US-WAHL / ROUNDUP: Gespanntes Warten bei knapper US-Wahl
06.11.2024 - 03:05:01Wie erwartet setzten sich Kamala Harris und Donald Trump nach WÀhlerbefragungen und ersten StimmauszÀhlungen in mehreren Bundesstaaten durch, in denen ihr Sieg als sicher galt.
Dazu gehören unter anderem Florida, Indiana und South Carolina fĂŒr Trump und Maryland, Massachusetts und Illinois fĂŒr Harris. Trump kam damit bisher auf gut 100 Stimmen von Wahlleuten und Harris auf ĂŒber 70.
Bei der Wahl steht viel auf dem Spiel: Die innenpolitische StabilitĂ€t der USA sowie das ohnehin wackelige Gleichgewicht der Weltpolitik. FĂŒr den Sieg braucht ein Kandidat 270 Stimmen von Wahlleuten aus verschiedenen Bundesstaaten. Da ein GroĂteil der Bundesstaaten verlĂ€sslich fĂŒr Demokraten oder Republikaner stimmt, kommt es am Ende auf das Ergebnis in sieben sogenannten Swing States an, in denen beide Parteien eine realistische Erfolgschance haben.
Wie steht es in den Swing States?
Die Swing States sind Pennsylvania, Michigan, Wisconsin, Georgia und North Carolina - sowie Arizona und Nevada im Westen der USA. Vor allem Pennsylvania mit 19 Stimmen von Wahlleuten gilt als potenziell wahlentscheidend. Sowohl Harris als auch Trump waren dort auf der Zielgeraden des Wahlkampfs besonders aktiv.
In Georgia und North Carolina mit jeweils 16 Stimmen von Wahlleuten wurde eine recht zĂŒgige AuszĂ€hlung der Stimmen erwartet. Sollte Trump Georgia und North Carolina fĂŒr sich entscheiden, mĂŒsste Harris zwingend Pennsylvania gewinnen, um PrĂ€sidentin zu werden.
Wirtschaft oder Frauenrechte?
Trump baute seinen Wahlkampf auf der Unzufriedenheit der Amerikaner mit der hohen Inflation im Nachgang der Corona-Pandemie auf und schĂŒrte zudem Ăngste vor einem angeblichen Anstieg von Verbrechen durch kriminelle Einwanderer. Harris beschrieb Trump als eine Gefahr fĂŒr die Demokratie und fokussierte sich angesichts der Abtreibungs-Verbote in mehreren von Republikanern dominierten Bundesstaaten auf die Rechte der Frauen.
Der Wahlausgang wird zeigen, wessen Botschaften bei den WĂ€hlern besser ankamen. Viele, die fĂŒr Trump stimmen wollten, erklĂ€rten, dass fĂŒr sie die wirtschaftliche Entwicklung wichtiger als die Persönlichkeit der Kandidaten sei.
Keine klare Linie in Umfragen
Zugleich sagten 80 Prozent der WĂ€hler in einer Umfrage des Nachrichtensenders CNN an den Wahllokalen, sie hĂ€tten sich bereits vor September festgelegt, fĂŒr wen sie stimmen werden. Vorherige Umfragen zeigten zugleich, dass Harris mit groĂem Abstand bei Frauen vorn liegt, wĂ€hrend Trump im Vergleich zur Wahl 2020 mehr schwarze und Latino-WĂ€hler fĂŒr sich gewinnen konnte.
Ein mögliches Alarmsignal fĂŒr Harris in Georgia ist, dass den Nachwahlbefragungen von CNN zufolge 54 Prozent der als unabhĂ€ngig gemeldeten WĂ€hler fĂŒr Trump stimmten. Joe Biden, der Trump vor vier Jahren schlug, hatte in dieser Gruppe damals einen Vorsprung von neun Prozentpunkten gehabt.
Trump malt wieder Wahlbetrug an die Wand
Wie schon vor vier Jahren behauptete Trump erneut, dass es "massiven Betrug" gebe - speziell sprach er von Philadelphia in Pennsylvania und Detroit in Michigan. SicherheitskrĂ€fte seien auf dem Weg. In Philadelphia wies Staatsanwalt Larry Krasner die Behauptungen rasch als komplett unbegrĂŒndet zurĂŒck, auch das BĂŒrgermeisteramt von Detroit konnte sie nicht bestĂ€tigen.
Auch Entscheidung ĂŒber Kongress-Mehrheiten
Es wird auch ĂŒber die Mehrheiten im US-Kongress entschieden. Zur Wahl stehen alle 435 Sitze im ReprĂ€sentantenhaus sowie rund ein Drittel der 100 Sitze im Senat. Die Partei, die den Kongress kontrolliert, kann den Handlungsspielraum eines PrĂ€sidenten stark einschrĂ€nken.
Aktuell halten die Republikaner die Mehrheit im Abgeordnetenhaus mit 220 zu 212 Sitzen.
Den Demokraten droht wiederum der Verlust ihrer Mehrheit von 51 Sitzen im Senat. Einen der bisherigen Sitze verloren sie schon frĂŒh in der Nacht. Der zuletzt parteilose Senator Joe Manchin, der mit den Demokraten stimmte, trat nicht mehr an. Seinen Platz wird der Republikaner Jim Justice einnehmen. Wenn wie erwartet der Demokrat Jon Tester im Bundesstaat Montana seinen Sitz verliert, mĂŒssten die Demokraten in einem der anderen Rennen einen Republikaner ersetzen, um die Kontrolle ĂŒber den Senat zu behalten.
Russland mischt mit
Russland versuchte abermals, Chaos wĂ€hrend des groĂen Wahltags zu sĂ€en. Die US-Bundespolizei FBI verfolgte Bombendrohungen gegen Wahllokale nach Russland zurĂŒck. Keine der Drohungen sei als glaubwĂŒrdig eingestuft worden. Die Bombendrohungen hatte es in zwei Wahllokalen im besonders umkĂ€mpften "Swing State" Georgia gegeben, weswegen die Abstimmung dort kurzzeitig unterbrochen wurde.

