EU-Kommission: Klimaziel fĂŒr 2030 in greifbarer NĂ€he
28.05.2025 - 08:42:46 | dpa.deDerzeit sei die EU auf dem Weg, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um etwa 54 Prozent gegenĂŒber dem Stand von 1990 zu senken - Ziel der Staatengemeinschaft bis Ende des Jahrzehnts ist eine Reduzierung um 55 Prozent.
Die Analyse zeige, dass "die EU ihren Klimaverpflichtungen treu bleibt, entschlossen in den Ăbergang zu sauberer Energie investiert und der industriellen WettbewerbsfĂ€higkeit der EU sowie der sozialen Dimension Vorrang einrĂ€umt", so die Kommission. Nun gelte es, die PlĂ€ne in die Tat umzusetzen, um StabilitĂ€t und Vorhersehbarkeit zu gewĂ€hrleisten.
EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra sagte, wenn der Kurs beibehalten werde, "bin ich zuversichtlich, dass wir es schaffen können und werden". Die Emissionen seien seit 1990 um 37 Prozent gesunken, wĂ€hrend die Wirtschaft um fast 70 Prozent gewachsen sei. "Jetzt mĂŒssen wir auf diesem Schwung aufbauen. Investitionen in saubere Technologien und Innovationen sind entscheidend fĂŒr die WettbewerbsfĂ€higkeit der Industrie und eröffnen neue MĂ€rkte fĂŒr EU-Unternehmen." Jeder Sektor in jedem Mitgliedstaat mĂŒsse zur Umsetzung beitragen.
Nationale KlimaplÀne als Grundlage
Grundlage fĂŒr die Bewertung der Kommission sind die nationalen KlimaplĂ€ne aller EU-Staaten (National Energy and Climate Plan; NECP). In diesen PlĂ€nen, die verpflichtend bei der EU-Kommission einzureichen sind, soll jedes Land detailliert zeigen, wie es vorhat, die Klimaziele fĂŒr 2030 zu erreichen. Ziel ist es, die Energie- und Klimapolitiken vergleichbar darzustellen und untereinander abzustimmen sowie das Erreichen der Ziele verlĂ€sslich zu ĂŒberwachen. Die PlĂ€ne von Belgien, Estland und Polen stehen derzeit noch aus. Ihre Gesamtziele seien aber in die Bewertung miteingeflossen, hieĂ es.
Werden die PlĂ€ne auch erfĂŒllt?
Allerdings ist ungewiss, ob die Ziele tatsĂ€chlich den PlĂ€nen entsprechend erfĂŒllt werden. "Das Erreichen dieser Ziele ist eine gemeinsame Anstrengung und gemeinsame Verantwortung auf EU-Ebene und von allen EU-Mitgliedstaaten", mahnt die Kommission. Die Behörde werde die Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten verstĂ€rken und sie bei ihren UmsetzungsbemĂŒhungen unterstĂŒtzen - und will etwa fĂŒr die Straffung von Verfahren und einen besseren Zugang zu Geld sorgen.
LĂŒcken sieht die Kommission allerdings noch in den einzelnen Sektoren, die zur Senkung der Emissionen beitragen mĂŒssen. So mĂŒsse vor allem in fĂŒnf LĂ€ndern in Bereichen wie Verkehr, GebĂ€ude und Landwirtschaft noch etwas mehr passieren. WĂ€hrend die LĂŒcke bei den Zielen fĂŒr erneuerbare Energien mit 1,5 Prozent nur noch klein sei, seien fĂŒr eine bessere Energieeffizienz noch "entschiedenere MaĂnahmen zur Senkung der Energienachfrage" erforderlich.
"Green Deal"-Gesetze mĂŒssen umgesetzt werden
Bei der vergangenen Analyse der NECPs 2023 kam die Kommission noch zu dem Schluss, dass die damals vorgesehenen MaĂnahmen zu einer Verringerung um 51 Prozent fĂŒhren wĂŒrden. Die LĂ€nder hĂ€tten die LĂŒcke zur Erreichung der Ziele deutlich geschlossen, hieĂ es nun von der Kommission. Dazu dĂŒrften auch Vorschriften aus dem sogenannten Green Deal mit beigetragen haben, die in den vergangenen Jahren und Monaten in Kraft getreten sind.
In der vergangenen Legislaturperiode bis 2024 hatte die EU-Kommission unter PrĂ€sidentin Ursula von der Leyen den "Green Deal" vorgelegt - ein beispielloses MaĂnahmen- und Gesetzespaket, das unter anderem fĂŒr einen drastischen RĂŒckgang der Treibhausgasemissionen sorgen soll. Er umfasst neue Vorgaben in Bereichen wie Energie, Verkehr, Industrie oder Landwirtschaft. WĂ€hrend bis 2024 unterschiedliche Klima-Gesetze verabschiedet wurden, ist die Umsetzung in den LĂ€ndern aber auch weiter die groĂe Herausforderung. Strengere Regeln fĂŒr die Landwirtschaft wurden etwa nach groĂen Bauernprotesten in vielen EU-LĂ€ndern teils zurĂŒckgenommen. JĂŒngst wurden auch Vorgaben fĂŒr Autobauer zum Erreichen von Abgasgrenzwerten gelockert.
RealitÀt im Kontrast zur Rhetorik in vielen LÀndern
Allerdings offenbare die Analyse der Kommission eine RealitĂ€t, die klar im Kontrast zur politischen Rhetorik in vielen LĂ€ndern stehe, sagt Linda Kalcher von der BrĂŒsseler Denkfabrik Strategic Perspectives. "Die EU-Staaten treiben die Klimapolitik voran, auch wenn die öffentliche Debatte in manchen LĂ€ndern das Gegenteil vermuten lĂ€sst." Es sei an der Zeit, ĂŒber diese Rhetorik hinauszugehen und anzuerkennen, dass solche politischen MaĂnahmen die FĂŒhrungsrolle im Bereich der sauberen Technologien stĂ€rken, Investitionen lenken und fĂŒr Arbeitsplatzsicherheit sorgen können, forderte sie.
Zwischenziel fĂŒr 2040 fehlt noch
Neben dem Ziel fĂŒr 2030 gilt in der EU das festgeschriebene Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden - also nicht mehr Treibhausgase auszustoĂen als wieder gebunden werden können. Ein verbindliches Zwischenziel fĂŒr 2040 gibt es noch nicht. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag der Behörde dazu wird bis zur Sommerpause erwartet, darĂŒber muss dann von den EU-LĂ€ndern und dem Europaparlament verhandelt werden.
Im vergangenen Jahr empfahl die EU-Kommission bereits, eine Minderung um mindestens 90 Prozent im Vergleich zu 1990 festzulegen. Einige im Europaparlament und unter den EU-Staaten halten das fĂŒr ehrgeizig. Aus EU-Kreisen heiĂt es, die Kommission wolle zwar an der 90-Prozent-Vorgabe festhalten - gleichzeitig aber mehr FlexibilitĂ€t schaffen, um sie zu erreichen. Dazu zĂ€hlt etwa die Anerkennung von Klimazertifikaten aus Nicht-EU-LĂ€ndern. CDU, CSU und SPD nennen dies im Koalitionsvertrag als eine Voraussetzung fĂŒr die deutsche UnterstĂŒtzung fĂŒr das 90-Prozent-Ziel.
Ob die EU auch tatsĂ€chlich auf dem Weg ist, ihr Klimaziel fĂŒr 2030 zu erreichen, ist am ehesten an Daten zum RĂŒckgang von Emissionen abzulesen. Einem Bericht der EU-Umweltagentur von Februar zufolge sei die Staatengemeinschaft bei der Verringerung der Treibhausgasemissionen gut vorangekommen.
Wie aus einem Bericht der Weltwetterorganisation (WMO) in Genf hervorgeht, ist in den kommenden fĂŒnf Jahren voraussichtlich ein neuer globaler Temperaturrekord zu erwarten. Auch das Ăberschreiten der ErderwĂ€rmung um 1,5 Grad werde immer wahrscheinlicher.
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