EU-Kommission, Klimaziel

EU-Kommission muss Klimaziel fĂŒr 2040 vielleicht abschwĂ€chen

04.04.2025 - 06:21:14

Die EuropĂ€ische Kommission muss möglicherweise Abstriche machen an ihren PlĂ€nen fĂŒr das Klimaziel bis 2040.

Die Reduzierung der Treibhausgase um mindestens 90 Prozent im Vergleich zu 1990 in den nÀchsten 15 Jahren sei zwar klar weiter das Ziel, sagte EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra.

"Gleichzeitig möchte ich aber auch sicherstellen, dass wir sensibel sind fĂŒr die Forderung nach ein wenig Pragmatismus und die Frage: "Okay, wie können wir das schaffen?"", sagte der NiederlĂ€nder. Auch die WettbewerbsfĂ€higkeit Europas sowie ein gerechter und fairer Wandel der Wirtschaft mĂŒssten berĂŒcksichtigt werden.

Zuletzt waren Forderungen nach einem weniger ambitionierten Ziel laut geworden, unter anderem aus LĂ€ndern wie Italien. Er sei weiter zuversichtlich, dass das 90-Prozent-Ziel am Ende stehen könne, sagte Hoekstra. Es gebe eine begrenzte Liste von Möglichkeiten fĂŒr mehr FlexibilitĂ€t fĂŒr die Mitgliedsstaaten.

Reduzierung bis 2040 bislang nur Empfehlung

Bislang gibt es die festgeschriebenen Ziele in der EU, die CO2-Emissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenĂŒber 1990 zu senken und bis 2050 klimaneutral zu werden. Im vergangenen Jahr legte die EU-Kommission eine Empfehlung fĂŒr ein Zwischenziel bis 2040 vor: Die Emissionen bis dahin um mindestens 90 Prozent zu senken. Der EuropĂ€ische Wissenschaftliche Beirat zum Klimawandel hatte sich bereits 2023 dafĂŒr ausgesprochen, die EU-Emissionen bis 2040 im Vergleich zu 1990 um 90 bis 95 Prozent zu verringern.

Die neue Kommission, die seit Ende 2024 im Amt ist, muss noch einen Gesetzesvorschlag prĂ€sentieren, damit das Ziel verbindlich werden kann. Ein solcher Vorschlag muss dann von den EU-LĂ€ndern und dem Europaparlament verhandelt werden. Damit der Vorschlag eine Mehrheit finde, fĂŒhre er GesprĂ€che mit LĂ€ndern und Vertretern des Parlaments, sagte Hoekstra.

Wie die kĂŒnftige Bundesregierung sich positioniert, ist noch offen. In einem Ergebnispapier der zustĂ€ndigen Arbeitsgruppe Klima und Energie fĂŒr die Koalition aus SPD und Union geht hervor, dass die Sozialdemokraten das 90-Prozent-Ziel unterstĂŒtzen. Einen Textvorschlag der Union gab es dazu nicht.

Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese bezeichnete das Ziel von 90 Prozent fĂŒr 2040 "extrem ambitioniert". Ohne FlexibilitĂ€t bestehe die Gefahr, dass Europa stark an Industrieproduktion verliere. Eine Lösung kann aus Sicht von Liese darin bestehen, in einem begrenzten Maße qualitativ hochwertige Zertifikate aus Drittstaaten anzuerkennen.

"Zugleich ist es unheimlich wichtig, dass Europa seine Klimaziele fĂŒr 2040 und vor allem fĂŒr 2035 schnell festlegt", sagte Liese. Das Ziel dĂŒrfe zwar ambitioniert sein, mĂŒsse aber zugleich noch realistisch sein, um ernst genommen zu werden. "Indien und China warten auf Europa."

Vorlage rĂŒckt immer weiter nach hinten

UrsprĂŒnglich sollte der Gesetzesvorschlag in den ersten drei Monaten dieses Jahres prĂ€sentiert werden. Die GesprĂ€che dauerten aber noch Wochen oder Monate, sagte Hoekstra. Vorlegen wolle er den Vorschlag fĂŒr das neue Ziel vor der Sommerpause. Festlegen darauf, ob das "irgendwo im Juni oder Anfang Juli oder vielleicht sogar etwas frĂŒher sein wird", wollte Hoekstra sich nicht.

@ dpa.de