Neubaur enttÀuscht von Thyssenkrupps geplanten PlÀnen
12.04.2024 - 10:54:41Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (GrĂŒne) hat sich kritisch zu den PlĂ€nen des Stahlherstellers Thyssenkrupp Steel fĂŒr ProduktionskĂŒrzungen in Duisburg geĂ€uĂert.
«Die AnkĂŒndigung der unternehmerischen Entscheidung Thyssenkrupps, in Duisburg ĂberkapazitĂ€ten und damit wohl ArbeitsplĂ€tze abzubauen, ist eine enttĂ€uschende Nachricht - fĂŒr den Stahlstandort Deutschland und Nordrhein-Westfalen, in erster Linie aber fĂŒr die vielen BeschĂ€ftigten», sagte Neubaur in DĂŒsseldorf.
Thyssenkrupp Steel ist Deutschlands gröĂter Stahlhersteller und eine Sparte des Industriekonzerns Thyssenkrupp. Der Vorstand hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, dass die ProduktionskapazitĂ€ten in Duisburg deutlich reduziert werden sollen. Damit werde «auch ein noch nicht bezifferbarer Abbau von ArbeitsplĂ€tzen verbunden sein». Dieser werde auch nachgelagerte Weiterverarbeitungsstufen sowie die Verwaltungs- und Dienstleistungsbereiche betreffen. In der Sparte arbeiten derzeit rund 27.000 Menschen, davon 13.000 in Duisburg. Bis Ende MĂ€rz 2026 gilt eine BeschĂ€ftigungsgarantie. «Es ist das erklĂ€rte Ziel, betriebsbedingte KĂŒndigungen auch weiterhin zu vermeiden», hieĂ es.
Konzern soll «faire und tragfĂ€hige Lösungen» fĂŒr BeschĂ€ftigte finden
Derzeit seien betriebsbedingte KĂŒndigungen bis 2026 ausgeschlossen, so Neubaur weiter. «Der Konzern steht aber jetzt vor der groĂen Herausforderung, gemeinsam mit den Sozialpartnern fĂŒr die Betroffenen faire und tragfĂ€hige Lösungen zu finden.» Dies gelte umso mehr, da Thyssenkrupp in den vergangenen Jahren staatliche UnterstĂŒtzung in Milliardenhöhe erhalten habe.
Global gebe es seit Jahren eine deutliche Ăberproduktion von Stahl, sagte Neubaur. Diese sei jetzt auch noch gepaart mit einem NachfragerĂŒckgang aufgrund der weltweit eingetrĂŒbten Wirtschaftslage infolge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. «Um sich vor dem Hintergrund dieser schwierigen globalen Wettbewerbssituation zukunftsfĂ€hig aufzustellen, muss das Unternehmen die klimaneutrale Transformation seiner Produktionsprozesse jetzt weiter konsequent vorantreiben», forderte die Ministerin.
Ministerin pocht auf Umsetzung der NeubauplÀne
Dies mĂŒsse aus Verantwortung fĂŒr die Region und die BeschĂ€ftigten geschehen, die sich auf ihren Arbeitgeber verlassen können mĂŒssten. «Wir gehen daher davon aus, dass das Unternehmen die Hochofenroute auf eine wasserstoffbasierte DRI-Anlage und zwei Einschmelzer vollstĂ€ndig, wie geplant und mit der EuropĂ€ischen Kommission in gemeinsamen Kraftakt verhandelt, am Standort Duisburg umsetzen wird.» Die drei Milliarden Euro teure Anlage soll einen Hochofen ersetzen. Bund und Land fördern Bau und Betrieb mit rund zwei Milliarden Euro.
Mindestens 17 Prozent KapazitÀtsabbau geplant
Kern der Neuaufstellung wird den Angaben zufolge eine Reduzierung der installierten ProduktionskapazitĂ€ten von aktuell 11,5 Millionen Tonnen auf etwa 9 bis 9,5 Millionen Tonnen pro Jahr sein. In den 11,5 Millionen Tonnen sind auch die Thyssenkrupp zugeschriebenen Stahlmengen enthalten, die vom Duisburger Unternehmen HĂŒttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) produziert werden. Thyssenkrupp Steel ist zu 50 Prozent an HKM beteiligt. Der geplante Abbau der KapazitĂ€t entspricht einem RĂŒckgang um 17 bis 22 Prozent.
Thyssenkrupp Steel betonte, dass am Umbau der Produktion in Richtung klimaneutrale Stahlerzeugung festgehalten werde. «Der Bau der ersten Direktreduktionsanlage am Standort Duisburg wird weiter wie geplant umgesetzt, mit UnterstĂŒtzung durch die dafĂŒr von Bund und Land freigegebenen Fördermittel.» Auch die Zielsetzung, bis spĂ€testens 2045 vollstĂ€ndig klimaneutral zu produzieren, bleibe uneingeschrĂ€nkt bestehen.


