ROUNDUP, EZB

EZB hÀlt Zinsen im Euroraum konstant

18.07.2024 - 14:38:05

Die EuropÀische Zentralbank lÀsst die Zinsen im Euroraum trotz der zuletzt gesunkenen Inflation unverÀndert.

Damit verzichtet die EZB nach ihrer jĂŒngsten Zinssenkung im Juni zunĂ€chst darauf, ihre Geldpolitik weiter zu lockern.

Der Leitzins, zu dem sich Banken Geld bei der Notenbank besorgen können, liegt weiter bei 4,25 Prozent. Das entschied der EZB-Rat in Frankfurt. Der Einlagenzins, den Banken fĂŒr bei der Notenbank geparkte Gelder erhalten, betrĂ€gt unverĂ€ndert 3,75 Prozent. Man handele weiter datenabhĂ€ngig und entscheide von Sitzung zu Sitzung, so die Notenbank, die auf immer noch hohen Preisdruck verwies.

Hinsichtlich weiterer Zinssenkungen hatte sich EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde jĂŒngst zurĂŒckhaltend gezeigt. "Der starke Arbeitsmarkt bedeutet, dass wir uns Zeit nehmen können, um neue Informationen zu sammeln", sagte Lagarde beim EZB-Forum im portugiesischen Sintra mit Blick auf die Arbeitslosigkeit im Euroraum. Diese lag im Mai auf einem Rekordtief von 6,4 Prozent. Aber man mĂŒsse sich auch der Tatsache bewusst sein, dass die Wachstumsaussichten unsicher blieben. Im ersten Quartal hatte die Wirtschaft in der Eurozone nur leicht um 0,3 Prozent gegenĂŒber dem Vorquartal zugelegt.

Auch die Bundesbank hatte sich fĂŒr einen vorsichtigen Kurs ausgesprochen. "Zinssenkungen machen wir nicht per Autopilot", hatte Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel kĂŒrzlich dem "Tagesspiegel" gesagt.

EZB hat bei Zinswende keine Eile

Um die nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine auf Rekordhöhe gestiegene Inflation in den Griff zu bekommen, hatte die EZB seit Juli 2022 zehnmal in Folge die Zinsen nach oben geschraubt, ehe sie eine Pause einlegte. Im Juni senkte die EZB dann erstmals seit der Inflationswelle die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte.

Die Notenbank muss mit ihrer Geldpolitik einen Spagat bewĂ€ltigen. Hohe Zinsen machen Kredite teuer. Das kann die gesamtwirtschaftliche Nachfrage bremsen und hohen Inflationsraten entgegenwirken. Teurere Finanzierungen sind zugleich eine Last fĂŒr die Wirtschaft und Privatleute, die sich Geld leihen wollen - etwa Hausbauer. Senkt die EZB die Zinsen wiederum zu schnell, lĂ€uft sie Gefahr, dass die Inflation wieder anzieht.

Inflation hÀlt sich hartnÀckig

Zuletzt hatte sich die Inflation im Euroraum abgeschwĂ€cht. Die Teuerungsrate fiel im Juni auf 2,5 Prozent, nachdem sie im Mai auf 2,6 Prozent gestiegen war. Die Inflation nĂ€hert sich damit langsam dem Ziel der EZB, die mittelfristig eine jĂ€hrliche Rate von zwei Prozent anstrebt. Bei diesem Wert sehen die WĂ€hrungshĂŒter PreisstabilitĂ€t gewahrt. Höhere Teuerungsraten schmĂ€lern die Kaufkraft von Verbrauchern - sie können sich dann fĂŒr einen Euro weniger leisten. Angesichts der schwĂ€chelnden Konjunktur und sinkender Inflation gibt es immer wieder Forderungen, die EZB solle die Leitzinsen senken.

Doch der RĂŒckgang der Inflation im Euroraum ist zĂ€h. Sorge bereitet Ökonomen auch, dass die Teuerungsrate ohne die schwankungsanfĂ€lligen Preise fĂŒr Energie und Nahrungsmitteln im Juni bei 2,9 Prozent stagnierte. Diese "Kerninflation" beschreibt den Preistrend nach Ansicht von Ökonomen zuverlĂ€ssiger als die Gesamtrate. Einige Volkswirte rechnen im September mit einer nĂ€chsten Zinssenkung. Dann entscheidet die EZB erneut ĂŒber die Leitzinsen.

@ dpa.de