ROUNDUPDeutschland, Gesamtproduktion

Gesamtproduktion steigt unerwartet stark - Vorzieheffekte

08.05.2025 - 09:29:21

Die deutsche Industrie hat sich im MĂ€rz vor der Eskalation der US-Zollkonflikte dank Vorzieheffekten ĂŒberraschend gut entwickelt.

Die Fertigung in den Unternehmen stieg im Monatsvergleich um 3,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Im Februar hatte sich die Stimmung in dem fĂŒr die deutsche Wirtschaft wichtigen Bereich noch eingetrĂŒbt, nach einem Lichtblick im Januar.

Analysten hatten fĂŒr MĂ€rz zwar einen Anstieg erwartet, sie waren aber im Schnitt von einem Produktionsplus in Höhe von 1,0 Prozent ausgegangen. Im Jahresvergleich meldete das Statistikamt einen ĂŒberraschend kleinen DĂ€mpfer um kalenderbereinigt 0,2 Prozent.

Die positive Entwicklung im Produzierenden Gewerbe verteilte sich Destatis zufolge auf viele Wirtschaftsbereiche. Besonders die Produktionsanstiege in der Automobilindustrie, in der Pharmaindustrie und im Maschinenbau hÀtten sich auf das Gesamtergebnis ausgewirkt.

"Der krĂ€ftige Anstieg der Industrieproduktion zum Ende des ersten Quartals dĂŒrfte auch auf Vorzieheffekte im Zusammenhang mit den zollpolitischen AnkĂŒndigungen der US-Administration zurĂŒckzufĂŒhren sein", hieß es in einer Stellungnahme des Bundeswirtschaftsministeriums. Diese könnten sich angesichts der vorĂŒbergehenden Aussetzung der Zollerhöhungen und der positiveren LageeinschĂ€tzung innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes im zweiten Quartal fortsetzen.

Die Unsicherheit ĂŒber den weiteren handelspolitischen Kurs der USA drĂŒckt sich jedoch der Mitteilung zufolge in deutlich gedĂ€mpften GeschĂ€fts- und Exporterwartungen aus. Dementsprechend könnte es im weiteren Jahresverlauf auch wieder zu einer AbschwĂ€chung der Industriekonjunktur kommen.

Zuletzt hatten bereits Daten zum Auftragseingang Entspannungssignale gesendet. Im MĂ€rz waren diese unerwartet deutlich gestiegen. Auch hier hatten Experten auf Vorzieheffekte verwiesen.

WÀhrend die Industrieproduktion noch immer rund neun Prozent unter ihrem Vorkrisenniveau liege, zeigten die letzten Monate deutliche Anzeichen einer Bodenbildung, kommentierte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Bank. Dieser Trend könnte sich trotz US-Zöllen in den ersten Monaten des zweiten Quartals fortsetzen, da sich auch die IndustrieauftrÀge verbessert hÀtten und die LagerbestÀnde zu sinken begÀnnen.

Obwohl dies laut Brzeski klare Voraussetzungen fĂŒr eine typische Konjunkturerholung sind, wĂŒrden die eingefĂŒhrten Zölle von zehn Prozent auf europĂ€ische Waren sowie die höheren Zölle auf Automobile die deutsche und europĂ€ische Industrie weiterhin belasten - wie stark, werde sich in den nĂ€chsten Monaten zeigen.

Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank resĂŒmierte: "Wie immer stellt sich nach der jahrelangen Tristesse in der deutschen Industrie die Frage, ob die Daten nun ein Strohfeuer oder tatsĂ€chlich die Wende sind." Eine klare Antwort darauf gebe es zum heutigen Zeitpunkt nicht. Positiv fĂ€llt laut dem Experten jedoch auf, dass trotz der ganzen Zolldebatten wichtige KonjunkturfrĂŒhindikatoren zuletzt keine grĂ¶ĂŸeren Blessuren zeigten.

@ dpa.de