ROUNDUP, Exporte

Wirtschaft schrumpft Ende 2024 stÀrker - Exporte schwach

30.01.2025 - 11:44:13 | dpa.de

Die deutsche Wirtschaft findet auch zum Jahreswechsel keinen Weg aus ihrer Krise - und der Blick auf das neue Jahr gibt wenig Hoffnung.

Im vierten Quartal 2024 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent zum Vorquartal und damit etwas stÀrker als zunÀchst angenommen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden nach einer ersten SchÀtzung mitteilte. Noch vor Kurzem war die Behörde von einem Minus von 0,1 Prozent ausgegangen.

WĂ€hrend zum Jahresende die Konsumausgaben der privaten Verbraucher stiegen und auch der Staat mehr ausgab, waren die Exporte "deutlich niedriger" als im Vorquartal, schrieben die Statistiker.

"Die Wirtschaft ist in einer hartnĂ€ckigen Stagnation gefangen", schrieb Ökonom Sebastian Dullien vom Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Die aggressive Industriepolitik Chinas setze dem Export zu, und die Drohungen von US-PrĂ€sident Donald Trump mit neuen Zöllen verunsicherten Unternehmen.

"Allenfalls blutleere AufwÀrtsbewegung"

Auch im Gesamtjahr 2024 sank das Bruttoinlandsprodukt, und zwar um 0,2 Prozent zum Vorjahr, wie die Statistiker berichteten und damit eine frĂŒhere SchĂ€tzung bestĂ€tigten. Damit ist die deutsche Wirtschaft das zweite Jahr in Folge geschrumpft. Es handelt sich um die lĂ€ngste Rezession seit mehr als 20 Jahren: Zuletzt war die deutsche Wirtschaftsleistung 2002/2003 zwei Jahre in Folge zurĂŒckgegangen.

Im neuen Jahr ist kein Ende der SchwĂ€chephase in Sicht. "FĂŒr das erste Quartal signalisieren die FrĂŒhindikatoren wie das Ifo-GeschĂ€ftsklima oder die AuftragseingĂ€nge leider noch keine Besserung", schrieb Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer. "Ab dem FrĂŒhjahr zeichnet sich allenfalls eine blutleere AufwĂ€rtsbewegung ab."

Deutsche Wirtschaft auch 2025 unter Druck

Erst am Mittwoch hatte die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose fĂŒr 2025 auf 0,3 Prozent eingedampft, nachdem sie noch im Herbst ein Plus von 1,1 Prozent erwartet hatte. Auch die Bundesbank und der SachverstĂ€ndigenrat ("Wirtschaftsweise") prognostizieren nur ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent beziehungsweise 0,4 Prozent. Erst fĂŒr 2026 erwartet die Bundesregierung ein stĂ€rkeres Wirtschaftswachstum von dann 1,1 Prozent.

Auch die Konsumausgaben der Verbraucher sind keine ausreichende StĂŒtze fĂŒr die Wirtschaft. TrĂŒbe Aussichten am Arbeitsmarkt verunsicherten die Verbraucher, erklĂ€rte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "In einem solchen Umfeld werden die Geldbörsen nicht weit geöffnet." FrĂŒhindikatoren deuteten zumindest auf eine Bodenbodenbildung hin. "In den FrĂŒhjahrsmonaten könnten dann wieder positive Wachstumsraten anstehen." Allerdings wĂŒrden die BĂ€ume nicht in den Himmel wachsen.

Hoffen auf Politikwechsel, Sorgen wegen Trump

Schub fĂŒr die Wirtschaft könnten weiter sinkende Leitzinsen der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) geben, denn damit werden Kredite fĂŒr Unternehmen und Privatleute gĂŒnstiger - etwa fĂŒr Hausbauer.

Doch die Unsicherheit bleibt groß, nicht nur wegen Trumps Zolldrohungen WirtschaftsverbĂ€nde hoffen auf einen Politikwechsel nach der Wahl am 23. Februar. Wirtschaftliche Impulse einer neuen Bundesregierung wĂŒrden aber wohl frĂŒhestens 2026 voll zum Tragen kommen, schĂ€tzt das Kiel Institut fĂŒr Weltwirtschaft. Und Ökonom Dullien sieht das Risiko, dass nach der Bundestagswahl keine zĂŒgige Bildung einer handlungsfĂ€higen Regierung gelingt oder diese die Wirtschaftspolitik vernachlĂ€ssigt - zugunsten von Migrationsthemen.

LĂ€ngste Stagnationsphase der Nachkriegsgeschichte

Die deutsche Wirtschaft wÀchst schon seit Jahren kaum und hinkt im internationalen Vergleich hinterher. Nach Angaben des Ifo-Instituts lag das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt 2024 nur wenig höher als 2019 vor der Corona-Pandemie. Deutschland durchlaufe damit "die mit Abstand lÀngste Stagnationsphase der Nachkriegsgeschichte".

Die Krise kommt zunehmend am Arbeitsmarkt an. Nahezu alle Industriezweige wollten mit weniger BeschÀftigten auskommen, schrieb das Ifo-Institut. Vor allem in der Industrie und im Handel neigten Betriebe dazu, Jobs abzubauen.

Im vergangenen Jahr produzierten wichtige Industriebranchen wie Auto- und Maschinenbau weniger, die Exporte schrumpften, die Investitionen in Maschinen, GerĂ€te und Fahrzeuge sanken krĂ€ftig, und das Baugewerbe litt unter der Krise im Wohnungsbau. Die Konsumausgaben der Verbraucher wuchsen nur leicht. Viele Menschen halten angesichts gestiegener Preise und Sorgen um ihren Job ihr Geld zusammen. Zugleich leidet der Standort Deutschland unter hohen Energiepreisen und großer BĂŒrokratie.

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