EU-Handelskammer mahnt China zu weniger ĂberkapazitĂ€ten
20.03.2024 - 07:44:54Die Kammer hoffe, dass die Regierung die Nachfrage im Land stĂŒtze und damit den Druck aus den Spannungen im Handel zwischen Europa und China herausnehme, sagte KammerprĂ€sident Jens Eskelund am Mittwoch in Peking. "ĂberkapazitĂ€ten sind ein deutliches Problem geworden. Und was uns derzeit beunruhigt ist, dass es sich ĂŒber alle Sektoren auszubreiten scheint." Als Beispiele nannte Eskelund die Autobranche oder den Solarbereich, in dem die Preise Jahr fĂŒr Jahr abstĂŒrzten.
In Deutschland etwa hatte der Solarhersteller Meyer Burger die Modulproduktion in seinem Werk im sĂ€chsischen Freiberg in der vergangenen Woche gestoppt. Die SchlieĂung der Fabrik werde weiter vorbereitet, teilte das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz kĂŒrzlich mit. Als Grund galt auch die starke Konkurrenz durch billige Solarmodule aus China.
Eskelund zufolge belasten ĂberkapazitĂ€ten, was im Prinzip bedeutet, dass mehr Produkte hergestellt werden, als sie nachgefragt sind. In manchen Industrien drĂŒcke das auf die ProfitabilitĂ€t, in anderen Bereichen gehe es um die ĂberlebensfĂ€higkeit der Firmen. Das Problem schade nicht nur europĂ€ischen, sondern auch chinesischen Firmen, sagte er.
Wo die ĂberkapazitĂ€ten herkommen
Dass in China ĂberkapazitĂ€ten auftreten, liege bislang daran, dass es in der Volksrepublik keine Marktmechanismen gebe, sagte ein frĂŒherer PrĂ€sident der EU-Kammer. Ihm zufolge mĂŒssten von den ungefĂ€hr 150 000 Staatsunternehmen und den etwa 140 Autofirmen viele pleitegehen, was jedoch wegen lokaler Subventionen nicht passiere. Das Problem von zu viel Angebot könne daher nur ernsthaft angegangen werden, wenn Firmen wie in einer Marktwirtschaft bankrottgingen.
Chinas Industriepolitik unterstĂŒtze zudem zu stark die Hersteller auf der Angebotsseite und nicht die Konsumentenseite, sagte ein weiterer Ex-PrĂ€sident der Kammer in einer Diskussionsrunde. "Wenn du Subventionen einsetzen willst, gib sie dem Konsumenten. Das hilft, die Probleme zu verhindern, in die China geraten ist", sagte er.
EU-Firmen haben immer mehr Bedenken
Die chinesischen ĂberkapazitĂ€ten oder die BrĂŒsseler Anti-Subventionsuntersuchung gegen Autobauer in China belasten schon lĂ€nger die Beziehungen zwischen den beiden wichtigen Handelspartnern. Das wirkt sich auch auf das GeschĂ€ftsklima auslĂ€ndischer Firmen in China aus. Wie aus einem am Mittwoch vorgestellten Bericht der EU-Kammer hervorgeht, sind die Bedenken von in der Volksrepublik operierenden EU-Unternehmen in den vergangenen Jahren "exponentiell gestiegen".
Firmen steckten deshalb mehr Geld als je zuvor in die Minderung von Risiken fĂŒr ihr GeschĂ€ft oder in MaĂnahmen zur Einhaltung von Regeln in China. Viele der rund 1800 Mitgliedsfirmen der Kammer berichteten, dass es immer schwieriger geworden sei, in China GeschĂ€fte zu machen.

