Fed lÀsst Leitzins auf hohem Niveau
01.05.2024 - 21:20:47Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) belÀsst den Leitzins angesichts der hartnÀckig hohen Inflation zum sechsten Mal in Folge unverÀndert auf hohem Niveau. Eine baldige Zinssenkung stellte sie nicht in Aussicht.
Der Leitzins liegt nun weiterhin in der Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent - das höchste Niveau seit mehr als 20 Jahren. Zu diesem Satz können sich GeschĂ€ftsbanken Zentralbankgeld leihen. «Die Inflation ist immer noch zu hoch», sagte Fed-Chef Jerome Powell. Es könne «lĂ€nger als bisher angenommen» dauern, bis die Fed mehr Zuversicht gewinne, dass die hohe Inflation wirklich auf dem RĂŒckzug sei.Â
Die Notenbank der gröĂten Volkswirtschaft der Welt hat seit MĂ€rz 2022 ihren Leitzins im Kampf gegen die Inflation im rekordverdĂ€chtigen Tempo um mehr als fĂŒnf Prozentpunkte angehoben. Zuletzt drehte sie allerdings nicht mehr an der Zinsschraube.
Der Preisauftrieb in den USA hat sich jĂŒngst allerdings wieder unerwartet beschleunigt. Deshalb haben einige Analysten nicht ausgeschlossen, dass die Fed die Zinsen sogar noch einmal anheben könnte. «Ich halte es fĂŒr unwahrscheinlich, dass der nĂ€chste Zinsschritt eine Anhebung sein wird», betonte Powell.Â
USA: Hohe Inflation hartnÀckig
Die hohe Inflation in den USA erweist sich als hartnÀckig. So stieg die Inflationsrate im MÀrz erneut stÀrker als erwartet. Die Verbraucherpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat nach Angaben des Arbeitsministeriums um 3,5 Prozent. Analysten hatten im Schnitt mit einer Rate von 3,4 Prozent gerechnet. Im Februar hatte sie noch bei 3,2 Prozent gelegen.
Die Fed strebt eine Inflationsrate von 2 Prozent an. In den vergangenen Monaten habe es keine weiteren Fortschritte in Richtung dieser Zielmarke gegeben, erklĂ€rte die Fed nun. Powell sagte, er sei zuversichtlich, dass die Inflationsrate in diesem Jahr sinken werde. Doch aufgrund der Daten sei diese Zuversicht etwas zurĂŒckgegangen.Â
Die Inflationsrate war seit den Zinserhöhungen deutlich zurĂŒckgegangen, die Preise steigen nun deutlich langsamer an. Die Rate war im Sommer 2022 mit mehr als 9 Prozent so hoch wie seit rund vier Jahrzehnten nicht mehr. Dennoch scheint das 2-Prozent-Ziel aktuell auĂer Reichweite.Â
Gute Wirtschaftsdaten
FĂŒr die Fed ist der Kampf gegen die hohen Verbraucherpreise ein Balanceakt. Sie dreht dabei an der Zinsschraube, um die Nachfrage auszubremsen. Steigen die Zinsen, mĂŒssen Privatleute und Wirtschaft mehr fĂŒr Kredite ausgeben - oder sie leihen sich weniger Geld. Das Wachstum nimmt ab, Unternehmen können höhere Preise nicht unbegrenzt weitergeben - und idealerweise sinkt die Inflationsrate. Bei zu hohen Zinsen besteht die Gefahr einer Rezession.
Die US-Wirtschaft ist allerdings trotz hoher Zinsen ĂŒberraschend stark. Die guten Wirtschaftsdaten setzen die Fed nicht gerade unter Druck, schnell an der Zinsschraube zu drehen. Gleichzeitig kĂŒndigte die Fed am Mittwoch an, ihre AnleihebestĂ€nde langsamer abzubauen.Â
Eigentlich hatte die US-Notenbank fĂŒr dieses Jahr drei Zinssenkungen von jeweils 0,25 Prozentpunkten prognostiziert. In einer im MĂ€rz veröffentlichten SchĂ€tzung ging die Fed fĂŒr 2024 von einem Leitzins von im Schnitt 4,6 Prozent aus. Nach der aktuellen Sitzung veröffentlichten die Notenbanker keine neue Prognose.
USA: WĂ€hler sind mit Wirtschaftspolitik unzufrieden
Diese kommt erst nach der nĂ€chsten Fed-Sitzung im Juni. Angesichts der hartnĂ€ckig hohen Inflation ist nun aber offen, ob es wirklich zu drei Zinssenkungen in diesem Jahr kommen wird. Analysten gehen davon aus, dass mit einer Zinssenkung frĂŒhestens im September zu rechnen ist. Einige von ihnen vermuten auĂerdem, dass es bei lediglich einer Zinssenkung in diesem Jahr bleiben könnte.Â
Auf die Frage, ob drei Zinssenkungen in diesem Jahr realistisch seien, reagierte Fed-Chef Powell ausweichend und sagte: «So denke ich nicht darĂŒber.» Wenn die Fed ausreichend Zuversicht in die Daten habe, werde sie die Zinsen senken. Es sei aber unklar, wie lange das dauern werde.Â
Auch US-PrĂ€sident Joe Biden dĂŒrfte im Wahljahr aufmerksam das Vorgehen der Fed verfolgen. Umfragen zeigen, dass die WĂ€hlerinnen und WĂ€hler mit seiner Wirtschaftspolitik unzufrieden sind. Zentraler Grund dafĂŒr sind die hohen Verbraucherpreise. Aber auch die dauerhaft hohen Zinsen sind ein Problem fĂŒr den Demokraten. Denn fĂŒr die Menschen im Land verteuern sich dadurch Hypotheken, Kreditkartenschulden oder Studienkredite. Bei der PrĂ€sidentenwahl im November liefert sich der Demokrat aller Voraussicht nach ein Duell mit dem republikanischen Ex-PrĂ€sidenten Donald Trump.


