USA, International

IWF erwartet Senkung seiner globalen Wachstumsprognose

09.04.2026 - 16:02:04 | dpa.de

Die Folgen des Iran-Krieges sind weltweit spürbar. Nun schraubt auch der Internationale Währungsfonds die Erwartungen an das Wirtschaftswachstum nach unten.

  • Der IWF rechnet mit einer Senkung der Wachstumsprognose. (Archivfoto) - Foto: Johannes Neudecker/dpa
  • Kaum etwas ging noch auf der Straße von Hormus. (Archivfoto) - Foto: Altaf Qadri/AP/dpa
Der IWF rechnet mit einer Senkung der Wachstumsprognose. (Archivfoto) - Foto: Johannes Neudecker/dpa Kaum etwas ging noch auf der Straße von Hormus. (Archivfoto) - Foto: Altaf Qadri/AP/dpa

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet angesichts des Iran-Krieges mit einer Senkung seiner Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft. Ohne Lieferunterbrechung etwa bei Öl und Gas hätte die Organisation ein stärkeres Wachstum vorhergesagt, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa laut Redemanuskript vor der Frühjahrstagung kommende Woche. «Doch nun beinhaltet selbst unser optimistischstes Szenario eine Wachstumskorrektur nach unten», hieß es. Am Dienstag veröffentlicht der IWF neue Konjunkturprognosen. Georgiewa warnte zudem vor Inflationsrisiken.

Für das laufende Jahr rechnete die Organisation mit Sitz in der US-Hauptstadt Washington bislang mit einem weltweiten Wachstum von 3,1 Prozent. Deutschland dürfte demnach um 0,9 Prozent zulegen, während im Oktober für die gesamte Eurozone ein Plus von 1,1 Prozent prognostiziert wurde.

«Selbst im besten Fall wird es keine saubere und reibungslose Rückkehr zur Vorkriegssituation geben», sagte Georgiewa. Das Wachstum werde langsamer ausfallen – «selbst wenn der neue Frieden von Dauer ist».

Auch andere haben bereits Prognosen gelockert

Bereits vergangene Woche hatten führende Forschungsinstitute in Deutschland ihre Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt 2026 deutlich nach unten geschraubt. Aufgrund der Folgen des Iran-Krieges mit stark gestiegenen Energiepreisen erwarten sie nur noch einen Zuwachs um 0,6 Prozent. Vor rund einem halben Jahr prognostizierten sie noch ein Wachstum von 1,3 Prozent.

Georgiewa verwies darauf, dass weiter ungewiss sei, ob die sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus dauerhaft gewährleistet werden kann. Als weiteres Beispiel nannte sie, dass der Schiffsverkehr durch die Meerenge Bab al-Mandab im Roten Meer weiterhin nur bei der Hälfte des Niveaus von 2023 liege. Die aus dem Jemen agierende Huthi-Miliz attackierte dort bereits in der Vergangenheit immer wieder Handelsschiffe, weshalb diese nun von internationalen Streitkräften eskortiert werden.

In den vergangenen Wochen hatte der Iran die Straße von Hormus blockiert und damit den Schiffsverkehr praktisch zum Erlegen gebracht. Die Meerenge ist für den globalen Öl- und Gashandel von enormer Bedeutung, auch andere wichtige Vorprodukte wie Düngemittel waren betroffen. Das ließ die Preise weltweit dramatisch steigen. Erst am Dienstag einigten sich der Iran und die USA auf eine zweiwöchige Waffenruhe und die Öffnung der Straße von Hormus.

IWF-Chefin: Iran-Krieg wird Inflation kurzfristig antreiben

Die IWF-Chefin verwies zudem auf kurzfristige Risiken für ein Hochschnellen der Inflation infolge des Krieges. So seien die Erwartungen an die Teuerungsrate in den USA und in der Eurozone bereits deutlich gestiegen. «Glücklicherweise haben sich die längerfristigen Erwartungen nicht verändert – das ist sehr gut und sehr wichtig», sagte Georgiewa.

Zentralbanken wie die Federal Reserve oder die EZB sieht Georgiewa bislang nicht in Zugzwang. «Derzeit ist es sinnvoll, abzuwarten und die Lage zu beobachten», hieß es weiter. Zentralbanken haben unter anderem im Fokus, die Inflation stabil zu halten. Steigt diese, können die Banken mit Zinserhöhungen diese bremsen – das allerdings kann die Wirtschaftsleistung abwürgen.

Georgiewa sieht milliardenschweren Bedarf an Notfallkrediten

Mit Blick auf die Stabilisierung der Wirtschaft sagte Georgiewa, dass kurzfristig zwischen 20 und 50 Milliarden US-Dollar an Notfallkrediten notwendig seien. Dabei dürfte die tatsächlich benötigte Summe eher am unteren Ende liegen, sofern die derzeitige Waffenruhe anhalte, hieß es. Georgiewa betonte, dass der IWF diesen Bedarf problemlos decken könne. Die Organisation kann mit solchen Krediten dafür Sorge tragen, dass Länder bei Notlagen zahlungsfähig bleiben.

Der IWF und die Weltbank beginnen am kommenden Montag ihre Frühlingstagung, bei der Finanzminister, Vertreter der Finanzwirtschaft und der Entwicklungszusammenarbeit sowie Zentralbanker zusammenkommen.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69112648 |

Weitere Meldungen

Als einziger Deutscher: Zwayer pfeift bei der Fußball-WM. Entsprechend sind mehr Unparteiische dabei. Auch Deutschland ist vertreten. Zudem sind sechs Frauen dabei. Bei der WM gibt es so viele Spiele wie noch nie. (Sport, 09.04.2026 - 18:21) weiterlesen...

Trump ermahnt Nato-Verbündete: «Erinnert euch an Grönland». Nun legt er nach. Der US-Präsident ärgert sich über die Nato. (Ausland, 09.04.2026 - 08:12) weiterlesen...

Künstliche Beleuchtung hat weltweit stark zugenommen Die Erde wird nachts heller: In Asien nimmt die künstliche Beleuchtung besonders stark zu, in Teilen Europas geht sie zurück - vor allem in einem Land. (Wissenschaft, 08.04.2026 - 17:00) weiterlesen...

Ölpreise brechen nach Waffenruhe-Ankündigung ein. Was das für den Markt bedeutet. Die Ölpreise sinken nach der Einigung auf eine Waffenruhe und der geplanten Öffnung der Straße von Hormus. (Wirtschaft, 08.04.2026 - 02:59) weiterlesen...

DIW-Expertin: Schwerste fossile Energiekrise unserer Zeit. Warum laut Energieexpertin Kemfert nur der Ausstieg aus fossilen Energien langfristig schützt. In die Höhe schnellende Öl- und Gaspreise infolge des Iran-Kriegs belasten die Weltwirtschaft. (Wirtschaft, 07.04.2026 - 17:31) weiterlesen...

US-Investor bietet 56 Milliarden Euro für Universal Music. Die Prämie für Aktionäre ist dem Angebot zufolge hoch. Taylor Swift, Lady Gaga und Co: Der aktivistische US-Investor Bill Ackman will Universal Music übernehmen. (Wirtschaft, 07.04.2026 - 10:40) weiterlesen...