Vorzieheffekt auf US-Zölle: IndustrieauftrÀge wachsen stark
07.05.2025 - 10:23:59Die schwĂ€chelnde deutsche Industrie hat im MĂ€rz ĂŒberraschend viele AuftrĂ€ge bekommen - wohl auch wegen der aggressiven Zollpolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump. Im MĂ€rz zogen die Bestellungen um 3,6 Prozent gemessen am Vormonat an, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Der Anstieg fĂ€llt damit fast dreimal so stark an, wie von Analysten erwartet - sie hatten nur mit einem Plus von 1,3 Prozent gerechnet.
«Das Orderplus im MĂ€rz dĂŒrfte zum Teil auf Vorzieheffekte als Reaktion auf die angekĂŒndigten US-Zollerhöhungen zurĂŒckzufĂŒhren sein», hieĂ es vom Bundeswirtschaftsministerium. Allerdings habe auch die Nachfrage der europĂ€ischen Nachbarn stark angezogen. Trotz der groĂen handelspolitischen Unsicherheit habe sich die GeschĂ€ftslage der Industrie im ersten Quartal als «insgesamt recht robust» erwiesen.Â
Mehr Bestellungen im Auto- und Maschinenbau
Den Statistikern zufolge stiegen die Bestellungen im MĂ€rz vor allem getrieben von einer starken Auslandsnachfrage (plus 4,7 Prozent), insbesondere aus der Eurozone, die Bestellungen in Deutschland wuchsen um 2,0 Prozent. Dabei bekamen deutsche SchlĂŒsselbranchen wie Auto- und Maschinenbau deutlich mehr AuftrĂ€ge. Bei den Herstellern von elektrischen AusrĂŒstungen (plus 14,5 Prozent) sowie in der Pharmaindustrie (plus 17,3 Prozent) sprangen die Bestellungen sogar hoch.Â
Im Februar hatten die IndustrieauftrĂ€ge noch stagniert, im Januar waren sie deutlich gesunken. Die SchwĂ€che der Industrie ist einer der HauptgrĂŒnde dafĂŒr, dass die deutsche Wirtschaft das dritte Jahr in Folge in der Flaute steckt.Â
«Unternehmen stark von Zollschock verunsichert»
Volkswirte werteten die Zahlen positiv. «Das ist endlich mal ein starkes Plus bei den AuftragseingĂ€ngen, das nicht nur auf die schwankungsanfĂ€lligen GroĂauftrĂ€ge zurĂŒckgeht», sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer. Allerdings solle man nun keinen starken Aufschwung erwarten. «Trumps Zollschock hat die Unternehmen stark verunsichert. AuĂerdem ist der dringend benötigte Neustart in der Wirtschaftspolitik wegen der knappen Mehrheit der neuen Bundesregierung noch unwahrscheinlicher geworden.»
Skeptisch Ă€uĂerte sich Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft beim Fondsanbieter Union Investment: «Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.» Auf den ersten Blick habe die Industrie der hohen Zoll-Unsicherheit getrotzt. Doch auf den zweiten Blick sei die Erholung bislang leider «nicht mehr als ein Strohfeuer». Die unberechenbare US-Wirtschaftspolitik werde weiter belasten.





