EU will wieder Zölle fĂŒr bestimmte Agrarprodukte aus der Ukraine
20.03.2024 - 06:35:26Darauf einigten sich UnterhĂ€ndler der EU-Staaten und des Europaparlaments in der Nacht zu Mittwoch in BrĂŒssel.
Konkret geht es nach Angaben des Parlaments um Eier, GeflĂŒgel und Zucker sowie Mais, Hafer, GrĂŒtze und Honig. FĂŒr diese Waren soll es kĂŒnftig ein gewisses Kontingent geben, das zollfrei in die EU verkauft werden darf. Wenn diese Menge erreicht ist, werden wieder Zölle fĂ€llig. FĂŒr die Einfuhr von Weizen sollen zunĂ€chst weiter keine Zölle gelten, allerdings sollen unter bestimmten Bedingungen MaĂnahmen ergriffen werden können. Diese Regeln sollen nach der vorlĂ€ufigen Einigung bis Juni 2025 gelten.
Die EU hatte nach dem Angriff Russlands auf sein Nachbarland Zölle ausgesetzt, um die ukrainische Wirtschaft zu stÀrken. Die nun erzielte Einigung muss noch formell vom Parlament und die EU-Staaten abgenickt werden.
Mit der geplanten WiedereinfĂŒhrung von HandelsbeschrĂ€nkungen fĂŒr bestimmte Agrarwaren aus der Ukraine ab einer bestimmten Menge geht die EU ein weiteres Mal auf BĂ€uerinnen und Bauern zu. Nach auch gewaltsamen Protesten der Landwirte hatte etwa die EU-Kommission bereits temporĂ€r weniger strenge Umweltauflagen ermöglicht.
Im Zuge der andauernden Bauernproteste in der EU hatten etwa besonders Landwirte aus Polen Ănderungen der ukrainisch-europĂ€ischen Handelspolitik gefordert. Seit Monaten kritisieren polnische Bauern die Einfuhr gĂŒnstigerer Agrarprodukte aus der Ukraine. Sie wollen etwa verhindern, dass billigeres ukrainisches Getreide auf den heimischen Markt gelangt.
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine vor zwei Jahren hatte BrĂŒssel alle Importzölle und -quoten fĂŒr landwirtschaftliche Produkte aus der Ukraine ausgesetzt, um dem Land wirtschaftlich zu helfen. Zuvor gab es bereits ein Handelsabkommen mit der Ukraine, die zusĂ€tzlichen Erleichterungen gingen aber deutlich darĂŒber hinaus. Nach Angaben des fĂŒr Handel zustĂ€ndigen EU-Kommissars Valdis Dombrovskis hat die EU nie zuvor derartige MaĂnahmen zur Handelserleichterung ergriffen.
Landwirte aus vier weiteren östlichen EU-LĂ€ndern sahen sich durch gestiegene Importe von Waren aus der Ukraine einer unverhĂ€ltnismĂ€Ăigen Konkurrenz ausgesetzt. JĂŒngst wuchs aber auch der Druck aus Frankreich. Getreideerzeuger seien durch einen Preisverfall und explodierende Kosten geschwĂ€cht, sie wĂŒrden seit Monaten unter erheblichen Marktverzerrungen leiden, die durch den Zustrom von ukrainischem Getreide in die EU verursacht worden seien, teilten die französischen AgrarverbĂ€nde AGPB und AGPM Mitte Februar mit.
Der Druck der Bauern auf der StraĂe scheint damit weitere Wirkung zu zeigen. Noch im September hatte Handelskommissar Dombrovskis mit Blick auf östliche EU-Staaten gesagt: "Wir sehen derzeit keine Marktverzerrungen in diesen fĂŒnf Mitgliedsstaaten." Ungarn, Polen, Slowakei, RumĂ€nien und Bulgarien hatten die Einfuhren bestimmter Agrarprodukte zeitweise eigenstĂ€ndig beschrĂ€nkt. Eigentlich ist fĂŒr EU-Handelspolitik die EU-Kommission zustĂ€ndig. EU-Staaten dĂŒrfen in der Regel etwa nicht eigenstĂ€ndig bestimmte Importe verbieten.
Aus Deutschland gab es bislang keine groĂe Kritik an den Handelserleichterungen fĂŒr die Ukraine. Staatsministerin Anna LĂŒhrmann (GrĂŒne) hatte am Dienstagmorgen in BrĂŒssel gesagt die Bundesregierung setze sich dafĂŒr ein, dass die Ukraine weiterhin Agrarprodukte exportieren könne.

