Ukrainer reagieren skeptisch auf Trumps Deal mit Putin
19.03.2025 - 06:35:05Aus Washington, Moskau und Kiew gab es unterschiedliche Interpretationen zum Inhalt der Abmachung und ihren Erfolgsaussichten. Sicher ist nur, dass es nicht zu der von Trump angestrebten Einigung auf eine vollstÀndige Waffenruhe von 30 Tagen kam - und in der Ukraine auch in der Nacht zu Mittwoch wieder Luftalarm herrschte.
Eigentlich sollen Russland und die Ukraine gemÀà dem von Washington und Moskau verkĂŒndeten Deal einen Monat lang keine Energieanlagen im gegnerischen Land mehr beschieĂen. Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj sagte dazu, sein Land unterstĂŒtze die Idee, brauche aber noch Informationen, worauf genau sich Trump und Putin geeinigt hĂ€tten.
"Viele Elemente eines Friedensvertrags erörtert"
Der US-PrĂ€sident hatte nach dem angeblich "sehr guten und produktiven" GesprĂ€ch mitgeteilt, man habe sich auf eine sofortige Waffenruhe mit Blick auf die Energieinfrastruktur der Ukraine geeinigt - "mit der Ăbereinkunft, dass wir schnell auf eine vollstĂ€ndige Waffenruhe und letztlich auf ein Ende dieses schrecklichen Krieges zwischen Russland und der Ukraine hinarbeiten werden". Mit dem Kremlchef habe er "viele Elemente eines Friedensvertrags erörtert". Putin wie Selenskyj wollten ein Ende des Krieges, sagte Trump. "Dieser Prozess ist nun in vollem Gange, und wir werden ihn hoffentlich zum Wohle der Menschheit zu Ende fĂŒhren."
Selenskyj Ă€uĂerte sich skeptischer zum angeblichen Friedenswillen Moskaus. Es dĂŒrfe nicht passieren, dass Russlands MilitĂ€r ukrainische Energieanlagen beschieĂe "und wir schweigen", sagte er ukrainischen Medien wĂ€hrend eines Besuchs in Finnland. "Wir werden antworten", zitierte ihn der Sender Suspilne. Selenskyj zĂ€hlt demnach auf ein baldiges GesprĂ€ch mit Trump.
Weitere Verhandlungen in Saudi-Arabien angekĂŒndigt
Als NĂ€chstes soll es nun am Sonntag in Saudi-Arabien weitere Verhandlungen ĂŒber ein Ende des russischen Angriffskriegs geben, wie Trumps Sondergesandter Steve Witkoff im US-Fernsehen ankĂŒndigte. Wer genau daran beteiligt sein wird, lieĂ er offen. Es gebe noch einige Details auszuhandeln, sagte Witkoff dem Sender Fox News.
Zuletzt hatten in Dschidda bereits Vertreter der USA und der Ukraine ĂŒber ein Ende des russischen Angriffskriegs beraten. FĂŒr die Ukraine zĂ€hlt vor allem, dass die PrĂ€sidenten der AtomgroĂmĂ€chte keine fĂŒr sie nachteiligen Festlegungen treffen. Selenskyj kritisierte daher, dass Putin und Trump ohne Beteiligung der Ukraine ĂŒber deren Angelegenheiten verhandelten.
Verlangt Putin einen Hilfsstopp oder nicht?
In einer Sendung auf Fox News antwortete Trump auf die Frage der Moderatorin, ob Putin in dem Telefonat einen sofortigen Stopp sĂ€mtlicher Hilfen fĂŒr die Ukraine gefordert habe: "Nein, das hat er nicht. Wir haben nicht ĂŒber Hilfen gesprochen." Unklar blieb, auf welche Art von UnterstĂŒtzung er sich dabei bezog - ob es also um militĂ€rische, finanzielle oder humanitĂ€re Hilfe ging.
Der Kreml hatte nach dem Telefonat der beiden PrĂ€sidenten mitgeteilt, Putin habe in dem GesprĂ€ch eine Reihe von Forderungen der russischen Seite benannt. Unabdingbar sei etwa, dass der Westen keine weiteren Waffen und Geheimdienstinformationen mehr an die Ukraine liefere. AuĂerdem ist bekannt, dass Putin eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine und Soldaten der MilitĂ€rallianz im Nachbarland verhindern will.
Am ehesten haben die Konfliktparteien in den drei Kriegsjahren noch beim Austausch von Gefangenen zueinander gefunden. So bestĂ€tigte Selenskyj russische Angaben, wonach beide Seiten heute wieder je 175 Kriegsgefangene austauschen wollen. Russland erklĂ€rte sich auĂerdem bereit, 23 schwer verwundete ukrainische Soldaten in die Heimat zu entlassen.
Russische Drohnenangriffe in der Nacht
Dass von Frieden noch lange keine Rede sein kann, zeigte sich auch nach Trumps Telefonat mit Putin. Die russische Armee griff die Ukraine in der Nacht einmal mehr mit SchwÀrmen von Kampfdrohnen an. In der frontnahen Stadt Kupjansk im Gebiet Charkiw wurde laut Behördenangaben eine Frau getötet. Auch in der Hauptstadt Kiew gab es Luftalarm. Medien berichteten von Explosionen.
"Mit diesem nĂ€chtlichen Angriff zerstört Russland erneut unsere Energetik, unsere Infrastruktur, das normale Leben der Ukrainer", schrieb Selenskyj auf der Plattform X. "Die Tatsache, dass diese Nacht keine Ausnahme bildet, belegt, dass man auf Putin weiter Druck zum Frieden ausĂŒben muss."
Die US-Regierung mĂŒsse verstehen, dass Putin mit allen Mitteln versuche, die Ukraine unter Druck zu setzen, sagte Selenskyj. "Putin will mehrere Offensiven in Richtung Saporischschja, im Osten in Richtung Charkiw und Sumy durchfĂŒhren. Und warum? Um maximalen Druck auf die Ukraine auszuĂŒben und dann aus einer Position der StĂ€rke heraus ein Ultimatum zu stellen."
Attacken auf russische Ălanlagen zeigen Wirkung
Russland hat mit seinen Raketen- und Drohnenangriffen das ukrainische Energiesystem an vielen Stellen schwer beschĂ€digt. Trotzdem ist es auch im dritten Kriegswinter nicht zusammengebrochen. Die Ukraine wiederum bereitete zuletzt mit ihren immer wirksameren Attacken auf russische Ălraffinerien der Moskauer FĂŒhrung ein Problem.
Wohl deshalb lenke Putin genau an diesem Punkt ein, schrieb der deutsche Osteuropaexperte Janis Kluge im Netzwerk X. Ăber einen Stopp der Luftangriffe auf Energieanlagen hĂ€tten Russland und die Ukraine schon vor Trumps Wahlsieg im November verhandelt, gab der polnische Experte Daniel Szeligowski zu bedenken. Der US-PrĂ€sident habe also letztlich kein ZugestĂ€ndnis erreicht.

