LBBW-Chefvolkswirt, Kraemer

LBBW-Chefvolkswirt Kraemer: Schuldenbremse wird zur Wachstumsbremse

27.11.2023 - 14:03:59

Die deutsche Wirtschaft wird sich nach EinschĂ€tzung von Moritz Kraemer, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-WĂŒrttemberg (LBBW), auch im kommenden Jahr enttĂ€uschend entwickeln.

Dank einer besseren Binnennachfrage dĂŒrfte Deutschland zwar aus der aktuellen Rezession herausfinden, sagte Kraemer am Montag in Frankfurt. Die Wirtschaftsleistung sollte 2024 aber nur leicht um 0,3 Prozent wachsen. "Das Jahr wird wohl eine EnttĂ€uschung bleiben." Eine RĂŒckkehr auf einen stabilen Wachstumspfad sei nur möglich, wenn die Regierungskoalition in Berlin die Schuldenbremse lockere.

Nur mit öffentlichen Investitionen in die Digitalisierung, die Bildung und in die Infrastruktur könne sich Deutschland nachhaltig aus der aktuellen Wachstumskrise befreien, sagte der Ökonom. Zwar habe die Schuldenbremse Deutschland in den vergangenen Jahren gut gedient und die Schuldenquote vergleichsweise niedrig gehalten. "Nun jedoch droht die Schuldenbremse fĂŒr Deutschland zur Wachstumsbremse zu werden", warnte Kraemer.

Auch in den kommenden Monaten dĂŒrfte Deutschland den ĂŒbrigen LĂ€ndern der Eurozone hinterherhinken und vorerst "die rote Laterne in der Hand halten", sagte der Ökonom. Im Vergleich zu anderen EurolĂ€ndern leide die grĂ¶ĂŸte europĂ€ische Volkswirtschaft besonders stark unter einem Abflauen der Weltwirtschaft. Die nachlassende Konjunktur in China laste auf der deutschen Exportwirtschaft. DarĂŒber hinaus dĂŒrfte auch der wachsende Protektionismus des wichtigen Handelspartners USA das Wachstum bremsen. Zudem geht Kraemer davon aus, dass auch die US-Wirtschaft vor dem Hintergrund der gestiegenen Zinsen im kommenden Jahr in eine Rezession rutschen dĂŒrfte.

Positive Trends sieht der Experte indes mit Blick auf die Inflation. Zwar dĂŒrfte es zum Jahresende zeitweise wieder einen Anstieg der Teuerung geben, weil statistische Basiseffekte wegfielen. Generell sollte sich der Preisanstieg aber abschwĂ€chen. "Insgesamt wird die Inflation mit 2,8 Prozent deutlich niedriger sein als 2023", sagte Kraemer.

Das Ziel der EuropĂ€ische Zentralbank (EZB), die eine Inflationsrate von mittelfristig zwei Prozent anstrebt, wĂŒrde damit allerdings noch nicht erreicht werden. Kraemer geht dennoch davon aus, dass die EZB abwarten wird. Die Notenbank dĂŒrfte den Leitzins ĂŒber weite Strecken des kommenden Jahres auf dem bisher erreichten Plateau halten. Erst Ende 2024 sei mit einer ersten Zinssenkung in der Eurozone zu rechnen.

@ dpa.de