Arbeitsmarkt

DGB: Deutschland hat kein Problem mit dem Arbeitsvolumen

07.04.2026 - 05:00:00 | dts-nachrichtenagentur.de

Die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi hat deutliche Kritik an den zentralen Aussagen von Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) zur Renten- und Arbeitszeitpolitik geĂ€ußert.Fahimi wies Klingbeils Satz zurĂŒck, Deutschland mĂŒsse "aufhören, ein frĂŒheres Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu fördern".

Bauarbeiter auf einer Baustelle (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Diese Aussage sei "falsch", sagte Fahimi dem "Tagesspiegel" (Dienstagsausgabe). Klingbeils Forderung, lĂ€ngeres Arbeiten stĂ€rker zu fördern, lehnte Fahimi ab. Wer lĂ€nger arbeiten wolle, könne dies bereits, sagte sie - vielen fehle aber schlicht die Möglichkeit. "Über 55-jĂ€hrige Arbeitslose finden außerdem selten noch einen guten Job", sagte sie. Die gestiegene Erwerbsquote sei kein Erfolg der Rente mit 67, sondern einer verbesserten Arbeitsmarktpolitik.

Fahimi wies außerdem Klingbeils jĂŒngste Aussage, die Gesellschaft mĂŒsse insgesamt mehr arbeiten, zurĂŒck. Sie verneinte die Frage, ob Klingbeil damit recht habe. "Deutschland hat kein Problem mit dem Arbeitsvolumen, hier wird grundsĂ€tzlich genug gearbeitet", sagte sie: "Oder was soll der Industriearbeiter, der gerade auf Kurzarbeit ist, von solchen Aussagen halten? Oder die 120.000 Menschen, die 2025 in der Industrie ihren Job verloren haben?"

In Vollzeit-Jobs werde in Deutschland "nicht weniger gearbeitet als im europĂ€ischen Ausland", sagte Fahimi. Deutschland habe eine ĂŒberproportional hohe Teilzeit-Quote, was aber "ein Grund zur Freude, nicht zur Klage" sei, denn damit sei die Frauen-Erwerbsquote deutlich gestiegen.

Den Vorschlag von CSU-Chef Markus Söder fĂŒr eine Stunde Mehrarbeit pro Woche wies die DGB-Chefin zurĂŒck. "Das sind technokratische Zahlenspiele, die an der RealitĂ€t vorbeigehen", sagte sie. Söder sei fĂŒr die Vereinbarung von Wochenarbeitszeiten nicht zustĂ€ndig. "Dieses politische Reinfummeln in Tarifvertragsverhandlungen ist der Versuch, die darin stattfindenden Verteilungskompromisse aufzuweichen", sagte Fahimi. "Das verbitte ich mir."

Kritisch Ă€ußerte sich Fahimi zudem zu Klingbeils BefĂŒrchtung, die SPD werde zu sehr als Partei der TransferleistungsempfĂ€nger wahrgenommen. Dieses Feedback mĂŒsse die SPD "sehr ernst nehmen", sagte sie, und wieder stĂ€rker einem klaren Kurs sozialer Gerechtigkeit folgen, statt sich in "kleinteiligen Kompromissen" zu verlieren. "Das Profil der SPD ist offenbar zu unscharf", sagte die einstige SPD-GeneralsekretĂ€rin.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
wirtschaft | 69092441 |