Reiche will bei Gaskraftwerken mehr Chancen fĂŒr Nord und Ost
06.07.2026 - 12:03:26 | dpa.deBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will im Streit um eine Benachteiligung beim Bau neuer Gaskraftwerke auf den Norden und Osten zugehen. Der sogenannte SĂŒdbonus fĂŒr sĂŒdlichere BundeslĂ€nder soll nicht mehr in der bisherigen Form gelten - das zeichnet sich in den GesetzesplĂ€nen zur Sicherung der Stromversorgung ab.Â
Geplant sind Verbesserungen zugunsten von Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und ThĂŒringen. Darauf deutet ein Ănderungsantrag der schwarz-roten Koalition hin, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor berichtete die «MĂ€rkische Allgemeine». Das Gesetz soll noch in dieser Woche im Bundestag geĂ€ndert werden, der Bundesrat berĂ€t am Freitag. Das Bundeswirtschaftsministerium verwies auf Inhalte parlamentarischer Beratungen.
«SĂŒdbonus» soll nicht gleich greifen
Bis zu zwei Drittel der ausgeschriebenen KraftwerkskapazitĂ€ten sollten nach den bisherigen PlĂ€nen vorrangig in den «netztechnischen SĂŒden» gehen. Dies umfasst die BundeslĂ€nder Baden-WĂŒrttemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Nach dem neuen Vorschlag sollen zunĂ€chst die gĂŒnstigsten Gebote gewĂ€hlt werden und der SĂŒdbonus erst dann greifen, wenn bei der Ausschreibung ein Drittel der ZuschlĂ€ge in die LĂ€nder im Norden und Osten gegangen ist.Â
Reiche hatte der Lausitz im Beisein von Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) beim Besuch des Energiekonzerns Leag im Sommer 2025 den Bau neuer Gaskraftwerke zugesagt. Sie sollen beim geplanten Kohleausstieg bis 2038 die Versorgungssicherheit mit Strom gewĂ€hrleisten und kĂŒnftig als Backups in «Dunkelflauten» mit einer geringen Erzeugung aus Solar- und Windenergie einspringen. Die Anlagen mĂŒssen auch auf Wasserstoffnutzung umgestellt werden können.
Woidke dankte der Bundeswirtschaftsministerin fĂŒr die Ănderung zugunsten des Ostens. «Das sind erfreuliche Neuigkeiten fĂŒr Brandenburg, fĂŒr die Lausitz, fĂŒr den Osten und fĂŒr den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland», sagte der SPD-Politiker. Es sei auch eine gute Nachricht fĂŒr die Kraftwerksstandorte der Lausitz. Die Leag könne sich mit guten Chancen an der Ausschreibung beteiligen.
Die Leag will neue Gaskraftwerke bauen, die spĂ€ter auf Wasserstoffkraftwerke umgerĂŒstet werden können. Das soll den BeschĂ€ftigten nach dem Kohleausstieg eine Perspektive geben. Der Entwurf des Gesetzes zur Sicherheit der Stromversorgung sorgte dann fĂŒr Kritik.
Energieunternehmen und LĂ€nder fordern Ănderung
Die Energieunternehmen Leag in Brandenburg und Mibrag in Sachsen und Sachsen-Anhalt und die Industriegewerkschaft BCE hatten die Bundesregierung aufgefordert, den Gesetzentwurf nachzubessern.
Im Juni stimmte der Bundesrat einem Ănderungsvorschlag von Sachsen mit Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zu. Er sah vor, die Verteilung durch zwei separate Ausschreibungen so zu steuern, dass zwei Drittel der Standorte im SĂŒden, ein Drittel im Norden und Osten liegen.
Positive Reaktionen aus dem Osten
Der Energiekonzern Leag kĂŒndigte an: «Wir stellen uns dem Wettbewerb in den anstehenden Ausschreibungen.» Der Konzern habe sich fĂŒr faire Wettbewerbsbedingungen ausgesprochen, um fĂŒr dringend notwendige steuerbaren KraftwerkskapazitĂ€ten auch auĂerhalb des SĂŒdens eine valide Basis zu schaffen.Â
Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement (CSU), die fĂŒr Nachbesserungen geworben hatte, wertete die ĂnderungsplĂ€ne positiv. «Neue steuerbare KraftwerkskapazitĂ€ten mĂŒssen dort entstehen, wo sie das Stromsystem am wirksamsten stabilisieren», sagte Klement. Der Chef der Brandenburger CDU-Abgeordneten im Bundestag, Sebastian Steineke, sprach von einem starken Signal fĂŒr den gesamten Osten.
Der GrĂŒnen-Bundestagsabgeordnete Michael Kellner, frĂŒher Parlamentarischer WirtschaftsstaatssekretĂ€r bei Reiches VorgĂ€nger Robert Habeck, sagte: «Der breite Protest gegen den SĂŒdbonus hat gewirkt, das ist eine gute Nachricht fĂŒr den Osten.» Er kritisierte aber, dass Union und SPD den Kraftwerksbetreibern «deutlich mehr Kohle fĂŒr die Gaskraftwerke» geben wollten.
