EuropÀischer Nato-Gipfel will mit Selenskyj reden
13.12.2024 - 16:16:23Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus BĂŒndniskreisen lĂ€dt Nato-GeneralsekretĂ€r Mark Rutte zu dem Treffen am kommenden Mittwoch (18.12.) in BrĂŒssel ein. Dabei soll es auch um mögliche Sicherheitsgarantien fĂŒr den Fall eines Waffenstillstands gehen.
Neben Selenskyj werden zu dem Ukraine-Gipfel Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sowie die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, GroĂbritannien, Italien und Polen in BrĂŒssel erwartet. Zudem sollen Spitzenvertreter der EU wie KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen dabei sein.
Ein Thema soll demnach sein, wie ein möglicher kĂŒnftiger Waffenstillstand in der Ukraine ĂŒberwacht werden könnte. Als eine Option gilt dabei, eine internationale Friedenstruppe in der Ukraine zu stationieren.
Hintergrund der Ăberlegungen zu Sicherheitsgarantien ist das Szenario, dass Donald Trump als US-PrĂ€sident versuchen könnte, die Ukraine und Russland zu Verhandlungen zu drĂ€ngen. DafĂŒr könnte er beispielsweise der Ukraine androhen, im Fall einer Weigerung die MilitĂ€rhilfe einzustellen. Dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin wiederum könnte er drohen, die MilitĂ€rhilfe fĂŒr Kiew auszubauen, falls der Kremlchef sich Verhandlungen verweigern sollte.
Schwere RaketenschlÀge gegen Energieversorgung
Die Notwendigkeit eines Auswegs aus dem Krieg belegte ein weiterer schwerer Luftangriff, mit dem Russland die Ukraine am Freitagmorgen ĂŒberzog und vor allem die Energieversorgung ins Visier nahm. Der staatliche ukrainische Energieversorger Ukrenerho und das private Unternehmen DTEK meldeten neue SchĂ€den an ihren Kraftwerken. Es war nach Kiewer ZĂ€hlung der zwölfte derartige Angriff in diesem Jahr.
Selenskyj teilte mit, es seien mehr als 90 russische Raketen auf Ziele in seinem Land abgefeuert worden. "Es gelang, 81 Raketen abzuschieĂen", schrieb er bei Telegram. Allein die aus dem Westen gelieferten Kampfflugzeuge F-16 hĂ€tten russische 11 Marschflugkörper abgefangen. Vor der Raketenattacke am Morgen habe Russland ĂŒber Nacht zudem knapp 200 Kampfdrohnen eingesetzt. "Das ist einer der gröĂten Angriffe auf unser Energiesystem", schrieb der Staatschef. Nach Angaben des ukrainischen MilitĂ€rs wurden vier Hyperschallraketen Kinschal von russischen Kampfjets MiG-31 aus gestartet.
In mehreren Regionen wurden vorsorglich Stromsperren eingefĂŒhrt, um eventuellen Ăberlastungen des Netzes vorzubeugen. Wegen des Luftangriffs mussten die ukrainischen Atomkraftwerke zum wiederholten Mal ihre Leistung drosseln. Betroffen seien diesmal fĂŒnf von neun laufenden Reaktoren, teilte die Internationale Atomenergieorganisation IAEA in Wien im Netzwerk X mit. Starke Schwankungen der Spannung im Netz, Treffer auf Leitungen oder Umspannwerke bewirken, dass die Reaktoren gedrosselt werden mĂŒssen. Die IAEA warnt seit lĂ€ngerem davor, dass die Angriffe indirekt das Risiko von ZwischenfĂ€llen erhöhen.
Selenskyj bittet um Flugabwehr
Selenskyj erneuerte seine Aufrufe an die westlichen VerbĂŒndeten, mehr Flugabwehrsysteme zu liefern. Auch seien wirksamere Sanktionen gegen Russland nötig. "Erdöl gibt Putin ausreichend Geld, um an die eigene Straflosigkeit zu glauben", betonte der PrĂ€sident. Auf massive russische Angriffe mĂŒsse es eine massive Reaktion geben. "Nur so wird der Terror gestoppt", unterstrich Selenskyj.
Moskau wiederum nannte den Luftangriff die Reaktion auf einen Angriff der Ukraine mit angeblich westlichen Waffen. Es sei unter anderem um eine ukrainische Attacke auf einen russischen MilitÀrflughafen in Taganrog vom Mittwoch gegangen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge.
Das Verteidigungsministerium in Moskau schrieb bei Telegram, russische StreitkrĂ€fte hĂ€tten als Antwort einen massiven Schlag gegen die ukrainische Kraftstoff- und Energieinfrastruktur gefĂŒhrt. Diese versorge MilitĂ€r und Industrie des Gegners.
Kreml: Planungen fĂŒr Kriegsende zu frĂŒh
Zu der europĂ€ischen Diskussion ĂŒber Auswege aus dem Krieg sagte der Kremlsprecher, es sei voreilig, ĂŒber eine internationale Truppe zur Sicherung eines Waffenstillstands nachzudenken. "Das kann alles in Verhandlungen besprochen werden", sagte Peskow. Einstweilen sei aber- wie er es darstellte - nur Moskau gesprĂ€chsbereit, nicht dieUkraine.
Die Ukraine sei derzeit nicht stark genug fĂŒr Verhandlungen mit Moskau, sagte der ukrainische PrĂ€sidialamtschef Andrij Jermak. "Heute sind wir noch nicht so weit. Uns fehlen Waffen, uns fehlt ein Status", sagte er am Donnerstag im ukrainischen TV. "Wir sprechen ĂŒber eine Einladung in die Nato und klare Garantien, die sicherstellen wĂŒrden, dass Putin nicht in zwei oder drei Jahren zurĂŒckkehrt."

