ROUNDUPEU-Plan, Eingefrorene

Eingefrorene Russland-Gelder sollen Ukraine helfen

12.12.2023 - 17:48:31

Die EU könnte im kommenden Jahr erstmals mit ErtrĂ€gen aus der Verwahrung eingefrorener russischer Zentralbank-Gelder die Ukraine unterstĂŒtzen.

Die EU-Kommission legte dafĂŒr am Dienstag VorschlĂ€ge fĂŒr Rechtstexte vor. Sie sollen im ersten Schritt dafĂŒr sorgen, dass die ErtrĂ€ge gesondert aufbewahrt werden. In einem zweiten Schritt ist dann geplant, einen Teil der Gelder an die Ukraine weiterzuleiten.

Vermutlich wĂŒrde jĂ€hrlich eine Milliardensumme anfallen, da in der EU nach Kommissionsangaben mehr als 200 Milliarden der russischen Zentralbank eingefroren wurden und die ErtrĂ€ge aus der Verwahrung des Kapitals laufend steigen.

Detaillierte SchĂ€tzungen wollte die EU-Kommission am Dienstag zunĂ€chst nicht nennen. Das in BrĂŒssel ansĂ€ssige Finanzinstitut Euroclear hatte zuletzt allerdings mitgeteilt, allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres drei Milliarden Euro an Zinseinnahmen gemacht zu haben, die in Verbindung zu Russlandsanktionen stehen. Euroclear ist in der EU das mit Abstand wichtigste Institut, das Vermögenswerte der russischen Zentralbank verwahrt.

EU-Beamte betonten am Dienstag, dass es bei dem Projekt zunĂ€chst einmal nur um Einnahmen gehe, die Euroclear außerplanmĂ€ĂŸig wegen der EU-Sanktionen gegen die russische Zentralbank mache. Es ist demnach vorerst keine Enteignung im eigentlichen Sinne geplant.

Als ein Grund dafĂŒr gelten rechtliche Bedenken und wahrscheinliche Vergeltungsmaßnahmen. Moskau hatte die EU bereits im vergangenen Jahr davor gewarnt, das Eigentum des russischen Staates oder russischer BĂŒrger zu konfiszieren. Denkbar wĂ€re es beispielsweise, dass dann auch in Russland tĂ€tige Unternehmen aus EU-LĂ€ndern zwangsenteignet werden. Zudem könnte eine direkte Nutzung der russischen Vermögenswerte auch dazu fĂŒhren, dass andere Staaten und Anleger das Vertrauen in den europĂ€ischen Finanzplatz verlieren und Vermögen aus der EU abziehen.

Der Vorschlag fĂŒr die Rechtstexte muss nun von den 27 EU-Staaten einstimmig angenommen werden. Danach will die EU-Kommission einen konkreten Vorschlag fĂŒr die Verwendung der Gelder vorlegen. Der Finanzbedarf der Ukraine ist enorm. Die bisherigen KriegsschĂ€den werden auf einen hohen dreistelligen Milliardenbetrag geschĂ€tzt. Allein fĂŒr den Zeitraum von 2024 bis Ende 2027 plant die EU-Kommission derzeit UnterstĂŒtzungsmaßnahmen in Höhe von 50 Milliarden Euro.

Dass der Vorschlag der Kommission Zustimmung findet, gilt als wahrscheinlich. Im Oktober hatten die Staats- und Regierungschefs nĂ€mlich die EU-Kommission bei einem Gipfeltreffen aufgefordert, die Arbeiten an dem Projekt zu beschleunigen. Damals hieß es, es mĂŒssen entscheidende Fortschritte in der Frage erzielt werden, "wie außerordentliche Einnahmen privater Rechtspersonen, die direkt aus Russlands immobilisierten Vermögenswerten stammen, in die UnterstĂŒtzung der Ukraine und deren Erholung und Wiederaufbau geleitet werden könnten".

@ dpa.de