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EZB senkt erneut Zinsen im Euroraum - fallende Inflation

17.10.2024 - 14:37:55

Die EuropÀische Zentralbank (EZB) senkt erneut die Leitzinsen im Euroraum.

Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagenzins, den Banken fĂŒr bei der Notenbank geparktes Geld erhalten, fĂ€llt um 0,25 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent. Damit reagiert die Notenbank auf die abflauende Inflation im Euroraum.

Der Zinssatz, zu dem sich Banken Geld bei der Notenbank besorgen können, sinkt ebenfalls um 0,25 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent, wie die EZB nach einer auswĂ€rtigen Sitzung in Slowenien mitteilte. Es ist das dritte Mal, dass die Notenbank in diesem Jahr die Zinsen senkt. Hinweise auf weitere Zinsschritte im Jahresverlauf vermied die EZB. Man werde weiter datenabhĂ€ngig entscheiden, hieß es.

Kredite etwa fĂŒr den Hausbau könnten gĂŒnstiger werden

Sinkende Leitzinsen stĂŒtzen zeitverzögert die Konjunktur und sind daher eine gute Nachricht fĂŒr die schwache deutsche Wirtschaft. Unternehmen können bei gĂŒnstigeren Krediten leichter investieren und Verbraucher sich billiger verschulden - etwa beim Hausbau. Sparer hingegen mĂŒssen mit niedrigeren Zinsen bei ihrer Bank rechnen und geringere Renditen etwa bei Lebensversicherungen in Kauf nehmen.

Mit der Zinssenkung habe die EZB den Konjunktursorgen im Euroraum stĂ€rker Rechnung getragen, sagte Heiner Herkenhoff, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bankenverbandes. Er warnte umgehend vor Illusionen: "Leitzinssenkungen werden die hartnĂ€ckige, weil strukturelle WachstumsschwĂ€che nicht beseitigen. Stattdessen braucht gerade Deutschland entschlossene wirtschaftspolitische Weichenstellungen", sagte Herkenhoff.

Erfolge im Kampf gegen die Inflation

Ökonomen hatten die Zinssenkung der EZB erwartet, denn die Inflation im Euroraum sinkt: Im September fiel die Teuerungsrate dem Statistikamt Eurostat zufolge auf 1,7 Prozent. Das war noch weniger als in einer ersten SchĂ€tzung errechnet und deutlich niedriger als im August (2,2 Prozent). Die Inflation lag damit erstmals seit Mitte 2021 unter der Zielmarke von zwei Prozent, die die EZB mittelfristig im Euroraum anstrebt. Vor allem billigere Energie drĂŒckte die Teuerungsrate und sorgte auch in Deutschland fĂŒr einen deutlichen RĂŒckgang der Inflation.

Zugleich macht die schwache Konjunktur in der Eurozone der EZB Sorgen. Sie erwartet nur ein Mini-Wachstum von 0,8 Prozent im laufenden Jahr - etwas weniger als im Sommer vorhergesagt. Dabei wirkt die schwache Wirtschaft in Deutschland wie ein Bremsklotz. Erst in den Folgejahren soll sich die Konjunktur im WĂ€hrungsraum erholen, so die Notenbank.

"Wir können die WachstumsabschwĂ€chung nicht ignorieren", hatte EZB-Direktorin Isabel Schnabel jĂŒngst gesagt. Ein nachhaltiger RĂŒckgang der Inflation zum Ziel von zwei Prozent werde "in angemessener Zeit wahrscheinlicher". Auch Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel, der sonst eher fĂŒr einen vorsichtigen Kurs der EZB plĂ€dierte, hatte sich zuletzt offen fĂŒr Diskussionen ĂŒber eine Zinssenkung gezeigt.

Restrisiken bleiben

Trotz der Fortschritte im Kampf gegen die Inflation sehen Ökonomen die EZB noch nicht am Ziel: Denn die Kerninflation ohne schwankungsanfĂ€llige Preise fĂŒr Energie und Nahrungsmittel hĂ€lt sich im Euroraum zĂ€h. Sie sank im September nur leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 2,7 Prozent. Die EZB erwartet zudem, dass die Inflation zum Jahresende wieder etwas anzieht.

Die Notenbank hatte im Juni die Zinswende eingeleitet und erstmals seit der Inflationswelle die Leitzinsen gesenkt. Im September wurde der Einlagenzins erneut nach unten gesetzt. Zuvor hatte die EZB seit Juli 2022 zehnmal in Folge die Zinsen erhöht, um die im Zuge des Ukraine-Kriegs hochgeschossene Inflation in den Griff zu bekommen. Ihren Höchststand hatte die Inflation in der Eurozone im Oktober 2022 bei mehr als zehn Prozent erreicht.

@ dpa.de