ROUNDUP, Enttarnte

Enttarnte prorussische Plattform nÀhrt Sorge in Deutschland

28.03.2024 - 13:36:36

Die Enttarnung eines prorussischen Netzwerks in Europa schĂŒrt Sorgen vor Kreml-Propaganda in Deutschland.

"Auch die Bundesrepublik Deutschland bleibt weiterhin ein wichtiges Ziel russischer EinflussbemĂŒhungen", erklĂ€rte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums am Donnerstag auf Anfrage. Die tschechische Regierung hatte zuvor Sanktionen gegen die Betreiber der Internetseite "Voice of Europe" verhĂ€ngt, weil diese Teil einer russischen Einflussoperation sei. Deren Ziel sei es, die territoriale Unversehrtheit, SouverĂ€nitĂ€t und Freiheit der Ukraine infrage zu stellen.

Von den tschechischen Sanktionen betroffen ist unter anderem der Oligarch Wiktor Medwedtschuk, der als Vertrauter des russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin gilt. Die Zeitung "Denik N" berichtete unter Berufung auf Geheimdienstkreise, ĂŒber das Einfluss-Netzwerk seien bei Besuchen in Prag auch Gelder in bar an Politiker aus Deutschland, Frankreich, Polen, Belgien, den Niederlanden und Ungarn gezahlt worden.

Zu Zahlungen an deutsche Politiker Ă€ußerte sich das Bundesinnenministerium nicht. Die Sprecherin bestĂ€tigte nur, dass lĂ€nderĂŒbergreifende Zusammenarbeit der europĂ€ischen Sicherheitsbehörden "eine russische Einflussoperation gegen das EuropĂ€ische Parlament aufgedeckt" habe. Das Netzwerk um den ebenfalls mit tschechischen Sanktionen belegten ukrainischen Staatsangehörigen Artjom Machewskyj ĂŒbe "im Auftrag Russlands illegitimen Einfluss auf das EuropĂ€ische Parlament aus. Dazu benutzt es Politikerinnen und Politiker aus mehreren europĂ€ischen LĂ€ndern und stellt erhebliche Geldmittel zur VerfĂŒgung."

Das Portal hatte unter anderem Interviews mit den AfD-Politikern Maximilian Krah und Petr Bystron verbreitet, die Platz eins und zwei auf der AfD-Liste zur Europawahl einnehmen. Krah teilte dem "Spiegel" mit, er habe "Voice of Europe" zwei Interviews gegeben, eines davon in Prag. "Geld habe ich dafĂŒr selbstverstĂ€ndlich keines bekommen, weder fĂŒr mich, noch fĂŒr die Partei." Auch das Hotel habe er selbst bezahlt. Medwedtschuk und Machewskyj kenne er aus unterschiedlichen Kontexten, erklĂ€rte Krah laut "Spiegel" weiter. Auch von ihnen habe er "nie Geld oder geldwerte Leistungen angenommen".

Krahs BĂŒroleiter Jörg Sobolewski bestĂ€tigte der Deutschen Presse-Agentur die Aussagen, dass Krah kein Geld fĂŒr die Interviews bekommen habe. Bei Interviewanfragen behandele man alle Medien gleich: Die GesprĂ€che wĂŒrden gemacht, sofern Zeit dafĂŒr sei, unabhĂ€ngig von der politischen Ausrichtung des Mediums. Sobolewski bestĂ€tigte auch, dass Krah und Medwedtschuk miteinander bekannt seien.

Bystron antwortete auf konkrete Fragen der dpa zu seinem Interview auf dem Portal nicht. Er schrieb jedoch in einer E-Mail: "Der Angriff auf 'Voice of Europe' ist ein Angriff auf die Pressefreiheit, den ich verurteile. Eine regierungskritische Stimme soll zum Schweigen gebracht werden. Im aufziehenden EU-Wahlkampf sollen Politiker, die gegen die Fortsetzung des Ukraine-Krieges sind, sowie Journalisten als Agenten Moskaus diffamiert werden."

Das Bundesinnenministerium erklĂ€rte indes: "Dieser Fall ist ein weiteres Beispiel fĂŒr die umfangreichen und breit gefĂ€cherten EinflussaktivitĂ€ten Russlands. Russland hat in den vergangenen Jahren ein komplexes Netzwerk aus Einflussakteuren und -instrumenten aufgebaut, auf das es zurĂŒckgreifen kann. Es ist davon auszugehen, dass die EinflussaktivitĂ€ten vor allem darauf abzielen, Vertrauen in die HandlungsfĂ€higkeit und Kompetenz europĂ€ischer Institutionen zu untergraben und vorhandene Spaltungspotenziale in der Gesellschaft zu vertiefen." Die deutschen Sicherheitsbehörden wĂŒrden weiter alles unternehmen, um die Einflussoperationen aufzuklĂ€ren und zu unterbinden.

@ dpa.de