Inflation, Gesamtjahr

Inflation im Gesamtjahr 2023 bei 5,9 Prozent

04.01.2024 - 16:29:26

Die Inflation fĂ€llt 2023 zwar niedriger aus als ein Jahr zuvor. Doch die Belastung fĂŒr Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt hoch.

Die Inflation in Deutschland lĂ€sst nur allmĂ€hlich nach. 2023 war fĂŒr Verbraucherinnen und Verbraucher das zweitteuerste Jahr seit der Wiedervereinigung, im Dezember zog die Teuerung wieder an. Im Jahresschnitt legten die Verbraucherpreise nach vorlĂ€ufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes um 5,9 Prozent zu. Einen höheren Wert in einem Gesamtjahr gab es im wiedervereinigten Deutschland nur 2022 mit 6,9 Prozent. Volkswirte rechnen in diesem Jahr zwar mit sinkenden Teuerungsraten, der Weg zu dauerhaft niedrigeren Raten dĂŒrfte aber «wohl steinig bleiben», wie Deutsche-Bank-Ökonom Sebastian Becker es einschĂ€tzt.

Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer hĂ€lt das Inflationsproblem noch nicht fĂŒr gelöst. Dabei spielten auch politische Entscheidungen eine Rolle, wie die Anhebung des CO2-Preises von 30 Euro je Tonne Kohlendioxid (CO2) auf 45 Euro. «Am Ende dĂŒrfte sich die Inflation eher bei 3 als bei 2 Prozent einpendeln, weil die Löhne krĂ€ftig steigen», prognostiziert KrĂ€mer.

DZ-Bank-Chefvolkswirt Michael Holstein erwartet ebenfalls einen vorerst erhöhten Preisdruck im neuen Jahr: «Das liegt vor allem am erhöhten CO2-Preis und der wieder gestiegenen Mehrwertsteuer in der Gastronomie. Von der Zwei-Prozent-Marke der EZB sind wir in Deutschland 2024 auch deshalb noch ein gutes StĂŒck entfernt.»

Die EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) strebt fĂŒr den Euroraum mittelfristig stabile Preise bei 2,0 Prozent Inflation an. Im Kampf gegen die hohe Teuerung im gemeinsamen WĂ€hrungsraum haben die WĂ€hrungshĂŒter die Leitzinsen seit Sommer 2022 zehn Mal in Folge erhöht.

Inflation dĂŒrfte auch 2024 «sehr unsozial» sein

DIW-PrĂ€sident Marcel Fratzscher fĂŒrchtet, dass die Inflation auch 2024 «sehr unsozial sein und Menschen mit geringen Einkommen deutlich hĂ€rter treffen» wird. Vor allem die Mieten könnten weiter deutlich steigen. Und auch die Energiekosten könnten wieder zulegen, weil steuerliche Entlastungen wegfallen und der CO2-Preis steigt.

Höhere Teuerungsraten schmĂ€lern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, sie können sich dann fĂŒr einen Euro weniger leisten. Der finanzielle Spielraum der Menschen schrumpft, EinkommenszuwĂ€chse werden von der Inflation aufgezehrt. Besonders hart trifft es Studien zufolge Menschen mit geringeren Einkommen, weil sie einen höheren Anteil ihres monatlichen Einkommens fĂŒr Energie und Lebensmittel aufbringen mĂŒssen.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 hatten sich vor allem Energie und Lebensmittel sprunghaft verteuert. Die Teuerungsrate in Deutschland kletterte bis auf 8,8 im Herbst 2022. Anfang 2023 lag die Inflation noch bei 8,7 Prozent.

Teuerungsrate zieht im Dezember wieder an

Im Dezember zog die Inflation den vorlĂ€ufigen Berechnungen des Bundesamtes in Wiesbaden zufolge nach fĂŒnf Monaten mit rĂŒcklĂ€ufigen Werten wieder auf 3,7 Prozent an. Im November war mit 3,2 Prozent der niedrigste Stand seit Juni 2021 erreicht worden.

Ein wichtiger Grund fĂŒr die Trendwende: Ein Jahr zuvor hatte der Staat im Dezember einmalig die Kosten fĂŒr den Abschlag der Gas- und FernwĂ€rmekunden ĂŒbernommen. Dieser preisdĂ€mpfende Effekt entfĂ€llt in der Berechnung fĂŒr Dezember 2023. Energie verteuerte sich zum Vormonat um 4,1 Prozent. FĂŒr Nahrungsmittel mussten die Menschen im letzten Monat des gerade zu Ende gegangenen Jahres 4,5 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Von November auf Dezember 2023 stiegen die Verbraucherpreise voraussichtlich insgesamt um 0,1 Prozent.

Nach EinschĂ€tzung von Sebastian Dullien vom Institut fĂŒr Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung ist die Inflationsdynamik in Deutschland allerdings gebrochen «und die Zeit wirklich hoher Inflationsraten ist vorbei».

Die bislang höchste Teuerungsrate in einem Gesamtjahr war in der damaligen Bundesrepublik 1951 mit 7,6 Prozent gemessen worden. Allerdings wurde die Berechnungsmethode im Laufe der Zeit geÀndert.

@ dpa.de