Merz fĂŒr neuen Anlauf zu Freihandel mit den USA
02.01.2025 - 06:35:16Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz spricht sich in dieser Lage dafĂŒr aus, dem kĂŒnftigen US-PrĂ€sidenten einen neuen Anlauf fĂŒr ein Freihandelsabkommen vorzuschlagen. "Wir brauchen eine Positiv-Agenda mit den USA, die amerikanischen wie europĂ€ischen Konsumenten gleichermaĂen zugutekommt", sagte der CDU-Chef der Deutschen Presse-Agentur.
"Eine neue europĂ€isch-amerikanische Initiative fĂŒr gemeinsamen Freihandel könnte eine gefĂ€hrliche Zoll-Spirale verhindern", fĂŒgte Merz hinzu. Verhandlungen zwischen der EU und den USA ĂŒber ein umfassendes Handels- und Investitionsabkommen mit dem KĂŒrzel TTIP waren 2017 von Trump zu Beginn seiner ersten Amtszeit gestoppt worden und liegen seitdem auf Eis.
Merz machte deutlich, dass er mit hĂ€rteren Bedingungen fĂŒr die europĂ€ische Wirtschaft mit dem Amtsantritt der neuen US-Regierung rechnet. "Es wird herausfordernd." Man mĂŒsse sich wahrscheinlich darauf einstellen, dass Amerika wie von Trump angekĂŒndigt auf sich selbst gucke und eigene Interessen wahrnehme - zum Beispiel mit hohen Importzöllen. "Aber unsere Antwort darauf sollte nicht sein, jetzt fangen wir auch an mit Zöllen."
StandortqualitÀt Europas unter Druck
Die Antwort sollte sein, WettbewerbsfĂ€higkeit wieder herzustellen, wo sie verloren gegangen sei. Und dann den Amerikanern zu sagen: "Ja, wir sind bereit, uns diesem Wettbewerb auch mit Euch zu stellen." Merz warnte: "Wir mĂŒssen sehr aufpassen, dass die StandortqualitĂ€t Europas und Deutschlands nicht noch weiter zurĂŒckfĂ€llt." Deswegen lege die Union in ihrem Programm zur Bundestagswahl so viel Wert darauf, wieder wettbewerbsfĂ€higer zu werden.
Der CDU-Vorsitzende berichtete, er höre aus vielen deutschen Unternehmen: "Jeder, der mit dem Transition-Team der neuen amerikanischen Regierung in Kontakt tritt, bekommt Angebote, seinen Sitz in die USA zu verlegen." Möglichkeiten zu Steuergutschriften in den USA könne man als Subvention bezeichnen, aber auch als gute steuerliche Rahmenbedingungen.
Unternehmenssteuern schrittweise senken
Deswegen mĂŒsse auch Deutschland mit den Unternehmenssteuern herunter auf 25 Prozent. "Das wird nicht von einem Tag auf den anderen möglich sein. Aber wir mĂŒssen Schritt fĂŒr Schritt in diese Richtung gehen, damit der Standort wieder attraktiv wird." Auch die preisliche WettbewerbsfĂ€higkeit sei nicht da, wo sie sein mĂŒsste. Bei den Lohnzusatzkosten sei Deutschland zu teuer. "Das kann man nicht europĂ€isch lösen, das mĂŒssen wir national hinbekommen."
Merz sagte, wenn Trump Zölle auf Einfuhren aus Europa einfĂŒhre, werde er damit zunĂ€chst die amerikanischen Konsumenten ĂŒberraschen. "Denn Zölle werden immer von der eigenen Bevölkerung bezahlt, nicht von anderen." Zölle wĂŒrden in den USA wahrscheinlich die Inflationsrate nach oben treiben. "Die SpielrĂ€ume fĂŒr Trump, jetzt Zölle in groĂem Umfang zu erheben, werden also wahrscheinlich begrenzt sein."
Nachteile von Abschottung
Der CDU-Chef betonte: "Wir sollten Zölle nicht mit Zöllen beantworten." Alle LÀnder, die sich mit Zöllen oder anderen Zugangsbarrieren abschotteten, seien weniger wettbewerbsfÀhig. "Das kann der amerikanischen Wirtschaft auch drohen. Und deswegen ist die richtige Antwort, mit Innovation und guten Produkten zu reagieren."
Trump hatte Zölle schon im Wahlkampf angekĂŒndigt. An seinem ersten Amtstag als PrĂ€sident plant er demnach hohe Importzölle auf alle Waren aus Mexiko und Kanada sowie zusĂ€tzliche Zölle auf Waren aus China. Er drĂ€ngte zudem auch die EuropĂ€ische Union, mehr Ăl und Gas aus den USA zu importieren. Trump ist es generell ein Dorn im Auge, dass europĂ€ische Unternehmen deutlich mehr Waren in den USA verkaufen als amerikanische Unternehmen in der EU.

