ROUNDUP, Ukraine-Verhandlungsstart

EU begleitet Ukraine-Verhandlungsstart mit Sanktionsdrohung

16.05.2025 - 14:36:47 | dpa.de

Die europÀischen Partner der Ukraine haben den Beginn der FriedensgesprÀche in Istanbul mit lautstarken neuen Sanktionsdrohungen gegen Russland begleitet.

Bei einem Treffen europĂ€ischer Staats- und Regierungschefs in der albanischen Hauptstadt Tirana kĂŒndigte EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen einen Vorschlag fĂŒr ein neues Paket mit Strafmaßnahmen an. Großbritanniens Regierungschef Keir Starmer erklĂ€rte, sollte es keine Waffenruhe geben, werde man bei Sanktionen gemeinsam handeln.

Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj forderte von den Partnern Entschlossenheit. Wenn sich herausstellen sollte, dass Russland mit seiner Delegation nur eine Inszenierung auffĂŒhre und keine Ergebnisse liefern könne, mĂŒsse die Welt reagieren. "Es braucht eine starke Antwort, einschließlich Sanktionen gegen Russlands Energiesektor und Banken", sagte er. "Der Druck muss weiter steigen, bis echte Fortschritte erzielt werden."

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte, er hoffe darauf, dass man auch die amerikanische Seite gewinnen könne, an der Seite der EuropĂ€er zu Lösungen fĂŒr ein Ende des russischen Kriegs gegen die Ukraine beizutragen.

Nord Stream im Visier

Wie von der Leyen mitteilte, soll das neue EU-Paket unter anderem die Wiederaufnahme des Betriebs der Nord-Stream-Gaspipelines verhindern. Zudem sind eine Senkung des Preisdeckels fĂŒr russisches Öl sowie weitere Sanktionen gegen den russischen Finanzsektor und gegen Schiffe der russischen Schattenflotte geplant.

Die Ölpreisobergrenze war bereits 2022 verabredet worden und soll Russland dazu zwingen, Erdöl fĂŒr höchstens 60 Dollar pro Barrel (159 Liter) an Abnehmer in anderen Staaten zu verkaufen. Die Maßnahme zielt darauf ab, eine der wichtigsten russischen Einnahmequellen zu schmĂ€lern und so auch die FĂ€higkeit des Landes, den Angriffskrieg gegen die Ukraine fortzusetzen.

Die möglichen Sanktionen gegen Nord Stream sollen nach Angaben der EU-Kommission vor allem Investoren davor abschrecken, auf eine erneute Nutzung nach einem möglichen Friedensdeal zu setzen. Operativ hĂ€tten sie derzeit keine Konsequenzen, da durch die Röhren in der Ostsee derzeit ohnehin kein Gas nach Europa fließt. Eine der zwei Röhren von Nord Stream 2 wurde bei einem Anschlag im September 2022 zerstört, ebenso wie die StrĂ€nge der frĂŒher bereits genutzten Nord-Stream-1-Pipeline.

Von der Leyen: Putin will keinen Frieden

Von der Leyen erklĂ€rte die Vorbereitung des neuen Sanktionspakets damit, dass Russland den Aufruf der EU und der USA zu einer vollstĂ€ndigen und bedingungslosen Waffenruhe fĂŒr 30 Tage abgelehnt habe. Zudem sei PrĂ€sident Wladimir Putin auch nicht zu den Verhandlungen mit Selenskyj in die TĂŒrkei gereist, die der Kremlchef selbst angeboten hatte. "PrĂ€sident Selenskyj war bereit fĂŒr das Treffen - PrĂ€sident Putin erschien nie", sagte von der Leyen. Dies zeige die wahre Ansicht Putins: Dieser wolle keinen Frieden.

Die neuen Planungen haben nichts zu tun mit dem bereits ausgehandelten 17. EU-Paket mit Russland-Sanktionen. Dieses soll am kommenden Dienstag bei einem Außenministertreffen in BrĂŒssel formell beschlossen werden. Es sieht unter anderem eine weitere VerschĂ€rfung des Vorgehens gegen die sogenannte russische Schattenflotte fĂŒr den Transport von Öl und Ölprodukten vor. Zudem ist geplant, Dutzende weitere Unternehmen ins Visier zu nehmen, die an der Umgehung bestehender Sanktionen beteiligt sind oder die russische RĂŒstungsindustrie unterstĂŒtzen.

Die GesprÀche zwischen der Ukraine und Russland in Istanbul sind die ersten direkten der Kriegsparteien seit 2022. Putin reiste allerdings nicht an, obwohl Selenskyj sich zu einem Treffen bereiterklÀrt hatte.

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