Deutschlands IndustrieauftrÀge steigen - Erwartungen verfehlt
05.04.2024 - 10:26:06Der Auftragseingang stieg im Vergleich zum Januar saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Analysten hatten jedoch einen etwas stĂ€rkeren Zuwachs um 0,7 Prozent erwartet. Ohne GroĂauftrĂ€ge sank der Auftragseingang allerdings um 0,8 Prozent.
Zu Beginn des Jahres hatte es noch einen heftigen DĂ€mpfer gegeben, denn der Auftragseingang war im Januar um revidiert 11,4 Prozent (zuvor 11,3) eingebrochen. Der starke RĂŒckgang zu Jahresbeginn war die Folge von ungewöhnlich vielen GroĂauftrĂ€gen im Dezember. Im Januar befanden sich die GroĂauftrĂ€ge dann wieder auf durchschnittlichem Niveau.
Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank bemĂ€ngelt: "Rechnet man die volatilen GroĂauftrĂ€ge heraus, waren die AuftragseingĂ€nge zuletzt so schwach wie im Jahr 2010." Der Ăkonom sieht jedoch Signale der Hoffnung in den leicht steigenden AuftragseingĂ€ngen, dem verbesserten Ifo-GeschĂ€ftsklimaindex, der verbesserten Konjunktur in China und der Aussicht auf Zinssenkungen der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) zur Jahresmitte. Daraus könnten "harte Fakten in Form von AuftrĂ€gen werden, auch ohne volatile GroĂauftrĂ€ge".
Europa-Chefvolkswirt Tomasz Wieladek vom Finanzdienstleister T. Rowe Price konstatiert: "Die deutsche Industrie, der Motor des verarbeitenden Gewerbes in Europa, bleibt im ersten Quartal sehr schwach."
Innerhalb des verarbeitenden Gewerbes entwickelten sich die Wirtschaftszweige im Vergleich zum Vormonat unterschiedlich: Gestiegene AuftragseingĂ€nge im Maschinenbau (+10,7 Prozent) beeinflussten das Gesamtergebnis positiv, nachdem die AuftragseingĂ€nge hier zwei Monate in Folge deutlich gefallen waren. Auch die Anstiege in der chemischen Industrie (+3,1) und der Pharmaindustrie (+6,6) wirkten sich positiv aus. RĂŒcklĂ€ufig waren hingegen die AuftragseingĂ€nge in der Automobilindustrie (-8,1) und bei der Herstellung von Metallerzeugnissen (-5,3).
"Erfreulich, dass die AuftrĂ€ge in den zuletzt teils arg gebeutelten Branchen Maschinenbau und Chemie zulegen konnten. Auf der Minusseite steht dafĂŒr dieses Mal die wichtige Automobilindustrie", kommentierte Volkswirt Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-WĂŒrttemberg.
Auch die Herkunft der AuftrĂ€ge Ă€nderte sich deutlich: AuftrĂ€ge aus der Eurozone gingen um 13,1 Prozent zurĂŒck, wĂ€hrend sie von auĂerhalb der Eurozone um 7,8 Prozent stiegen. Damit sanken die AuslandsauftrĂ€ge insgesamt um 0,7 Prozent. Die InlandsauftrĂ€ge nahmen um 1,5 Prozent zu.

