Prognose, Ifo-Institut

Ifo-Institut: Wirtschaft schrumpft 2023 um 0,4 Prozent

21.06.2023 - 14:14:55

Die Inflation flaut langsam ab, aber die Konjunktur lahmt: In der deutschen Wirtschaft lÀuft es nicht rund, sagt Ifo-Experte WollmershÀuser. Aber ab Herbst soll es besser werden.

Das Ifo-Institut hat seine Konjunkturprognose fĂŒr das laufende Jahr gesenkt und erwartet jetzt einen RĂŒckgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozent. Die Inflation dĂŒrfte mit 5,8 Prozent geringer sein als im vergangenen Jahr, aber erst ab dem vierten Quartal dĂŒrfte der private Konsum die Wirtschaftsleistung wieder spĂŒrbar erhöhen. «Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich nur ganz langsam aus der Rezession heraus», sagte Ifo-Konjunkturchef Timo WollmershĂ€user in Berlin.

Mit einem RĂŒckgang der Wirtschaftsleistung um 0,9 Prozent in den zwei vergangenen Quartalen «sind wir ganz klar das Schlusslicht» - bei allen wichtigen Handelspartnern laufe es besser. Ein Grund sei der relativ hohe Anteil an energieintensiver Industrie hierzulande. Die realen Haushaltseinkommen und die Kaufkraft seien gesunken. Anders als die Amerikaner beließen die BundesbĂŒrger ihre Ersparnisse aus den Corona-Jahren auf der hohen Kante und sparten beim Einkauf von Waren.

Rezession belastet den Arbeitsmarkt

Im laufenden und im kommenden Quartal erwarten die Konjunkturforscher nur ein ganz schwaches Wirtschaftswachstum von 0,1 und 0,2 Prozent. Ab dem Sommer jedoch dĂŒrften «die Einkommen wieder stĂ€rker zulegen als die Preise und der private Konsum an Fahrt aufnehmen». Bei den Dienstleistern laufe es bereits gut. Die Industrie habe noch hohe AuftragsbestĂ€nde und könne «dann mit dem allmĂ€hlichen Auslaufen der LieferengpĂ€sse wieder deutlich krĂ€ftiger expandieren», erwarten die Ifo-Experten. Auf der anderen Seite werde die Bauwirtschaft auch dieses und nĂ€chstes Jahr weiter schrumpfen. Die Baupreise stiegen weiter, die Kreditzinsen blieben hoch.

Die Rezession belaste auch den Arbeitsmarkt: «Der BeschĂ€ftigungsaufbau dĂŒrfte sich in den kommenden Monaten spĂŒrbar abschwĂ€chen.» Das Ifo-Institut erwartet einen Anstieg der Arbeitslosenzahl von 2,42 Millionen im vergangenen Jahr auf 2,55 Millionen im laufenden Jahr.

Wirtschaftswachstum im nÀchsten Jahr erwartet

NĂ€chstes Jahr erwarten die MĂŒnchner Konjunkturforscher dann ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent und eine Normalisierung der Inflationsrate auf 2,1 Prozent. Eine Lohn-Preis-Spirale sei nicht in Sicht, weil in den Tarifrunden viele Einmalzahlungen vereinbart worden seien. Die Lasten des Energiepreisschocks seien relativ gerecht verteilt, denn auch von den Umsatz- und Gewinnsteigerungen vieler Unternehmen «bleibt nach der Inflation nicht mehr viel ĂŒbrig», sagte WollmershĂ€user.

Die Energiewende koste Deutschland zunĂ€chst Ressourcen und bringe keinen Wachstumsschub. «Die FrĂŒchte der Transformation werden wir erst in der Zukunft irgendwann ernten», sagte WollmershĂ€user. Das gravierende Problem sei der RĂŒckgang der Fach- und ArbeitskrĂ€fte in Deutschland: Dadurch werde die Wirtschaftsleistung mittel- und langfristig nur noch sehr wenig wachsen.

@ dpa.de