EZB-PrÀsidentin Lagarde: Geldpolitik auch nach erster Lockerung datenabhÀngig
20.03.2024 - 10:50:43Dies gelte auch fĂŒr die Zeit, nachdem die straffe Geldpolitik erstmalig gelockert wurde, sagte EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde am Mittwoch in Frankfurt auf einer Notenbank-Konferenz. Aktuell wird an den FinanzmĂ€rkten mit einer ersten Zinssenkung der EZB auf der ĂŒbernĂ€chsten Sitzung im Juni gerechnet.
"Erstens mĂŒssen unsere Entscheidungen weiterhin datenabhĂ€ngig und von Sitzung zu Sitzung getroffen werden, sie mĂŒssen auf neu eingehende Informationen reagieren", erklĂ€rte die Französin. "Das bedeutet, dass wir uns auch nach der ersten Zinssenkung nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad festlegen können."
Zweitens werde der politische Rahmen der EZB entscheidend bleiben, um die eingehenden Daten zu verarbeiten und die politische Ausrichtung anzupassen. Die Notenbank hatte sich unlĂ€ngst einen neuen Handlungsrahmen gegeben, der die rĂŒcklĂ€ufige LiquiditĂ€t im Finanzsektor und den Ăbergang zu einer weniger krisenorientierten Geldpolitik berĂŒcksichtigt.
Lagarde nannte drei Faktoren, die fĂŒr die absehbare Lockerung der geldpolitischen Linie entscheidend seien. Diese sind die Lohnentwicklung, die Gewinnmargen der Unternehmen und das ProduktivitĂ€tswachstum. "Angesichts der Verzögerungen, mit denen diese Daten verfĂŒgbar werden, können wir nicht warten, bis wir alle relevanten Informationen haben." Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die Anpassung der Geldpolitik zu spĂ€t erfolge.
In den kommenden Monaten seien wichtige Hinweise zu erwarten, die das Zutrauen der Notenbanker fĂŒr einen ersten Zinsschritt erhöhen könnten, sagte die Französin. Sie nannte zum einen neue Zahlen zum Lohnwachstum. Zum anderen werde man zur Juni-Sitzung des EZB-Rats neue Projektionen zu Wachstum und Inflation vorliegen haben. Die Projektionen werden vom Mitarbeiterstab erstellt und dienen den Notenbankern als Entscheidungsgrundlage.
Die EZB hat ihre Geldpolitik seit Mitte 2022 erheblich gestrafft, weil die Inflationsraten vor allem als Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine stark gestiegen waren. Seit einiger Zeit entwickelt sich die Teuerung aber wieder nach unten, so dass die Zentralbank auf eine Lockerung ihrer Ausrichtung zusteuert.

