĂ€ne sehen unter anderem vor, dass die individuelle Situation der LĂ€nder stĂ€rker als bislang berĂŒcksichtigt wird.

GrundsĂ€tzlich sollen die bisherigen Ziele des sogenannten StabilitĂ€ts- und Wachstumspakts bestehen bleiben: Schulden sollen bei maximal 60 Prozent der Wirtschaftsleistung begrenzt und Haushaltsdefizite unter 3 Prozent gehalten werden. DarĂŒber hinaus sind nach Willen der LĂ€nder unter anderem Schutzmaßnahmen geplant: Hoch verschuldete LĂ€nder (Schuldenstand von ĂŒber 90 Prozent) sollen ihre Schuldenquote jĂ€hrlich um einen Prozentpunkt senken mĂŒssen, LĂ€nder mit SchuldenstĂ€nden zwischen 60 und 90 Prozent um 0,5 Prozentpunkte. Auf diese Bedingung hatte vor allem Deutschland gepocht.

Grundlage fĂŒr die Position des Parlaments ist ein vom Wirtschaftsausschuss im Dezember erarbeiteter Vorschlag. Demnach will auch das Parlament unter anderem Mindestwerte, die festlegen, um wie viel ein Mitgliedsstaat seine ĂŒbermĂ€ĂŸige Verschuldung abbauen muss und wie viel er bei der Ausgabenplanung ĂŒberschreiten darf. Gleichzeitig sollen die LĂ€nder mehr Spielraum als bislang bei der Umsetzung der Vorschriften bekommen.

Vor allem von den GrĂŒnen kam Kritik. Die geplanten Regeln seien wirtschaftlicher, ökologischer, geopolitischer und demokratischer Selbstmord, sagte der Co-Vorsitzende der GrĂŒnen-Fraktion im EU-Parlament, Philippe Lamberts.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der christdemokratischen EVP-Fraktion im EU-Parlament, Markus Ferber, sagte, es sei Zeit, "zur fiskalpolitischen Vernunft" zurĂŒckzukehren. "Die Schuldenregeln waren lange genug entweder zu schwammig oder komplett ausgesetzt."

Die Verhandlungen mit den EU-Staaten dĂŒrften sich ĂŒber mehrere Wochen ziehen. Noch vor den Europawahlen im Juni könnte das neue Regelwerk stehen.

@ dpa.de