Zinsentscheidung, EuropÀischen

Ökonomen-Stimmen zur Zinsentscheidung der EuropĂ€ischen Zentralbank

14.12.2023 - 16:42:59

Die EuropÀische Zentralbank (EZB) lÀsst die Zinsen im Euroraum zum zweiten Mal in Folge unverÀndert.

Der Leitzins, zu dem sich Banken frisches Geld bei der Notenbank besorgen können, bleibt nach einer Entscheidung des EZB-Rates bei 4,5 Prozent, wie die WĂ€hrungshĂŒter am Donnerstag in Frankfurt mitteilten. Die Inflation im gemeinsamen WĂ€hrungsraum schwĂ€chte sich zuletzt ĂŒberraschend deutlich ab.

EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde stellte im Gegensatz zur US-Notenbank Fed keine Zinssenkungen in Aussicht: "Wir haben ĂŒberhaupt nicht ĂŒber Zinssenkungen diskutiert. Keine Diskussion, keine Debatte ĂŒber dieses Thema."

Zugleich beschlossen die WĂ€hrungshĂŒter, ihre AnleihebestĂ€nde aus dem in der Corona-Pandemie aufgelegten Kaufprogramm PEPP in der zweiten JahreshĂ€lfte schrittweise abzubauen. Zum Jahresende 2024 sollen dann gar keine Gelder aus auslaufenden Wertpapieren des Kaufprogramms mehr in den Erwerb neuer Wertpapiere gesteckt werden.

Die Aussagen der Ökonomen im Überblick:

Jörg KrÀmer, Chefvolkswirt der Commerzbank

"Auf der heutigen Pressekonferenz hat EZB-PrĂ€sidentin Lagarde die ausgeprĂ€gten Zinssenkungserwartungen zu dĂ€mpfen versucht. Allerdings hat sie sich in der Summe optimistischer zum Inflationsausblick geĂ€ußert. Wir Ă€ndern unsere EZB-Prognose, ziehen den Zeitpunkt der ersten Zinssenkung auf Mitte 2024 vor und erwarten bis FrĂŒhjahr 2025 nun insgesamt vier statt zwei Zinssenkungen. Wir rechnen weiterhin mit deutlich weniger Zinsschritten als die TerminmĂ€rkte, weil wir das Inflationsproblem grundsĂ€tzlich fĂŒr nicht gelöst betrachten."

Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank

"Die TĂŒr fĂŒr Zinssenkungen wird sich im kommenden Jahr sperrangelweit öffnen. Die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der Eurozone ist schwach und wird auch schwach bleiben, gleichzeitig werden die Inflationsraten weiter fallen. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass die EZB rasch die geldpolitischen ZĂŒgel lockern wird. Es ist vielmehr wahrscheinlich, dass die europĂ€ischen WĂ€hrungshĂŒter noch bis zur Jahresmitte mit einer geldpolitischen Lockerung warten - dann aber dafĂŒr deutlich lockern werden. Wir rechnen mit Zinssenkungen im Umfang von 150 Basispunkten im kommenden Jahr."

Ulrich Wortberg, Analyst Landesbank Hessen-ThĂŒringen (Helaba)

"Unserer EinschĂ€tzung nach gibt es aber kaum noch Spielraum fĂŒr höhere Leitzinsen, denn die Inflation kommt im Trend zurĂŒck und die Konjunktur lĂ€uft nicht rund. In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass die Inflationsprognose fĂŒr 2024 auf 2,7 Prozent gesenkt wurde. Die Wachstumsprognose wurde ebenfalls ermĂ€ĂŸigt auf 0,8 Prozent in 2024."

Elmar Völker, Analyst der Landesbank Baden-WĂŒrttemberg

"Die EZB liefert eine zweigeteilte Botschaft. Einerseits verabschiedet sie sich faktisch von der Zinsanhebungsphase, wie dies die Fed bereits gestern getan hat. Andererseits beschleunigt sie das Abschmelzen der AnleihebestĂ€nde ab der Mitte nĂ€chsten Jahres. (...) Die Absenkung der Inflationsprojektion fĂŒr das kommende Jahr und eine Prognose leicht unter Zielwert fĂŒr das Jahr 2026 öffnen derweil ein StĂŒck weit die TĂŒr fĂŒr erste Lockerungen an der Zinsschraube im kommenden Jahr. Das KommuniquĂ© der EZB liefert indes keine Hinweise darauf, dass man in Frankfurt die Wende bereits im ersten Quartal einzuleiten gedenkt, wie dies die Notierungen am Euro-Zinsmarkt in den vergangenen Tagen verstĂ€rkt nahegelegt haben."

Michael Holstein, Chefvolkswirt der DZ Bank

"Wie im Vorfeld erwartet, hĂ€lt die EZB die FĂŒĂŸe still und Ă€ndert nichts an den Zinsen. Die Notenbank hat aber angekĂŒndigt, die PEPP-Reinvestitionen schon ab Mitte kommenden Jahres auslaufen zu lassen. Damit dĂŒrfte sie eine erste Zinssenkung im zweiten Halbjahr 2024 vorbereiten. Das ist spĂ€ter als von vielen Marktteilnehmern erwartet. Insbesondere nach der gestrigen Fed-Sitzung, die taubenhaft war und fĂŒr viel Optimismus an den FinanzmĂ€rkten gesorgt hat, möchte die EZB wohl ein bisschen Wasser in den Wein gießen. Das ist zu begrĂŒĂŸen. Lockert die Notenbank die Zinsschraube zu schnell, könnte sie negativ von der Inflation ĂŒberrascht werden."

Johannes Mayr, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Eyb & Wallwitz

"Auf ihrer Dezember-Sitzung hat die EZB - anders als die Fed - die TĂŒr fĂŒr Leitzinssenkungen nicht aufgemacht. Der Zinsgipfel sei zwar erreicht, auch weil die Prognosen fĂŒr Konjunktur und Inflation weiter gesenkt wurden. Mit dem Verweis auf einen nach wie vor zu hohen Lohnkostendruck sowie die Notwendigkeit von anhaltend straffen Finanzierungskonditionen am Markt hat sie aber gleichzeitig deutliche Zeichen gegen rasche und umfangreiche Zinssenkungen gesetzt. Schwache Konjunkturdaten dĂŒrften diese Entschlossenheit in den kommenden Monaten allerdings einem Test unterziehen."

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