Geywitz klar gegen höhere DÀmm-Standards im Neubau
21.08.2023 - 16:40:32 | dpa.de
Angesichts der schleppenden BautĂ€tigkeit in Deutschland stemmt sich Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) gegen die geplante Erhöhung der Energiestandards fĂŒr Neubauten. «Wir mĂŒssen auch eine Debatte fĂŒhren, ob wir weitere StandardverschĂ€rfungen wirklich durchfĂŒhren sollten», sagt Geywitz im RTL/ntv-«FrĂŒhstart». Nach einer neuen Umfrage des Ifo-Instituts setzt der Wohnungsbau in Deutschland seine Talfahrt ungebremst fort.
Im Juli klagten gut 40 Prozent der vom Ifo befragten Unternehmen ĂŒber Auftragsmangel, nach 34,5 Prozent im Juni. «Es braut sich ein Sturm zusammen. Nach einem langjĂ€hrigen Boom wĂŒrgen die höheren Zinsen und die drastisch gestiegenen Baukosten das NeugeschĂ€ft förmlich ab», sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen, in MĂŒnchen.
Zugleich wĂŒrden laufend Projekte storniert. Die Ampel-Koalition hatte wegen des enormen Bedarfs vor allem in den StĂ€dten im Koalitionsvertrag den Bau von jĂ€hrlich 400.000 neuen Wohnungen angepeilt - davon 100.000 Sozialwohnungen.
Geywitz sagte: «Ich glaube, es ist nicht die Zeit (...), hier noch einmal die Standards zu verschĂ€rfen.» Geywitz bezog sich dabei auf eine Verabredung im Koalitionsvertrag von SPD, GrĂŒnen und FDP, nach der der Energieeffizienzstandard EH-40 fĂŒr Neubauten ab Anfang 2025 vorgeschrieben werden soll. Damit wĂŒrden die Vorgaben zur StĂ€rke der DĂ€mmung verschĂ€rft.
Strengere Vorgaben zur DĂ€mmung wĂŒrden die Baukosten erhöhen, sagteeine Ministeriumssprecherin. Deshalb stelle Geywitz die Frage, ob die DĂ€mmung ein Allheilmittel sei oder eher die Lebenszykluskosten eines GebĂ€udes betrachtet werden mĂŒssten. Mit dem Wirtschaftsressort werde nun der Entwurf fĂŒr ein GebĂ€udeenergiegesetz zu diesen Fragen erarbeitet, wozu die HĂ€user «zeitnah» ins GesprĂ€ch gingen. FĂŒr Ende September sei zudem ein MaĂnahmenpaket zur Ankurbelung der BautĂ€tigkeit geplant, bekrĂ€ftigt die Ministeriumssprecherin.
Wohnungsbauunternehmen: Viele AuftrÀge werden storniert
Laut Ifo-Institut meldete jedes zehnte Wohnungsbauunternehmen nun Finanzierungsschwierigkeiten. «Viele Projekte sind unter den neuen Rahmenbedingungen fĂŒr Investoren nicht mehr rentabel, und auch private Bauleute haben zunehmenden Probleme, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen», sagt Wohlrabe. FĂŒr die kommenden Monate rechnet eine Mehrheit der Unternehmen mit einer weiteren AbkĂŒhlung. «Auf der einen Seite werden kontinuierlich bestehende AuftrĂ€ge storniert, auf der anderen Seite kommen immer weniger NeuauftrĂ€ge rein», sagte Wohlrabe.
Den Vorschlag der GrĂŒnen-Vorsitzenden Ricarda Lang, ĂŒber öffentliche Investitionsgesellschaften den sozialen Wohnungsbau zu fördern, lehnt Geywitz ab. «Was man nicht machen sollten, wenn die Verfassung eine Schuldenbremse vorsieht, jetzt einen Schleichweg zu finden», sagt die SPD-Politikerin.
Die GrĂŒnen-Chefin hatte im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur fĂŒr eine Umgehung der Schuldenbremse plĂ€diert. «Ohne jede Auswirkung auf die Schuldenbremse können wir etwa problemlos die Bahn oder die Bundesanstalt fĂŒr Immobilienaufgaben so ausstatten, dass sie den Herausforderungen unserer Zeit gerecht werden», erklĂ€rte Lang. Die Bundesanstalt fĂŒr Immobilienaufgaben (Bima) könne dann in den sozialen Wohnungsbau investieren. Ende vergangenen Jahres gab es bundesweit rund 1,088 Millionen Sozialwohnungen in Deutschland - rund 14.000 weniger als ein Jahr zuvor.
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