Ăkonomen-Stimmung zur EZB-Zinsentscheidung
12.09.2024 - 16:11:49Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagenzins sinkt um 0,25 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent, wie die Notenbank am Donnerstag mitteilte. Damit schreitet die EZB bei ihrer im Juni begonnenen Zinswende voran. Die Wirtschaft im Euroraum wird nach EinschÀtzung der EZB etwas schwÀcher wachsen als zuletzt erwartet.
EinschĂ€tzungen von Ăkonomen zu den geldpolitischen Entscheidungen im Ăberblick:
Michael Heise, Chefvolkswirt HQ Trust:
"Die heutige Zinssenkung ist der Lage angemessen. Es dĂŒrfte noch eine weitere bis zum Jahresende folgen. Der Zinspfad in 2025 wird jedoch nicht so deutlich nach unten gehen, wie es die FinanzmĂ€rkte derzeit erwarten."
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank
"Die EZB wird weiterhin datenabhĂ€ngig agieren und darauf verweisen, dass hierzu auch die Analysen der EZB-Volkswirte gehören. Die neuen Projektionen des volkswirtschaftlichen Stabes liegen im Dezember vor. Dies dĂŒrfte dann auch der Zeitpunkt fĂŒr die nĂ€chste Zinssenkung sein. Die Ampeln fĂŒr Zinssenkungen in höherer Frequenz stehen noch nicht auf grĂŒn, denn hierfĂŒr ist der Preisdruck im Dienstleistungssektor noch zu hoch."
Carsten Brzeski, Chefvolkswirt ING Bank
"Wir erwarten, dass die EZB das Tempo weiterer Zinssenkungen erhöhen wird. Nicht in diesem Jahr, sondern im nÀchsten Jahr. Warum nicht in diesem Jahr? Weil derzeit die deutschen Lohnverhandlungen und steigenden Verkaufspreiserwartungen noch immer auf eine gewisse InflationszÀhigkeit hinweisen."
Jens-Oliver Niklasch, Analyst Landesbank Baden-WĂŒrttemberg:
"Was den weiteren Ausblick angeht, blieb die EZB heute vage. Auch die Projektionen geben keinen wirklichen Hinweis. Die Risiken fĂŒr die Inflationsprojektion dĂŒrften in etwa ausgeglichen sein. Das spricht insgesamt fĂŒr ein langsames Vorgehen der EZB. Sie könnte auch einmal eine lĂ€ngere Pause einlegen, falls die Inflationsrisiken wieder aufflackern."
Ulrich Wortberg, Analyst Landesbank Hessen-ThĂŒringen
"Letztlich will man sich aber nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad festlegen und die Entscheidungen sind datenabhĂ€ngig. Darauf dĂŒrfte EZB-Chefin Lagarde auf der Pressekonferenz hinweisen. Man hĂ€lt sich alle Optionen offen, wobei die TĂŒr fĂŒr einen weiteren Schritt wohl geöffnet bleibt. Wir rechnen im Dezember damit."
Maximilian Kunkel, Anlagestratege bei der UBS
"Die heutige ZinskĂŒrzung war wenig ĂŒberraschend. AuffĂ€llig aber ist, dass die EZB trotz der erwarteten weiter fallenden Inflation mit Blick auf kĂŒnftige Zinssenkungen nicht deutlicher geworden ist. Fehlende zusĂ€tzliche Impulse fĂŒr die Zinsfantasien in der Eurozone gepaart mit einer sich abkĂŒhlenden Wirtschaft in den USA sollten den Euro in den nĂ€chsten Monaten gegenĂŒber dem US-Dollar stĂŒtzen."
Jan Viebig, Anlagestratege bei ODDO BHF
"Die Inflation ist noch nicht endgĂŒltig besiegt. Vor allem im Dienstleistungssektor sind die Preissteigerungen nach wie vor zu hoch. Die Geldpolitik sollte deshalb weiterhin wachsam sein und die Leitzinsen nicht zu rasch weiter senken. Es kann nicht Aufgabe der Geldpolitik sein, die strukturellen Fehlentwicklungen in der europĂ€ischen Wirtschaftspolitik zu beheben. Eine geldpolitisch induzierte Konjunkturbelebung birgt das Risiko, die grundlegenden Probleme in der europĂ€ischen Wirtschaft zu ĂŒberdecken, ohne sie zu lösen."
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