Bauern, GeschÀftslage

Bauern wieder in schwierigerer GeschÀftslage

21.05.2024 - 17:04:55

Die finanzielle Situation vieler Höfe hatte sich zuletzt deutlich stabilisiert. Ist diese Phase fĂŒr die Landwirtschaft schon wieder vorbei?

Die GeschĂ€fte der Landwirte trĂŒben sich nach zuletzt guten Gewinnen ein. «Unsere Betriebe sind wieder in ein wirtschaftlich schwierigeres Fahrwasser geraten», sagte BauernprĂ€sident Joachim Rukwied.

FĂŒr das bis Ende Juni laufende aktuelle Wirtschaftsjahr 2023/24 mĂŒsse mit einem Gewinneinbruch zwischen 30 und 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gerechnet werden - damals waren die Ergebnisse dank höherer Preise deutlich gestiegen. Bundesagrarminister Cem Özdemir (GrĂŒne) rechnet nun wegen sinkender Preise ebenfalls mit geringeren Einkommen und will der Branche weiterhin stabilere Bedingungen verschaffen.

Im vorigen Wirtschaftsjahr 2022/23 waren die Unternehmensergebnisse auf ein Rekordniveau gestiegen. Nach amtlichen Daten, die Özdemir in Berlin vorstellte, stieg der durchschnittliche Gewinn auf 113.900 Euro und lag damit um 39 Prozent ĂŒber dem Vorjahreswert. Hintergrund war laut Ministerium vor allem ein krĂ€ftiger Preisanstieg bei fast allen Erzeugnissen, der sich infolge von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine noch beschleunigte. Dadurch hĂ€tten die meisten Höfe erhebliche KostensprĂŒnge bei Energie, Futter und DĂŒnger mehr als wettmachen können.

Eine «Achterbahnfahrt»

Der Bauernverband hatte nach eigenen Daten fĂŒr das vergangene Wirtschaftsjahr bereits einen durchschnittlichen Gewinn von 115.400 Euro ermittelt. Davon sind aber unter anderem noch Investitionen zu bezahlen. Generell mĂŒssen die Höfe mit teils starken Schwankungen etwa wegen des Wetters oder der Entwicklung der Preise umgehen, die lĂ€ngst maßgeblich von internationalen MĂ€rkten bestimmt sind.

Rukwied sagte, die Erzeugerpreise bei den meisten wichtigen pflanzlichen und tierischen Produkten seien nun deutlich niedriger. Özdemir erlĂ€uterte, fĂŒr die Betriebe seien die Schwankungen wie eine «Achterbahnfahrt». Dass viele Höfe zuletzt zum zweiten Mal starke Betriebsergebnisse einfahren konnten, sei eine gute Nachricht. «Wir dĂŒrfen uns aber nicht in falscher Sicherheit wiegen.» FĂŒr die Politik gehe es daher um VerlĂ€sslichkeit und Planbarkeit fĂŒr die harte Arbeit der Landwirte.

Bauernproteste zu Jahresbeginn

Nach bundesweiten Bauernprotesten wegen der Streichung von Agrardiesel-VergĂŒnstigungen zu Jahresbeginn hat die Ampel-Koalition der Branche andere Entlastungen zugesichert - unter anderem Erleichterungen bei bĂŒrokratischen Auflagen und bei Steuerregelungen, die vor dem Sommer umgesetzt werden sollen. Özdemir bekrĂ€ftigte, dass fĂŒr einen Umbau der Tierhaltung zu höheren Standards eine dauerhafte Finanzierung kommen soll, damit Höfe nicht auf den Mehrkosten dafĂŒr sitzen bleiben. Dies sei aus den gegenwĂ€rtigen Ladenpreisen nicht zu erlösen.

Der Minister warb erneut fĂŒr VorschlĂ€ge fĂŒr eine höhere Mehrwertsteuer oder einen Tierwohlcent auf tierische Produkte. Keiner der drei Koalitionspartner habe dies auf der Spitzenebene klar vom Tisch genommen, die GesprĂ€che wĂŒrden weiter gefĂŒhrt. In der Koalition hatte vor allem die FDP EinwĂ€nde geltend gemacht. Özdemir sagte, der Weg der deutschen Landwirtschaft sei, «mit QualitĂ€t am Markt den Unterschied zu machen.» FĂŒr bessere Bedingungen in den StĂ€llen hat die Bundesregierung vorerst eine Milliarde Euro reserviert, die aber nur fĂŒr Schweinehalter vorgesehen ist.

@ dpa.de