Auftragsschub fĂŒr Industrie - Ausblick aber eingetrĂŒbt
07.05.2026 - 11:40:08 | dpa.deEin Hoffnungsschimmer fĂŒr die angeschlagene deutsche Wirtschaft, aber weiter maue Wachstumsaussichten fĂŒr dieses Jahr: Im MĂ€rz zog der Wert der AuftragseingĂ€nge fĂŒr die Industrie ĂŒberraschend krĂ€ftig um 5,0 Prozent zum Vormonat an, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.Â
Der Auftragseingang lag ohne die BerĂŒcksichtigung von GroĂauftrĂ€gen auf dem höchsten Niveau seit Februar 2023, schrieben die Statistiker. «Die deutsche Industrie hat im ersten Kriegsmonat ĂŒberraschend deutlich mehr AuftrĂ€ge erhalten, auch wenn man die stark schwankenden GroĂauftrĂ€ge herausrechnet», sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer. Doch der Einbruch von Stimmungsindikatoren wie dem Ifo-GeschĂ€ftsklima zeige eine groĂe Verunsicherung der Unternehmen.
Als Folge des Iran-Kriegs rechnen Konjunkturforscher des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,4 Prozent.
Ministerium weist auf möglichen Vorzieheffekt hin
Das Bundeswirtschaftsministerium Ă€uĂerte sich ebenfalls vorsichtig. Der Iran-Krieg habe zu einem Energiepreisschock gefĂŒhrt, der sich verzögert auch auf andere GĂŒter niederschlagen werde. «Vor diesem Hintergrund dĂŒrften im MĂ€rz verstĂ€rkt Bestellungen in Erwartung steigender Preise bzw. möglicher LieferengpĂ€sse getĂ€tigt worden sein.»
Das Auftragsplus fĂŒr die Industrie im MĂ€rz ging zu einem groĂen Teil auf den deutlichen Anstieg bei Herstellern elektrischer AusrĂŒstungen zurĂŒck. Aber auch im Maschinenbau (plus 6,9 Prozent) sowie in der Produktion von DatenverarbeitungsgerĂ€ten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (plus 14,4 Prozent) gab es mehr Bestellungen.
IW: Krieg hat zaghafte Erholung abgewĂŒrgt
 «Die AuftragseingĂ€nge der Industrie aus dem MĂ€rz sind ein Indiz, dass die deutsche Industrie unmittelbar vor dem Iran-Krieg zu einer klaren Erholung angesetzt hatte und auch im ersten Kriegsmonat noch robust aufgestellt war», sagte Sebastian Dullien, wissenschaftliche Direktor des Instituts fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Die Industrie dĂŒrfte sich aber erst erholen, wenn die Energiepreise wieder spĂŒrbar fielen und damit die vom Krieg gebremste Konjunktur wieder Fahrt gewinne.
«Der Iran-Krieg hat die zaghafte Erholung der deutschen Wirtschaft abgewĂŒrgt», stellte auch IW-Ăkonom Michael Grömling fest. «Steigende Energiepreise und Lieferstörungen treffen ein Land, das nach drei Jahren Rezession und Stagnation kaum noch Puffer hat», sagte er. Das erwartete kleine Plus von 0,4 Prozent komme vor allem durch staatliche Konsumausgaben und Investitionen in die Verteidigung zustande.Â
Exporte schrumpfen zum vierten Mal in FolgeÂ
«Die deutschen Exporte schrumpfen zum vierten Mal in Folge, wĂ€hrend der Welthandel wĂ€chst», bemerkte Grömling. Die deutsche Konjunktur koppele sich immer stĂ€rker von den WeltmĂ€rkten ab. Das spreche fĂŒr einen gravierenden Verlust an WettbewerbsfĂ€higkeit.
Zu Jahresbeginn ist die deutsche Wirtschaft trotz aller Krisen leicht gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Quartal zum Vorquartal um 0,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt anhand vorlÀufiger Daten mitteilte.
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