EZB-PrĂ€sidentin Lagarde warnt vor zu frĂŒhen Zinssenkungen
15.02.2024 - 11:57:27Der geldpolitische Kurs hĂ€nge nach wie vor von der Datenlage ab, sagte EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde am Donnerstag vor dem EuropĂ€ischen Parlament in BrĂŒssel. Konkret nannte die Französin die Aussichten fĂŒr die Inflationsentwicklung und die Dynamik der grundlegenden Inflation.
Lagarde warnte jedoch vor einer ĂŒberstĂŒrzten Lockerung der Geldpolitik. "Das Letzte, was ich sehen möchte, ist, dass wir eine voreilige Entscheidung treffen, die die Inflation wieder steigen lĂ€sst und wir mehr GegenmaĂnahmen ergreifen mĂŒssen", erklĂ€rte Lagarde. Der EZB-Rat verfĂŒge noch nicht ĂŒber genĂŒgend Indizien, dass das mittelfristige Inflationsziel von zwei Prozent nachhaltig erreicht werde.
Ăhnlich wie Lagarde hatten sich zuletzt auch die deutschen Vertreter im EZB-Rat geĂ€uĂert. BundesbankprĂ€sident Joachim Nagel und die EZB-Direktorin Isabel Schnabel gelten als Verfechter einer strikten Geldpolitik, die vor allem auf die InflationsbekĂ€mpfung ausgerichtet ist. Andere Vertreter der Notenbank wie der italienische Zentralbankchef Fabio Panetta neigen dagegen zu einer lockereren Linie und frĂŒheren Zinssenkungen.
In Reaktion auf die bis Ende 2022 massiv gestiegene Inflation hat die EZB ihre Geldpolitik erheblich gestrafft. Aktuell betrÀgt der wichtige Einlagensatz vier Prozent, nachdem er bis Mitte 2022 noch an der Nulllinie gelegen hatte. Die Teuerung im WÀhrungsraum war zeitweise auf mehr als zehn Prozent geklettert, vor allem aufgrund stark steigender Rohstoff- und Energiepreise wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine. Mittlerweile nimmt der Preisauftrieb wieder ab.
Eine zunehmende Bedeutung fĂŒr die Inflationsentwicklung nimmt laut Lagarde jedoch die Lohnentwicklung ein. Denn die Arbeitnehmer forderten eine Kompensation fĂŒr die steigenden Preise. Die Entwicklung der Löhne und GehĂ€lter hĂ€nge entscheidend von den Tarifverhandlungen ab.
Der Prozess rĂŒcklĂ€ufiger Inflationsraten dĂŒrfte sich zwar fortsetzen, erwartet die EZB-Chefin. Der geldpolitische Rat der Notenbank mĂŒsse fĂŒr KursĂ€nderungen aber zuversichtlich sein, dass das Inflationsziel der Notenbank von zwei Prozent nachhaltig erreicht werde.
Lagarde bekrĂ€ftigte damit ĂuĂerungen von der jĂŒngsten EZB-Zinssitzung Ende Januar. Wegen der sinkenden Inflation und der schwĂ€chelnden Wirtschaft fragen sich Analysten und Anleger, wann die EZB die geldpolitische Wende mit sinkenden Leitzinsen einleiten wird. Viele Fachleute sehen einen möglichen Zeitpunkt Mitte des Jahres. Die Notenbank selbst hat sich bisher nicht festgelegt.

