EZB senkt Zinsen im Euroraum
12.09.2024 - 14:35:29Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagenzins, den Banken erhalten, wenn sie ĂŒberschĂŒssiges Geld bei der Notenbank parken, sinkt um 0,25 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. Das teilt die Notenbank in Frankfurt mit. JĂŒngste Inflationsdaten seien im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Damit schreitet die EZB bei ihrer im Juni begonnenen Zinswende voran. Ăkonomen hatten dies im Schnitt erwartet.
Die WĂ€hrungshĂŒter versprechen sich von einer Zinssenkung positive Wachstumsimpulse. Unternehmen und Privathaushalte können bei gĂŒnstigeren Krediten leichter investieren und konsumieren. Umgekehrt mĂŒssen sich Sparer auf fallende Zinsen bei ihrer Bank und geringere Renditen etwa bei Lebensversicherungen einstellen.
EZB begrenzt Korridor zwischen Leitzinsen
Zudem setzt die EZB eine technische Neuerung um: Sie fĂŒhrt den Einlagenzins nĂ€her an den Zins heran, mit dem sich Banken frisches Geld bei der Notenbank besorgen können ("Hauptrefinanzierungssatz"). Dieser war frĂŒher als wichtigster Leitzins bekannt.
Die Notenbank hatte im MÀrz beschlossen, den Abstand zwischen den beiden ZinssÀtzen ab 18. September von 0,5 auf 0,15 Prozentpunkte zu begrenzen. Der Hauptrefinanzierungssatz sinkt daher noch stÀrker um 0,6 Prozentpunkte auf 3,65 Prozent, wie die EZB weiter mitteilte.
Der engere Zinskorridor soll Schwankungen bei den kurzfristigen Zinsen verringern und mehr Planbarkeit fĂŒr Banken schaffen. FĂŒr Privatkunden dĂŒrfte der Schritt kaum Auswirkungen haben, da sich GeldhĂ€user ohnehin am Einlagenzins orientieren.
Erfolge im Kampf gegen die Inflation
Volkswirte hatten mit der Entscheidung der EZB gerechnet, denn zuletzt hatte sich die Inflation in der Eurozone dem EZB-Ziel von mittelfristig zwei Prozent genÀhert: Im August fiel die Teuerungsrate auf 2,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum - der niedrigste Stand seit Sommer 2021. In Deutschland sank die Inflation besonders deutlich auf 1,9 Prozent.
Die EZB hatte im Juni die Zinswende eingeleitet und erstmals seit der Inflationswelle die Leitzinsen gesenkt. Zuvor hatte die Notenbank zehnmal in Folge die Zinsen nach oben geschraubt, um die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hochgeschossene Teuerung in den Griff zu bekommen. Ihren Höchststand hatte die Inflation in der Eurozone im Oktober 2022 bei mehr als zehn Prozent erreicht.
Warnungen vor zu schneller Lockerung
Jedoch hĂ€lt sich die von Ăkonomen viel beachtete Kerninflation ohne schwankungsanfĂ€llige Preise fĂŒr Energie und Nahrungsmittel zĂ€h: Sie sank im August nur um 0,1 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent. Die Bundesbank etwa warnt vor einer allzu schnellen Lockerung der EZB-Geldpolitik. "Noch sind wir nicht am Ziel", mahnte PrĂ€sident Joachim Nagel kĂŒrzlich.
Die EZB sieht PreisstabilitÀt bei einer Inflationsrate von zwei Prozent in der Eurozone gewahrt. Eine höhere Teuerung schmÀlert die Kaufkraft von Verbrauchern. Zugleich will die Notenbank geringere Raten oder gar sinkende Verbraucherpreise (Deflation) vermeiden: Sie bergen die Gefahr, dass Firmen wie Konsumenten Anschaffungen verschieben, da sie noch niedrigere Preise erwarten.

