Regeln, Arbeitsvisa

Wirtschaft kritisiert schĂ€rfere Regeln fĂŒr britische Arbeitsvisa

06.12.2023 - 05:22:16

Die Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer (AHK) in London sieht in der geplanten VerschĂ€rfung der britischen Visaregeln fĂŒr auslĂ€ndische FachkrĂ€fte eine zusĂ€tzliche HĂŒrde.

Die angekĂŒndigte deutliche Erhöhung des Mindestgehalts mache es Unternehmen noch schwerer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Ausland anzustellen, sagte AHK-Chef Ulrich Hoppe.

Der britische Innenminister James Cleverly hatte jĂŒngst angekĂŒndigt, dass auslĂ€ndische FachkrĂ€fte mindestens 38 700 Pfund (45 150 Euro) statt bisher 26 200 Pfund Jahresgehalt beziehen mĂŒssen, damit sie ins Land kommen dĂŒrfen. PflegekrĂ€fte sind ausgenommen, dĂŒrfen aber ebenso wie Studierende ihre Angehörigen nicht mehr mitbringen. Die verpflichtenden GesundheitsgebĂŒhren, die auslĂ€ndische FachkrĂ€fte zusĂ€tzlich zu den Visakosten zahlen mĂŒssen, werden um zwei Drittel auf mehr als 1000 Pfund erhöht.

Mit den Maßnahmen will die konservative Regierung die Zuwanderung drastisch reduzieren. Im Vorjahr kamen unterm Strich 745 000 Menschen ins Land - deutlich mehr als vor dem Brexit.

Vor allem bei geringeren Einkommen bestehe der ArbeitskrĂ€ftemangel bereits seit lĂ€ngerem, sagte Hoppe der Deutschen Presse-Agentur. Seit dem Ende der ArbeitnehmerfreizĂŒgigkeit nach dem Brexit könnten Unternehmen fĂŒr viele Positionen ohnehin schon nicht mehr auf auslĂ€ndische FachkrĂ€fte zurĂŒckgreifen.

WĂ€hrend bei multinationalen Konzernen die GehĂ€lter ohnehin höher lĂ€gen, wirkten Kosten und Aufwand fĂŒr Arbeitsvisa aber vor allem auf kleinere und mittlere Firmen abschreckend. "Deswegen verzichten diese nun hĂ€ufiger darauf, gut ausgebildete Mitarbeitende aus dem Ausland anzustellen und leben stattdessen mit dem ArbeitskrĂ€ftemangel und akzeptieren, dass aus diesem Grund gewisse AuftrĂ€ge nicht angenommen werden können", sagte Hoppe.

Der britische Handelskammerverbund BCC kritisierte, die VerschĂ€rfung erhöhe den Druck auf drei Viertel der britischen Unternehmen. "Wenn es die Regierung ernst damit meint, die Wirtschaft anzukurbeln, muss sie ihre Anstrengungen zur Besetzung von ArbeitsplĂ€tzen verdoppeln", sagte BCC-Expertin Jane Gratton. Dazu gehöre, dass Unternehmen leichter Personal ausbilden können und mehr Menschen bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt unterstĂŒtzt wĂŒrden.

Der Verband der britischen Fleischproduzenten (BMPA) warf der Regierung vor, sie wolle mit pauschalen Regeln willkĂŒrliche Migrationsziele erreichen. Dabei ignoriere sie die unterschiedlichen Anforderungen verschiedener Branchen. Der BMPA warnte vor Lohninflation und dadurch noch stĂ€rker steigenden Lebensmittelpreisen. Indem die Zahl der auslĂ€ndischen Arbeitsmigranten begrenzt werde, verschĂ€rfe die Regierung zudem den FachkrĂ€ftemangel. Darunter wĂŒrden letztlich auch steuerfinanzierte Dienstleistungen leiden.

@ dpa.de